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Unternehmen stärken Pflege Förderprojekt hilft Beschäftigten, Doppelbelastung durch Beruf und Pflege besser miteinander zu vereinbaren

Immer mehr Menschen müssen neben einem anstrengenden Berufsalltag die Pflege eines Angehörigen bewältigen. Eine enorme Doppelbelastung, die die Betroffenen nicht selten an ihre körperlichen und psychischen Grenzen bringt.

Wie Arbeitgeber auf diese Situation reagieren können und welche Hilfen es für die Pflegenden gibt, das will das Zentrum Frau in Beruf und Technik (ZFBT) im Rahmen des Projektes „Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“ aufzeigen. Kooperationspartner des Projektes sind die Barmer, der Verbund für Unternehmen und Familie e.V. und der SeniorenService Awo, die gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen aus der Region Rhein-Ruhr konkrete Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Der Startschuss für die Zusammenarbeit mit dem Zfbt in dem vom nordrhein-westfälischen Landesministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration ausgezeichneten und gemeinsam mit der Europäischen Union geförderten Projekt fällt heute in Recklinghausen.

"Für die unmittelbar Betroffenen sowie für Unternehmen ist die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ein Top-Thema – mit weitreichenden Auswirkungen für Familien und den Arbeitsalltag in Unternehmen. Maßnahmen, die Pflegende unterstützen, die beruflichen und pflegerischen Anforderungen in Einklang zu bringen, zahlen sich für beide Seiten aus: Pflegende Angehörige gewinnen mehr Lebensqualität, Fehlzeiten können vermieden und die Leistungsfähigkeit qualifizierter Mitarbeiter erhalten werden. Ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsfaktor", betont Birgit Fischer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer. "Wir wollen deshalb mit Unternehmen betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch konkrete Angebote zur Verbesserung der Pflegesituation unterstützen", so Fischer.

Mit dem Förderprojekt sollen die teilnehmenden Unternehmen für das Thema sensibilisiert, der Bedarf für Unterstützung identifiziert und gemeinsam mit Führungskräften betriebliche Lösungen erarbeitet werden. "Wichtig ist ein offener Umgang mit Pflegetätigkeiten, damit Vorgesetzte pflegende Beschäftigte schnell unterstützen können", erklärt Petra Kersting, Leiterin des ZFBT in Castrop-Rauxel. "Flexible Arbeitszeiten sind hier nur eine Möglichkeit. Wenn ein Beschäftigter die Möglichkeit hat, später mit der Arbeit zu beginnen, kann er die morgendliche Pflege des Angehörigen besser in den Arbeitsalltag integrieren und ist während der Arbeitszeit konzentrierter", so Kersting. Solche Lösungen müssten von allen Beschäftigten erarbeitet und getragen werden – entsprechend wichtig sei der offene Dialog im Rahmen des Projekts. Auch auf das Pflegezeitgesetz müssten Unternehmen vorbereitet werden: Denn für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer besteht erstmals seit 1. Juli 2008 ein gesetzlicher Anspruch auf eine zeitlich befristete Freistellung zur Pflege der Angehörigen. "Arbeitgeber sollten spontan, aber auch längerfristig in der Lage sein, ihre Beschäftigten zu unterstützen und zu entlasten", sagt Kersting. Um mittelständischen Unternehmen eine Anleitung geben zu können, wie sie ihre pflegenden Beschäftigten im Unternehmen halten können, werden die Ergebnisse aus den Pilotunternehmen in der Schlussphase des Projekts in Konzepte und Informationsmaterialien überführt.

"Wir wollen unsere Mitarbeiter darin unterstützen, ihre pflegerischen Anforderungen besser mit dem Beruf in Einklang bringen zu können", erklärt Cäcilia Kirschbaum, Gleichstellungsbeauftragte der Kreisverwaltung Recklinghausen, die als Pilotunternehmen an dem Projekt teilnimmt. "Dies geschieht nicht ganz uneigennützig – denn jeder Arbeitgeber ist letztendlich auf die Leistungsfähigkeit und Motivation seiner Beschäftigten angewiesen." Wilfried Diekmann, Verwaltungsdirektor des ebenfalls teilnehmenden Evangelischen Krankenhauses Castrop-Rauxel, ergänzt: "Gerade für unsere Mitarbeiter, die ja hauptberuflich in Pflegeberufen tätig sind, ist der Druck hoch: Denn Familie, Nachbarn und das gesamte Umfeld erwarten in der Regel, dass selbstverständlich die „Fachkraft“ auch die private Pflege übernimmt. Unser bisheriges Angebot, diese doppelt belasteten Mitarbeiter zu unterstützen, reicht nicht aus. Daher kam für uns das Angebot zur Teilnahme am Projekt zur rechten Zeit."

(Quelle: Barmer, 02.04.2009)

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