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"Überstundenabbau kann Arbeitsmarkt spürbar entlasten"

"Der Abbau des anhaltend hohen Überstundensockels lässt rasche Beschäftigungseffekte erwarten." Vor der Presse in Berlin bezeichneten das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) und das ISO-Institut, Köln, einen Beschäftigungseffekt in der Größenordnung zwischen 240.000 und 630.000 als realistisch . Die gemeinsamen Berechnungen basieren auf einer aktuellen Arbeitszeiterhebung, die für 1999 das Volumen der Überstunden auf 1,9 Mrd. beziffert. Rechnerisch entspreche dies etwa 1,25 Mio. Arbeitsplätzen. Wenn man die Überstunden der ausländischen Arbeitnehmer hinzurechne, erhöhe diese Zahl sich um weitere 100.000.

Die Forscher gingen davon aus, dass die von Beschäftigten mit hoher Qualifikation geleisteten Überstunden nicht sofort ersetzbar sind und nur die bezahlten Überstunden für eine beschäftigungswirksame Umwandlung in Frage kommen. Es verbleibe ein gutes Drittel der insgesamt geleisteten Mehrarbeit. Das entspreche rund 420.000 Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen. Beziehe man die nicht bezahlten Überstunden ein, erhöhe sich der Beschäftigungseffekt auf 630.000.

Zeitkonten seien das ideale Hilfsmittel, um Überstunden ohne betriebliche Flexi-bilisierungsverluste in zusätzliche Beschäftigung umzuwandeln. Als Äquivalent zu Überstunden seien sie kostengünstiger, böten einen größeren Flexibilisierungsspielraum und ließen sich beschäftigungswirksam einsetzen. Nach Angaben des WSI arbeiten mittlerweile 37% der Beschäftigten auf Basis von Zeitkonten.

Jüngst präsentierte Berechnungen des DIW bzw. des IZA stufen die Beschäftigungseffekte als weit geringer ein. Dies sei darauf zurückzuführen, dass diese beiden Institute die Gesamtheit der Beschäftigten nur nach zwei Qualifikations-gruppen differenzieren und das obere Segment von einem Überstundenabbau ausnehmen, weil vermeintliche Engpässe am Arbeitsmarkt unterstellt werden. Die ISO/WSI-Berechnungen gingen von einer dreistufigen Qualifikationsstruktur aus und bezögen die beiden unteren Segmente in den Überstundenabbau ein.

WSI-Umfragen belegen, dass die Beschäftigten dem Überstundenabbau mehrheitlich positiv gegenüber stehen. Dr. Hartmut Seifert: "Der Wunsch, weniger Überstunden zu leisten, hat in den letzten Jahren sogar zugenommen: 65% der Beschäftigten mit regelmäßig längerer Arbeitszeit möchten gerne weniger oder gar keine Überstunden leisten. Vier Jahre zuvor waren es nur 56%."

(Quelle: Hans-Böckler-Stiftung, 01.09.1999)

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