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Ärztliche Selbstverwaltung steht vor entscheidenden Weichenstellungen

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler sieht die ärztliche Selbstverwaltung vor einer Reihe an Grundsatzentscheidungen stehen. Dazu gehören auch die künftige Entwicklung der Finanzierungs- und der Leistungsseite der gesetzlichen Krankenversicherung. Das duale Versicherungssystem sieht er an seine Grenzen stoßen.

„Wir stehen unabhängig von der politischen Konstellation vor einer ganzen Reihe wichtiger Fragen, mit denen wir uns in den kommenden sechs Jahren befassen müssen“, erklärte heute Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), auf der Vertreterversammlung seiner Organisation in Berlin. „Eines steht meines Erachtens fest: Wir müssen über das System der dualen Finanzierung diskutieren. Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) muss auf eine breitere Basis gestellt werden, wenn sie die Versorgung langfristig sichern soll. Bemerkenswert ist, dass die privaten Versicherungskonzerne sich selbst insgeheim vom Geschäftsmodell der Vollversicherung zu verabschieden scheinen“, sagte Köhler.

„Doch es geht nicht nur um die Einnahmeseite. Wir müssen auch über eine stärkere Lenkung der Ausgaben nachdenken: etwa über einen Leistungskatalog, der Grund- und Wahlleistungen unterscheidet“, führte Köhler aus. Die Grundleistungen würden über die GKV finanziert und enthielten alles medizinisch Sinnvolle und Notwendige. Privatversicherungen würden dann nur noch Zusatzversicherungen anbieten.

Das Versorgungsstrukturgesetz würdigte Köhler als Stärkung der Selbstverwaltung. Die Regierung erkenne den Wert des Kollektivvertrages und auch den der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) als Garanten für diesen Kollektivvertrag an. „Schon lange gab es kein Gesetz wie dieses mehr, das die KVen nicht nur als nachgeordnete Verwaltungs- und Regulierungsinstanz begreift, sondern als aktive Gestalter der Versorgung. Lassen Sie uns diese Chance nutzen!“ appellierte Köhler an die KV-Vertreter.

Es sei zu erwarten, dass die Bedeutung der ambulanten haus- wie auch fachärztlichen Versorgung für die Menschen in Deutschland weiter zunehme. Die demografische Entwicklung führe dazu, dass immer mehr ältere und häufig chronisch kranke Menschen eine regelmäßige und dauerhafte Betreuung an ihrem Wohnort bräuchten. Der medizinische Fortschritt führe zu steigender Lebenserwartung und ermögliche, immer mehr Behandlungen ambulant durchzuführen. „Das Gesundheitswesen gilt mittlerweile als wichtigster Wachstums- und Beschäftigungssektor. Jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet inzwischen in einem Gesundheitsberuf“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Köhler kündigte an, dass der Einheitliche Bewertungsmaßstab in Schritten angepasst werde, jedoch nicht vor 2014. „Im Versorgungsstrukturgesetz ist die Zielsetzung enthalten, die Pauschalen zurückzufahren und stärker zu differenzieren. Wie das geschehen soll, auch darüber müssen wir innerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung beraten.“

(Quelle: KBV, 09.12.2011)

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