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Kienbaum-Vergütungsstudie: „Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder“ - Mit der Verantwortung steigen Risiko und Verdienst

Gummersbach, 5. Mai 2006 Die Spanne der durchschnittlichen Pro-Kopf-Bezüge von Vorstandsmitgliedern deutscher Aktiengesellschaften ist außerordentlich groß. Hauptamtliche Mitglieder können zwischen 40.000 Euro und sechs Millionen Euro jährlich Cash verdienen. Während ein Drittel der erfassten Gesellschaften ihre Vorstände mit bis zu 200.000 Euro entlohnt, bezahlt ein Drittel zwischen 200.000 und 350.000 Euro und ein weiteres Drittel 350.000 Euro und mehr. 310 von insgesamt 5.100 befragten Unternehmen bezahlen mehr als 500.000 Euro, 88 Unternehmen honorieren die Vorstandsleistung mit über einer Million und 26 Unternehmen mit über zwei Millionen Euro. Dabei passen sich die Gehaltssysteme immer deutlicher internationalen Standards an. Die variablen Bezüge entwickeln sich nach oben und das Gehalt wird immer stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt. Dies sind Ergebnisse der Vergütungsstudie 2004/2005 „Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder“ der Managementberatung Kienbaum.

„Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Total-Cash-Bezügen im Mittelfeld, noch hinter Großbritannien und der Schweiz. Die Steigerung des variablen Anteils ist eine positive Entwicklung hin zu mehr Transparenz und besserer Messbarkeit. Allerdings legen deutsche Unternehmen noch zu starken Wert auf kurzfristige Zielvorgaben. Eine Koppelung des Gehalts von Vorständen an die nachhaltige Wertentwicklung ist aber im Sinne aller Stakeholder. Ein intelligenter Mix des Gesamtvergütungspakets abhängig von der Unternehmensstrategie in Grundvergütung, Short Term Incentives, Mid Term Incentives, Long Term Incentives und Benefits wie Altersversorgung (Pensionen) steht als Maxime bei der Vorstandsgehaltspflege im Vordergrund. In Deutschland sind in großen internationalen Unternehmen lediglich 10-20 Prozent der Gesamtvergütung so genannte Long-Term-Incentives, während es in den USA etwa 60 Prozent sind“, sagt Alexander v. Preen, Geschäftsführer von Kienbaum.

Einflussfaktor Ertrag

Während sich die Vergütung der tariflichen Mitarbeiter relativ eindeutig in eine branchenspezifische Rangfolge bringen lässt, ist dies bei Vorstandsmitgliedern nur bedingt möglich. Da Vorstände den betrieblichen Erfolg und Misserfolg verantworten, hat die Ertragssituation eines Unternehmens erheblichen Einfluss auf ihre Vergütung. In langfristig ertragsstarken Unternehmen ist die Vorstandsvergütung überdurchschnittlich hoch. Das gilt sowohl für die Grundgehälter als auch in besonderem Maße für die erfolgsabhängigen Vergütungselemente. Die Pro-Kopf-Bezüge im Vorstand eines Unternehmens mit über 300 Millionen Euro Jahresüberschuss liegen bei rund 1,5 Millionen Euro. Hingegen betragen die Pro-Kopf-Bezüge in einem Unternehmen mit bis zu 2,5 Millionen Jahresüberschuss lediglich 200.000 Euro.

Hohes Risiko zahlt sich aus

 95 Prozent aller Vorstandsmitglieder beziehen Jahresabschlussprämien, deren Höhe im Schnitt bei gut einem Drittel der Gesamtvergütung liegt. Fünf bis zehn Prozent der Vorstände mussten im Geschäftsjahr 2004 jedoch auf Grund von Misserfolg auf diese Tantiemen verzichten. Entscheidender Parameter für die Variabilität der Bezüge ist die Unternehmensgröße. Je größer das Unternehmen und je höher die Vorstandsbezüge, umso kleiner ist das feste Grundgehalt. Damit steigt der risikobehaftete erfolgsbezogene Anteil. In einem Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten beträgt der Pro-Kopf-Bezug durchschnittlich 296.000 Euro.

Schlecht bezahlte Aufsichtsräte

Ein Viertel aller erfassten Unternehmen bezahlt ihren Aufsichtsratsmitgliedern pro Kopf nicht mehr als 5.000 Euro brutto im Jahr, gut die Hälfte nicht mehr als 10.000 Euro. Nur sechs Prozent der Gesellschaften dotieren ihre Aufsichtsratsmitglieder mit Jahresbezügen von über 50.000 Euro. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Bezug eines Aufsichtsrates beträgt 15.800 Euro. Vor mehr als 40 Jahren (1964) verdiente ein Aufsichtsrat im Schnitt 13.300 DM. Da die Lebenshaltungskosten inzwischen um mehr als das Dreifache gestiegen sind, müssen die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen einen hohen realen Einkommensverlust hinnehmen.

In dieser Vergütungsstudie, die Kienbaum inzwischen zum 29. Mal erstellte, wurden Informationen über die Gesamtbezüge von über 5.100 Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern sowie von 13.100 Aufsichtsratsmitgliedern in deutschen Aktiengesellschaften ausgewertet. Diese Studie unterscheidet sich von anderen Kienbaum-Vergütungsstudien, da sie nicht nur Festgehälter, Gewinnbeteiligungen und aktienbasierte Vergütungen umfassen, sondern auch die geldwerten Vorteile betrieblicher Zusatzleistungen, soweit sie von ihren Empfängern zu versteuern sind. Der Wert dieser Vorteile beläuft sich bei Vorständen im Durchschnitt auf drei bis acht Prozent der Bezüge.

(Quelle: Kienbaum, 05.05.2006)

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