Mitten im Aufschwung - Industrie ist Taktgeber
Die Wirtschaft in der Pfalz befindet sich mitten in einem kräftigen Aufschwung, dem insbesondere die Industrie Schubkraft verleiht. Die Einschätzung der Industrie hinsichtlich Geschäftslage und Aussichten für die kommenden zwölf Monate ist noch einmal deutlich günstiger als ihre bereits zu Jahresbeginn optimistische Beurteilung.
Grund dafür ist u. a. die anhaltend dynamische Auslandsnachfrage. Handel und Dienstleistungssektor urteilen etwas verhaltener. Investitionen und Arbeitsmarkt gewinnen leicht an Schwung. Der Konjunkturklimaindex* erreicht nach dem Frühjahr 2007 wieder seinen Höchststand von 132 Punkten. Als bedeutende Risikofaktoren schätzt die Wirtschaft vor allem die hohen Energie- und Rohstoffpreise, aber auch die politischen Unruhen in Nordafrika und Nahost, die Atomkatastrophe in Japan sowie die Schuldenkrise einiger europäischer Staaten ein.
Industrie
Die Industrieunternehmen beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage überaus positiv. Nach 37% zu Jahresbeginn sprechen nun 48 % der befragten Unternehmen von einem guten Geschäftsklima und 44% (Jahresbeginn: 50%) von einem befriedigenden. Besonders zufrieden sind die Konsumgüter-Hersteller mit 63% (41% zu Jahresbeginn), wohingegen sich das Baugewerbe sich mit 22% Gut-Stimmen (19% zu Jahresbeginn) deutlich verhaltener äußert. Nach 38% zu Jahresbeginn erwarten nun 42% der Industriebetriebe eine weiter verbesserte Geschäftstätigkeit, konstante 51% gehen von einem gleich bleibenden Verlauf aus.
Bei den Vorleistungs- und Investitionsgüter-Produzenten schauen 48% besonders optimistisch in die Zukunft. Die Industrie sieht jedoch einige Risiken, insbesondere die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise (77%, Mehrfachnennungen möglich). Als weitere Risiken für den Aufschwung werden die Inlandsnachfrage (36%), die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen im In- und Ausland (34%) und der Ausgang der Tarifverhandlungen (31%) betrachtet.
Der Export wird voraussichtlich weiter auf hohem Niveau verlaufen. Unverändert 40% gehen von einer höheren Auslandsnachfrage aus, jeder Zweite erwartet eine gleich bleibende Exporttätigkeit. Besonders optimistisch auch hier: die Konsumgüter-Produzenten. Bei ihnen hat sich der prozentuale Anteil derjenigen, die eine höhere Auslandsnachfrage erwarten, seit Jahresbeginn auf 54% verdoppelt. Auch die Investitionen kommen langsam in Schwung: 30% (27%) der Hersteller planen höhere Ausgaben und weniger wollen ihr Budget kürzen (15% gegenüber 20% zu Jahresbeginn). Das Hauptmotiv ist und bleibt die Ersatzbeschaffung (60%, Mehrfachnennungen möglich), mit Abstand gefolgt von Rationalisierungsmaßnahmen (38%) und der Einführung von Produktinnovationen (33%). Die Investitionen in den Umweltschutz nehmen an Bedeutung zu (von 8% auf 17%).
Gut ein Viertel will neue Arbeitsplätze schaffen (22% zu Jahresbeginn); knapp zwei Drittel wollen ihren Personalstand beibehalten. Bei den Herstellern von Investitionsgütern ist in größerem Umfang (42%) mit Neueinstellungen zu rechnen.
Handel
Im Handel wird das aktuelle Geschäftsklima verhaltener beurteilt als noch zu Jahresbeginn, bleibt aber auf hohem Niveau. So melden heute 35% der befragten Händler eine gute geschäftliche Situation (44% zu Jahresbeginn), und jeder zweite Betrieb (44%) spricht von einem befriedigenden Geschäftsklima. Deutlich zufriedener als der Durchschnitt ist der Einzelhandel (49% Gut-Meldungen), hier insbesondere der Kfz-Handel mit 54%. Für die kommenden zwölf Monate rechnen 51% mit einer gleich bleibenden Geschäftsentwicklung (58% zu Jahresbeginn) und 37% (34%) mit einer besseren Entwicklung. Dahingegen geht die breite Mehrheit der Kfz-Händler (genau: 76%) von einer gleich bleibenden Entwicklung aus.
Zu den Risiken gehören nach Auffassung der Händler die anhaltenden Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen (77%, Mehrfachnennungen möglich) und eine abflauende Inlandsnachfrage (63%). Die Investitionsbereitschaft nimmt auch im Handel leicht zu. Während zu Jahresbeginn 22% der Händler verstärkt investieren wollten, sind es nun 24%. 60% (59% zu Jahresbeginn) wollen ihr Investitionsniveau halten. Bei den Kfz-Händlern wollen überdurchschnittliche 36% verstärkt investieren, hier hauptsächlich um (neben Ersatzbeschaffungen) Produktinnovationen einzuführen. 68% wollen ihren Personalstand auf heutigem Niveau halten, bei den Kfz-Händlern sind es 86%. Jeder 5. Händler will Einstellungen vornehmen (16% zu Jahresbeginn); im Einzelhandel haben dies 28% vor.
Dienstleistungen
Die Dienstleister schätzen ihre derzeitige Geschäftslage überaus positiv ein: Unverändert die Hälfte der Betriebe meldet ein gutes Geschäftsklima, und bei 36% (35%) laufen die Geschäfte auf einem akzeptablen Niveau. Während die Spediteure ihre Lage mit 19% Gut- und 41% Befriedigend-Meldungen vergleichsweise schwach einstufen, ist das Kreditgewerbe sehr zufrieden: Hier sprechen 78% von einer guten und kein einziges Unternehmen von einer schlechten Geschäftslage. Die Mehrheit der Dienstleister (60%) erwartet in den nächsten zwölf Monaten eine konstante Geschäftsentwicklung. Gleichzeitig rechnet gut ein Viertel (genau: 26%, zu Jahresbeginn 28%) damit, dass die Konjunktur weiter anzieht. Die Transport-Unternehmer sind deutlich skeptischer; hier erwarten 2% eine bessere und 69% eine konstante Entwicklung. Die unternehmensnahen Dienstleister sind mit 46% Gut- und 48% Befriedigend-Stimmen deutlich optimistischer.
Die größten Risiken sehen die Dienstleister in einer Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (50%, Mehrfachnennungen möglich) und der Preisentwicklung bei Energie und Rohstoffen (42%). Die Investitionsneigung nimmt bei den Dienstleistern ab. Wollten zu Jahresbeginn noch 29% mehr investieren als bisher, so sind es nun noch 16%. Sieben von zehn Unternehmen wollen ihre Investitionen auf dem heutigen Niveau halten. Wie in den übrigen Wirtschaftszweigen dienen die geplanten Investitionen mehrheitlich (67%, Mehrfachnennungen) der Ersatzbeschaffung. 57% der befragten Dienstleister wollen ihren Personalstand beibehalten. Allerdings ist der Anteil der Unternehmen, die einen Abbau von Arbeitsplätzen wohl nicht vermeiden können, von 12% auf 21% gestiegen. Hiervon betroffen sind insbesondere die Immobilienwirtschaft (von 2% zu Jahresbeginn auf 20%) und die Kreditinstitute (von 11% auf 40%).
(Quelle: IHK für die Pfalz, 2011)


