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Experten prognostizieren deutliche Zunahme von neuen Computer-Lernformen an Hochschulen

(Essen, 30. Juni 2006) Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Hochschullehre wird in den kommenden Jahren stark zunehmen, doch die Hochschulgebäude werden nach wie vor der Mittelpunkt der akademischen Bildung bleiben. Dies ist die Kernaussage der aktuellen MMB-Studie „Learning Delphi für Hochschulen 2006“, an der sich 52 Hochschul- und E-Learning-Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligten.

Die Experten, vorwiegend Hochschullehrer und Entscheider aus der Hochschulverwaltung, waren um ihre Einschätzung zu zukünftigen Formen der E-Learning-Nutzung an Hochschulen gebeten worden. Dazu gehören u.a. „Szenarien für die Hochschulen im Jahre 2011“ sowie die Themen „Content Sharing“ und „Internationalisierung der Hochschulen“. Erste Ergebnisse der im Mai und Juni 2006 durchgeführten Befragung liegen jetzt vor. Danach rechnen die Experten mit einer starken Zunahme von Internet-Materialien, die begleitend zu Präsenz-Lehrveranstaltungen bereit gestellt werden. Bisher können nach Schätzung der Befragten etwa 46 Prozent aller Studierenden eines grundständigen Studiengangs diese Lernform nutzen (vgl. Abbildung 1). Im Jahr 2011 werden es schon 73 Prozent der Studierenden sein. Auch andere Lernformen werden innerhalb der nächsten fünf Jahre große Zuwächse verzeichnen. Die Angebote für das “Interaktive Selbstlernen“, für „Virtuelle Seminare und Tutorien“, „Televorlesungen“ und „Virtuelle Labore und Praktika“ werden sich mehr als verdoppeln. Die quantitativ breiteste Versorgung wird allerdings vor allem für solche Lernformen prognostiziert, die die Präsenzlehre unterstützen. Die Präsenzveranstaltungen bleiben danach auch in fünf Jahren das Herzstück der akademischen Lehre.

Blickt man auf die neuen Lernformen und –systeme, so werden virtuelle Lerner-Communities in fünf Jahren an den Hochschulen eine große Bedeutung haben. Dies meinen 40 von 52 Experten (vgl. Abb. 2). Auch Wikis – virtuelle Lexika, die von einem bestimmten Nutzerkreis gefüllt werden können – werden zunehmend in die Lehre integriert (39 von 52 Experten). Gleiches gilt für Marktplätze und Portale mit Lernmodulen und -lektionen für das „Learning on demand“, die unter dem Begriff „Content Sharing“ subsummiert werden (35 von 52 Experten). Ganz anders sieht es für die zur Zeit hoch gehandelten Podcasts aus. Hier rechnen nur 20 Experten mit einer großen Bedeutung für die Hochschullehre.

Nahezu alle Experten (48 von 51) würden es begrüßen, wenn die Erledigung aller administrativen Seminar-Vorgänge via Internet/Intranet möglich wäre. Fast ebenso viele (46) rechnen damit, dass diese Entwicklung auch in fünf Jahren tatsächlich eintrifft (vgl. Abbildung 3). Weitere Szenarien, die von der überwiegenden Mehrheit der Experten befürwortet werden, sind der Einstieg der Hochschulen in die berufliche Weiterbildung, ferner der Einsatz studentischer Materialien (z.B. Hausarbeiten und Thesenpapiere) für die allgemeine Lehre sowie die Erstellung von Wiki-Lexika für bestimmte Fachgebiete durch führende Vertreter des Faches. Deutlich seltener befürwortet und auch weniger erwartet werden reine Online-Studiengänge sowie kostenpflichtige digitale Lernmaterialien. Grundsätzlich werden viele Szenarien von den Experten zwar gewünscht, ihre Realisierung allerdings als eher unwahrscheinlich angesehen. Fazit: Die eUniversity der Zukunft wird keine rein virtuelle Hochschule sein. Nach Meinung der Experten werden Hochschulen im Jahr 2011 nach wie vor auf die Präsenzlehre bauen – Computer und Internet werden eher als Ergänzung der Lehrveranstaltungen angesehen. Weitere Ergebnisse dieser Studie wird MMB in Kürze auf der Website www.mmb-institut.de vorstellen.

MMB wurde 1996 als Michel Medienforschung und Beratung in Essen gegründet. Das unabhängige, private Forschungsinstitut arbeitet im Auftrag von Unternehmen, Institutionen und öffentlichen Einrichtungen bei aktuellen Problemstellungen auf folgenden Schwerpunktfeldern:

  • Qualifikationsbedarfs- und Berufsforschung
  • Arbeitsmarktforschung
  • Mediengestütztes Lernen / E-Learning
  • Begleitforschung / Evaluation
  • Standortanalysen

In diesem Rahmen führt MMB empirische Untersuchungen durch, veranstaltet Expertenhearings, moderiert Gesprächsrunden und leitet hieraus Handlungsempfehlungen und Konzepte ab.

(Quelle: Intitut für Medien- und Kompetenzforschung, 30.06.2006)

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