Stiftungen bleiben auf Wachstumskurs
Wieder 1.000er Marke bei Neugründungen erreicht / Frankfurt am Main und Würzburg sind Stiftungshauptstädte / Bürgerstiftungen boomen
Mit 1.020 Stiftungen bleibt die Zahl der neugegründeten Stiftungen trotz Finanzkrise weiterhin hoch, teilte der Bundesverband Deutscher Stiftungen heute mit. Aktuell gibt es in Deutschland 16.406 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr." Auch 2008 haben die Stiftungsgründungen die 1.000er Marke überschritten. In den vergangenen neun Jahren wurden mehr Stiftungen errichtet als in der 51-jährigen Geschichte der Bundesrepublik zuvor. Das zeigt: Deutschland wird immer mehr zum Stifterland", sagt Dr. Wilhelm Krull, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Generalsekretär der VolkswagenStiftung. Mit dem "Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" von 2007 hat sich Deutschland ins Spitzenfeld der stiftungsfreundlichsten Länder Europas katapultiert. Es werden nicht nur mehr Stiftungen gegründet, auch in ältere Stiftungen fließt seit der Reform verstärkt mehr Kapital.
Deutschlands Stiftungen wackeln nicht
Das Stiftungsvermögen in Deutschland wird auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt. Stiftungen sind als Kapitalanleger teilweise von der Finanzkrise betroffen. Die realisierten Verluste in der Vermögenssubstanz halten sich jedoch in Grenzen, da Stiftungen nicht kurzfristigen Entscheidungszwängen unterliegen und wegen des gesetzlichen Gebots der Kapitalerhaltung traditionell eher konservativ anlegen. Die durch das niedrige Zinsniveau sinkenden Erträge werden jedoch zur Zeit durch Erträge neuer Stiftungen nur teilweise ausgeglichen. Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, zeigt sich optimistisch: "Stiftungen bleiben eine solide Säule, die nicht wackelt, wenn es stürmt. In Deutschland ist der Stiftungsbereich weiter eine ‚Wachstumsbranche’. Bei der Gründungsdynamik sind wir europaweit die Nr. 1".
Gestiftet wird am häufigsten in Nordrhein-Westfalen
Mehr als ein Fünftel aller Stiftungen stammen aus Nordrhein-Westfalen. Das größte Flächenland führt mit 3.159 Stiftungen in der absoluten Zahl der Stiftungen und liegt mit 228 in 2008 errichteten Stiftungen auch bei den Neugründungen vorn. Jedoch gemessen an der Einwohnerzahl führt Hamburg mit 64 Stiftungen pro 100.000 Einwohner; die größte Errichtungsdynamik in den Flächenländern weist Baden-Württemberg auf. Im bundesweiten Durchschnitt kommen auf 100.000 Einwohner 20 Stiftungen. Nach wie vor ist Deutschlands Stiftungslandschaft zweigeteilt. 942 aller neu errichteten Stiftungen entfallen auf die alten Bundesländer, 78 Stiftungen wurden in den neuen Bundesländern gegründet. Die Signale aus dem Osten sind jedoch positiv: Während in vielen westdeutschen Bundsländern weniger Stiftungen als im Vorjahr errichtet wurden, konnten Sachsen, Thüringen, Brandenburg und auch Berlin von allerdings niedrigem Niveau aus einen höheren Zuwachs als im Vorjahr verzeichnen.
Frankfurt am Main Nr. 1 bei der Stiftungsdichte
Spitzenreiter unter den Stiftungshauptstädten ist nach wie vor Frankfurt am Main mit 72 Stiftungen pro 100.000 Einwohner, dicht gefolgt von Würzburg mit nur drei Stiftungen weniger. Auf den weiteren Rängen folgen Hamburg (64), Oldenburg (60) und München (59). 24 Stiftungen pro 100.000 Einwohner sichern Potsdam Platz 37 im Gesamtranking und damit den Titel als stiftungsreichste ostdeutsche Stadt. Bei der Gesamtzahl der Stiftungen ist Hamburg mit 1.131 Stiftungen führend.
Bürgerstiftungen: Deutschland gehört zur Weltspitze
Mit 32 neugegründeten Bürgerstiftungen bleiben diese eine der am stärksten wachsenden Stiftungsgruppen. Im Vorjahr waren es 28. Mehr als 210 Bürgerstiftungen gibt es somit in Deutschland. 166 tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Nach den USA gibt es kein Land mit einer vergleichbaren Anzahl an Bürgerstiftungen. Fast 30 Prozent aller Bürgerstiftungen außerhalb der USA sind in Deutschland gegründet worden. Erst kürzlich hat Deutschland Kanada auf Platz zwei abgelöst.
(Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen, 11.02.09)


