Vielfalt an Hochschulen – Studie zum Diversitätsmanagement in europäischen Nachbarländern
Wie sieht wohl der typische deutsche Hochschulstudent aus? Diese Frage wird sich mit der Zeit immer weniger beantworten lassen. Der Bildungsmarkt wird globaler und die Studierendenschaft heterogener. Studieren mit Kind, neben dem Beruf und eine Studierendenschaft mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Doch wie reagieren die Hochschulen auf diese Vielfalt und die Herausforderungen, die sich ihnen dadurch stellen? CHE Consult untersuchte Diversitätsregelungen für Hochschulen in Deutschlands Nachbarstaaten.
Grundlegende Entwicklungen wie die Globalisierung, der demografische Wandel und die Entstehung einer Wissensgesellschaft sind ausschlaggebend dafür, dass die Studierendenschaft immer heterogener wird. Vielfalt birgt Chancen für die Gesellschaft. Jedoch gilt es auf die zunehmende Diversität hinsichtlich der sozialen, ökonomischen, geschlechtsspezifischen, kulturellen oder religiösen Zusammensetzung der Studierendenschaft, angemessen zu reagieren. Hochschulen benötigen geeignete Strukturen und müssen Maßnahmen entwickeln, um den unterschiedlichen Zielgruppen gerecht zu werden. Politische Rahmenbedingungen sind dafür notwendig. CHE Consult hat über die Grenzen in Deutschlands Nachbarstaaten geschaut und dabei gute Praxisbeispiele ausfindig gemacht.
Die Ergebnisse der Studie zum Thema Diversity Management zeigen Tendenzen in die richtige Richtung. „Da ist aber noch viel zu tun“, sagt Uwe Brandenburg vom Centrum für Hochschulentwicklung. Sowohl in Deutschland als auch in seinen Nachbarländern. „Denn wir haben in der Gesellschaft viele Menschen, die bislang keine großen Chancen hatten, ihre Möglichkeiten auszuleben“. Die kulturelle Vielfalt in der Gesellschaft spiegelt sich noch nicht in gleichem Maße an den Universitäten und Fachhochschulen wieder. Da müsse man aber bereits in der Schule ansetzen, so Brandenburg, um zu gewährleisten, dass Kindern mit verschiedenen kulturellen Hintergründen dieselben Chancen auf ein Abitur haben.
Der Fokus der meisten europäischen Länder liegt auf der Gleichberechtigung von Geschlechtern. Politische Rahmenbedingungen und Maßnahmen auf diesem Gebiet weisen oft den Schwerpunkt Frauenförderung auf, wie beispielsweise in Dänemark. Andere Staaten haben bestimmte Aspekte stärker in den Fokus genommen. So konzentrieren sich die Maßnahmen an tschechischen Hochschulen auf Studierende mit Behinderung und Frankreich setzt einen Schwerpunkt bei der Anti-Diskriminierung. „Länder wie Dänemark oder die Schweiz haben viele interessante Ansätze, von denen deutsche Unis sehr viel lernen können“, sagt der studierte Politikwissenschaftler. Überraschend ist es nicht, da diese Länder Vielfalt auch auf nationaler Ebene zu ihren Stärken zählen. „Auf der anderen Seite gibt es in Deutschland auch eine ganze Reihe an Aktivitäten, die in Konzepte eingebunden sind und damit über Einzelmaßnahmen hinausgehen: an der Universität Duisburg-Essen und der Hochschule Mannheim zum Beispiel“. Diese Hochschulen weisen Strategien und Strukturen (Prorektorat Diversity Management) zum Thema Diversity auf und sind bestrebt, weitere Konzepte des Diversity Management auszuarbeiten. An der Universität Duisburg-Essen findet in den Monaten Juni und Juli dieses Jahres eine Befragung auf dem Campus statt, um den Bedarf der Studierenden an speziellen Beratungs- und Informationsmöglichkeiten festzustellen. Das Hauptproblem von Diversitätspolitik an vielen Hochschulen ist, dass hinter zahlreichen Aktivitäten keine hochschulübergreifende Strategie steht.
Diversity Management wird vom CHE als zentraler Steuerungsansatz an Hochschulen verstanden. Dieses Konzept soll eine Steigerung der Studienerfolgsquoten erzielen und gleiche Chancen gewähren. Vielfalt und Unterschiedlichkeit bedeuten eine große Chance für die Gesellschaft. Die Qualität und Attraktivität der europäischen Hochschulbildung soll verbessert werden. „Diversity Management innerhalb der Hochschule ist darauf gerichtet, die Potenziale, die man hat, zu nutzen. Schwächen im System sollen minimiert, Abbruchraten gesenkt und die Zufriedenheit im Studium erhöht werden“, erklärt Uwe Brandenburg. „Ein anderer Aspekt ist, wie mache ich aktives Diversity Management, in dem Sinne, dass ich meine Studierendenschaft internationaler oder in anderer Weise diverser bekomme“. Es fehlen oft Angebote, die bestimmte Zielgruppen ansprechen, wie zum Beispiel Teilzeitstudium und Studieren mit Kind. „Es gibt Universitäten, die schon bald relativ leer sein werden, andere wird dies Schicksal in 10 bis 15 Jahren treffen. Wir können schon aus diesem Grund zukünftig nicht mehr alleine auf den "klassischen Studierenden" bauen“.
Zur Studie: http://www.che.de/downloads/CHE_AP121_Diversity_Policies.pdf
Von Maria Kern


