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15% Jugendliche ohne Berufsabschluss – Bedarf an Ausbildungsplätzen wird zu niedrig eingeschätzt

Der Anteil der Jugendlichen ohne Berufsabschluss liegt seit Jahren bei rund 15%. Eine wichtige Ursache ist, dass der tatsächliche Bedarf an Ausbildungsplätzen bislang viel zu niedrig eingeschätzt wird. Dies zeigt das Kurzgutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung „Jugendliche ohne Berufsabschluss“.

15% Jugendliche ohne Berufsabschluss – Bedarf an Ausbildungsplätzen wird zu niedrig eingeschätzt

Gravierende Mängel in der bisherigen Praxis der Ausbildungsmarktbilanzierung und der sich daraus ergebende fehlende Handlungsdruck führen dazu, dass bislang Jahr für Jahr selbst für ausbildungsreife Jugendliche viel zu wenig Ausbildungsplätze bereitgestellt wurden.

Seit den Anfängen der Berufsbildungsberichterstattung in den 1970er-Jahren ist es üblich, die jährliche Ausbildungsmarktbilanz zum Stichtag 30. September zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt hat das neue Ausbildungsjahr aber bereits begonnen, und viele erfolglose Ausbildungsstellenbewerber sind bereits auf Alternativen wie Praktika, erneuten Schulbesuch, berufsvorbereitende Maßnahmen oder Jobben und Erwerbstätigkeit ausgewichen. Damit gelten sie aber am 30. September als „versorgt“ und nicht mehr als Ausbildungsplatznachfrager. Sie bleiben dann auch bei der Ausbildungsmarktbilanzierung unberücksichtigt.

Die Folge: Selbst in Zeiten des größten Lehrstellenmangels scheinen die Bilanzen zwischen Ausbildungsangebot und -nachfrage nahezu ausgeglichen, und der tatsächliche Mangel an Ausbildungsplätzen wird nicht mehr erkennbar. Da der Ausbildungspakt seine Nachvermittlungsaktionen ausschließlich auf die Jugendlichen konzentriert, für die ein Ausweichen ins Übergangssystem oder sonstige Alternativen nicht mehr in Frage kommt, werden selbst viele ausbildungsreife Jugendlichen notgedrungen zu „Altbewerbern“ – mit der Gefahr, dass sie irgendwann resignieren und ihre Ausbildungsplatzsuche aufgeben.

Die Autoren Elisabeth M. Krekel und Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung gehen davon aus, dass die Wirtschaftskrise zu einem erneuten Einbruch und Rückgang an Ausbildungsplätzen führen wird. Nach deren Überwindung wird die demografische Entwicklung jedoch zu einer Umkehrung der Marktverhältnisse führen. Aufgrund von Verrentungen wird der Ersatzbedarf der Betriebe ebenso steigen, wie die Zahl der Jugendlichen sinken wird. Die Wirtschaft wird sich somit stärker als bislang auch um benachteiligte Jugendliche kümmern müssen und darauf drängen, den Zugang dieser „stillen Reserve“ zu einer beruflichen Ausbildung sicherzustellen.

Das allerdings wird, so Krekel und Ulrich, nur gelingen, wenn die Begleitung von Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen kontinuierlich und individuell erfolgt und damit über episodische und punktuelle Kontaktaufnahme weit hinausgeht. Deshalb sollten in allen Kommunen Mentorensysteme in Kombination mit regionalem Übergangsmanagement etabliert werden. Nur dann kann dafür Sorge getragen werden, dass die Herkunft der Jugendlichen kein Hindernis mehr darstellt und die Zahl der Jugendlichen ohne Abschluss sinkt.

(Quelle: Friedrich Ebert Stiftung, 15.06.2009)

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