Wissenschaft im Zerrspiegel der Medien?
Die VolkswagenStiftung fördert mit rund 800.000 Euro zwei Forschungsprojekte im Spannungsfeld Wissenschaft - Öffentlichkeit - Gesellschaft.
Können Kinder zu Gewalttätern werden, wenn sie zuviel Zeit mit "Killerspielen" am Computer verbringen? Diese Frage ist nicht neu, aber sie hat durch den Amoklauf in Winnenden an trauriger Aktualität gewonnen. Die Antworten, die man in den Medien lesen kann, gehen erstaunlich weit auseinander und zeigen, dass Journalisten die bestehenden sozialwissenschaftlichen Ergebnisse offensichtlich sehr unterschiedlich bewerten. Mit dieser Kommunikationsproblematik zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit beschäftigt sich nun ein Forschungsprojekt, das von der VolkswagenStiftung im Rahmen ihrer Initiative "Wissenschaft - Öffentlichkeit - Gesellschaft" gefördert wird. Ein zweites neu gefördertes Vorhaben untersucht auf breiter Ebene die Vielfalt an Beziehungen zwischen Wissenschaft und Medien.
Die neu bewilligten Projekte werden im Folgenden näher vorgestellt:
- ) 316.400 Euro bewilligt die Stiftung für das Vorhaben "Improving the Media Relations of Social Science Research: The case of the violent video games debate". Daran beteiligt sind Juniorprofessor Dr. Christoph Klimmt von der Universität Mainz, Dr. Mario Gollwitzer und Tobias Rothmund von der Universität Koblenz-Landau und Professor Brad J. Bushman von der University of Michigan, USA;
- ) 477.600 Euro werden bewilligt für das Projekt "The manifold relationships between science and news media: A comparative analysis of research fields from the natural sciences, the social sciences and the humanities" von Professor Dr. Matthias Kohring und Professor Dr. Frank Marcinkowski, beide Universität Münster, in Kooperation mit Professor Dr. Alexander Görke von der Freien Universität Berlin und Professor Dr. Hans Peter Peters vom Forschungszentrum Jülich.
Zu 1. Killerspiele in der Wissenschaft und in den Medien Sozialwissenschaftliche Forschungen haben es schwer, die breite Öffentlichkeit zu erreichen. Oft sind die Studien zu komplex, die Erwartungen von Journalisten, Politikern und auch von der Öffentlichkeit einseitig. Ein gutes Beispiel dafür ist die Forschung zu gewaltverherrlichenden Videospielen. Während sich die Wissenschaftler überwiegend auf schwache Manifestationen von Gewaltbereitschaft konzentrieren - wie beispielsweise Beschimpfungen oder Handgreiflichkeiten - nehmen Medien und Öffentlichkeit vor allem extreme Ereignisse wie das Schulmassaker in Winnenden wahr. Diese Diskrepanzen wollen die Kommunikationswissenschaftler nun näher untersuchen. Ziel ist es dabei nicht nur, das Verhältnis zwischen Sozialwissenschaften und Medien besser zu verstehen, sondern auch neue Wege der Interaktion auszuprobieren.
Kern des Projekts ist eine Studie, die die öffentliche Wahrnehmung sozialwissenschaftlicher Forschungsresultate zu "Killerspielen" ermittelt - im Vergleich zwischen Deutschland und den USA. Dazu soll die Medienresonanz zur Forschung über das Thema Gewaltspiele qualitativ und quantitativ analysiert werden, um auf diese Weise typische Kommunikationsmuster der journalistischen Darstellung und der öffentlichen Wahrnehmung herauszuarbeiten. Christoph Klimmt von der Universität Mainz und seine Partner planen dabei auch den Schritt von der Theorie in die Praxis: Am Ende der Untersuchungen steht ein Workshop für Fachjournalisten auf dem Programm.
(Quelle: VolkswagenStiftung, 24.04.2009)


