Die neuen Krisenkinder - Die Wirtschaftskrise 2009 betrifft vor allem junge Leute
Jugendliche sind besonders stark von der Krise betroffen - das ergaben Berechnungen des DGB für die ersten fünf Monate dieses Jahres. Viele junge Leute im Alter von 15-24 Jahren haben besonders stark mit dem Beschäftigungsrückgang in Deutschland zu kämpfen. Der DGB fordert eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildung für die neuen Krisenkinder.
Jugendliche leiden unter der Krise besonders stark. Anfangs besteht die Herausforderung darin, überhaupt erst einmal einen Ausbildungsplatz zu finden. Zum Zweiten werden immer weniger Azubis übernommen und fest eingestellt.
Jugendliche sind aber nicht die Einzigen, denen die Krise besonders zu schaffen macht. Auch Ältere (ab 55 Jahren) verlieren immer öfter ihre Arbeitsstelle. Der Grund ist angebliche geringere Leistungsfähigkeit und bei den Jüngeren ist es die Schwelle von der Ausbildung in den festen Beruf. Viele Unternehmen wollen oder können ihre Auszubildenden nicht übernehmen. Sie erhalten nur befristete Arbeitsverträge und rutschen bei Auslauf des Vertrages in die Arbeitslosigkeit. Ein großes Problem hierbei ist, dass junge Leute oft zu kurz beschäftigt waren, um Arbeitslosengeld beziehen zu können. Zumal haben sie in vielen Fällen zu wenig verdient, sodass sie direkt Hartz IV-Leistungen beantragen müssen.
Die ungünstige Ausbildungssituation in den Betrieben trage außerdem nach wie vor dazu bei, dass Jugendliche vielfach dazu gezwungen sind, in das Bildungssystem oder in Maßnahmen zur Berufsvorbereitung auszuweichen. Berechnungen des DGB zufolge hat sich hier seit 2008 nichts geändert. Im Gegenteil: Tendenzen zeigen, dass weitere 50.000 Ausbildungsplätze bedroht sind.
Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 15 bis 24-Jährigen tritt häufiger auf als bei den Älteren, dennoch ist das Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit bei Letzteren höher. Bei den Jüngeren dauert die Phase ohne Beschäftigung meist nicht länger als sechs Monate. Grund hierfür sind bessere Strategien der Arbeitsförderung für junge Leute. Zumindest statistisch führen diese zu einer Beendigung der Arbeitslosigkeit. Allerdings wachsen mit der Dauer der Krise auch die beschäftigungsfreien Phasen. Dennoch gibt es Unternehmen, die auch jetzt in der Krise noch einstellen, meint Annette Eicker, Leiterin und Gründerin des Unternehmens Matchbox Media, "aber das sind eben nicht die großen Namen, die jeder kennt." Eine Möglichkeit solche aufzufinden bieten bestimmte Produkt-Messen, auf denen man das entsprechende Unternehmen auch direkt ansprechen könnte, rät Eicker weiter. Eine Übersicht über Unternehmen aus 19 Branchen, die jetzt einstellen, bietet der Jobguide Germany, den die Unternehmerin für 2009 herausgebracht hat.
Die geringe Qualifizierung in der jungen Personengruppe ist ein weiteres Problem in der Jugendarbeitslosigkeit. Im Mai dieses Jahres hatte mehr als jeder vierte Arbeitslose unter 25 Jahren im Hartz IV-System keinen Hauptschulabschluss. Auch Berufsabschlüsse fehlen zunehmend: Insgesamt haben 1,5 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 29 keinen Berufsabschluss. Der DGB fordert daher, dass Bund und Länder enger zusammenarbeiten und gemeinsam mehr in Weiterbildung und den Erwerb von Schul- und Berufsabschlüssen investieren. Annette Eicker rät dieser Personengruppe auf jeden Fall den Kontakt zum Arbeitsleben zu halten und zwar "um (fast) jeden Preis! Mit anderen Worten: Praktika und Aushilfs- oder Teilzeitjobs, auch schlecht bezahlte, sind immer noch besser, als gar nichts zu machen."
Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die deutlich mehr finanziert werden muss. Daher beanstandet der DGB eine Ergänzung des Rechtsanspruchs auf Nachholung des Hauptschulabschlusses. Dieser könnte von Steuergeldern finanziert werden. Des weiteren sollte eine Art Erwachsenen-Bafög eingeführt werden, sodass Lifelong-Learning kein leerer Begriff bleibt und die Möglichkeit zur Nachholung von Schul- und Berufsabschlüssen gegeben ist. Dieses Programm sollte dann auch für Geringqualifizierte greifen. Außerdem muss es auch für junge Menschen möglich sein, in den Schutz der Arbeitslosenversicherung zu kommen. Dafür müsste die Rahmenfrist für den Anspruch auf Arbeitslosengeld von zwei auf drei Jahren verlängert werden.
Es gibt also viel zu tun für Bund und Länder die Situation der Auszubildenden in Deutschland zu verbessern. Hoffen wir also, dass bald ein Umdenken bei den Verantwortlichen stattfindet und die Krisenkinder von heute in eine bessere Zukunft blicken können.
Sarah Kreienmeier


