Befragung zeigt: Arbeit der niedergelassenen Ärzte genießt große Wertschätzung
Eine Befragung der Forschungsgruppe Wahlen belegt eine hohe Zufriedenheit der Versicherten mit den niedergelassenen Ärzten. Eine andere Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigt, dass gleichzeitig der Informationsbedarf groß ist.
„Die Zufriedenheit der Versicherten mit der Wartezeit auf einen Termin hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Rund die Hälfte wird sofort behandelt oder war in Praxen ohne Terminvergabe. Von den Übrigen fanden über Dreiviertel die Wartezeit nicht zu lang. Allerdings gibt es Fälle, in denen Patienten eindeutig zu lange warten müssen. Für sie müssen wir noch Lösungen finden.“ Das hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, heute bei der Vorstellung der Studien in Berlin gesagt.
Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen führt im Auftrag der KBV regelmäßig eine Versichertenbefragung durch. Für die aktuelle Untersuchung befragte das Unternehmen im September 2011 telefonisch insgesamt 2.048 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Deutsch sprechende Wohnbevölkerung im Alter zwischen 18 und 79 Jahren.
Ein weiteres Ergebnis der Befragung ist, dass Deutschlands Ärzte in der Bevölkerung nicht nur sehr viel Vertrauen genießen, sondern von den Patienten auch als sehr fachkompetent wahrgenommen werden. Praktisch unverändert zu 2010 sprechen insgesamt 91 Prozent (2010: 92 Prozent) aller Befragten von einem guten bis sehr guten Vertrauensverhältnis zu dem Arzt, den sie in den letzten zwölf Monaten zuletzt besucht haben. Auch die fachlichen Fähigkeiten beurteilen – exakt wie im Vorjahr – 92 Prozent der Befragten positiv.
Kritisch beurteilte Köhler jedoch einen Trend bei Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), der im Vergleich zur vorherigen Befragung deutlich werde. „Der Anteil der Versicherten, die vom Arzt eine IGeL angeboten bekommen haben, ist leicht gestiegen: von 22 Prozent im Jahr 2008 auf 24 Prozent. Vor allem aber fanden mehr Versicherte die Bedenkzeit, um ein solches Angebot anzunehmen, nicht ausreichend: Ihr Anteil stieg von 15 auf 19 Prozent. Ich möchte hier an die Kolleginnen und Kollegen appellieren, mit dem Thema IGeL sensibel umzugehen“, sagte Köhler. Er ermahnte die Ärzte dazu, das Vertrauen der Patienten nicht aufs Spiel zu setzen.
Internetportale zur Arztbewertung hätten für die Versicherten noch keine Bedeutung, erklärte Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der KBV: „Nur zehn Prozent gaben an, diese bereits genutzt zu haben. Von diesen fanden mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent, die Portale nicht hilfreich. Die Krankenkassen überschätzen die Relevanz von Arztbewertungsportalen“, sagte Müller.
Die Versichertenbefragung habe auch gezeigt, dass viele Versicherte den Austausch wirkstoffgleicher Präparate nicht richtig finden (44 Prozent). „Die Verunsicherung der Patienten, insbesondere der älteren, die aufgrund von Rabattverträgen nicht mehr ihr gewohntes Präparat in der Apotheke erhalten, ist allzu verständlich. Wir haben zusammen mit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ein Modell entwickelt, das Abhilfe schaffen kann. Es sieht unter anderem vor, dass Ärzte nach Wirkstoffen verordnen und diese auch kontinuierlich verabreicht werden. Wir sind zuversichtlich, dass sich unser Konzept in dem im Versorgungsstrukturgesetz geplanten Modellvorhaben bewähren wird“, sagte Müller.
In einer zweiten von der KBV in Auftrag gegebenen Studie hat die Medizinische Hochschule Hannover Meinungen und Vorstellungen der Patienten über die Gesundheitsversorgung qualitativ untersucht. Dafür befragten die Autoren in sechs Gruppendiskussionen 44 Bürgerinnen und Bürgern mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund.
Viele der Teilnehmer forderten mehr Aufklärung über IGeL. Für die zusätzlichen Kosten machen die meisten die Kassen verantwortlich. Außerdem forderten mehrere Teilnehmer den Abbau von Bürokratie – einerseits für die Versicherten, andererseits für die Ärzte.
Insgesamt fühlten sich die Befragten zu wenig über die Versorgung informiert. KBV-Chef Köhler macht dafür die Krankenkassen verantwortlich: „Wenn die Kassen ihrer selbst reklamierten Aufgabe nicht nachkommen, die Versicherten ausreichend über Versorgungsangebote zu informieren, werden wir das in Zukunft verstärkt in die Hand nehmen“, sagte Köhler.
Detaillierte Ergebnisberichte zur KBV-Versichertenbefragung 2011 und Informationen zur Studie der Medizinischen Hochschule Hannover sind im Internet zu finden: www.kbv.de/publikationen/versichertenbefragung2011.html.
(Quelle: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 21.11.2011)


