Qualität im E-Learning: Wichtig, aber selten berücksichtigt
(Essen, 06. Januar 2006) Qualität spielt sowohl für E-Learning-Produzenten als auch für Anwender eine große Rolle, doch dieser Anspruch wird von ihnen nur selten in die Tat umgesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt die europäische Studie „Qualität im E-Learning“ der Universität Duisburg-Essen gemeinsam mit dem MMB Institut. Die Untersuchung steht jetzt kostenlos als Download zur Verfügung.
An dieser Studie, die im Rahmen des EU-Projekts EQO (European Quality Observatory) entstand, beteiligten sich im Herbst 2004 insgesamt 1.743 Befragte aus 27 europäischen Staaten. Veröffentlicht wurde die Untersuchung in englischer und deutscher Sprache vom Europäischen Zentrum für die Förderung von Berufsbildung (CEDEFOP) als kostenlose Broschüre. Der Download ist über www.qualityfoundation.org möglich.
Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild der Nutzung und Bewertung von Qualitätsmaßstäben in der E-Learning-Produktion und Anwendung:
Wenn es um Erfahrungen mit dem Einsatz von Qualitätsmaßstäben im E-Learning geht, sind die Produzenten ihren Kunden weit voraus. Rund 70 Prozent der Hersteller haben bereits Erfahrungen mit E-Learning-Qualitätsmaßstäben, aber nur Prozent der Anwender. In beiden Gruppen sind es vor allem die Entscheider, die sich bisher mit dem Thema beschäftigen.
Die Autoren Ulf Ehlers, Jan Pawlowski, Lutz Goertz und Barbara Hildebrandt stellen weiterhin fest, dass es beim konkreten Einsatz von Qualitätsstandards im E-Learning große regionale Unterschiede gibt. Hier liegen Deutschland und Österreich mit 60 Prozent der Befragten im Mittelfeld. Vorreiter sind die angelsächsischen Länder mit 71 Prozent, während die Länder des Mittelmeerraums sowie die neuen EU-Mitgliedsländer mit 46 bzw. 42 Prozent hinten liegen. Beim Einsatz konkreter Standards dominieren bislang noch Qualitätsstrategien, die weit über das Anwendungsfeld E-Learning hinausgehen, v.a. die DIN ISO 9000 (132 mal ungestützt genannt), EFQM (European Foundation of Quality Management, 51 Nennungen)und das „Total Quality Management“ (TQM, 25 Nennungen). Häufig genannte E-Learning spezifische Ansätze sind SCORM (Sharable Courseware Object Reference Model, 38 Nennungen) und DIN PAS 1032 (bzw. heute ISO 19796) mit 23 Nennungen.
EQO-Projektleiter Ulf Ehlers resümiert: „Das Bewusstsein für Qualität im E-Learning ist zwar häufig schon sehr stark ausgeprägt, jedoch liegen weder bei Anbietern noch bei Lernenden bereits differenzierte Erfahrungen mit eigenen Strategien vor, wie Qualität ermittelt und bewertet werden kann.“ Hier bedürfe es neuer Informationsstrategien, mit denen Produzenten und Anwender bei der Entwicklung von Qualitätsstrategien zielgruppengerecht unterstützt werden können.
Informationen zum Projekt-Hintergrund und zu den Autoren der Studie
WWW.EQO.DE ist eine internetbasierte Beobachtungsplattform, die Licht ins Dunkel um die Qualität im E-Learning bringen will. Im Rahmen einer EU geförderten Forschungskooperation werden europäische Qualitätsansätze analysiert, verglichen und für den Gebrauch handhabbar gemacht. Forscher und ELearning- Praktiker können hierzu in einer Datenbank aus ca. 60 Qualitätsansätzen auswählen. Im Frühjahr 2005 wurde das Projekt in eine nachhaltige Internetdatenbank überführt, die jetzt von der „European Foundation for Quality in eLearning (EFQUEL)“ fortgeführt wird.
Die Autoren: Dr. Ulf-Daniel Ehlers – Koordinator Europäische Forschung, Universität Duisburg- Essen, Campus Essen Dr. Jan Pawlowski – Wissenschaftlicher Assistent im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Produktionsunternehmen , Universität Duisburg-Essen, Campus Essen Dr. Lutz Goertz – Projektleiter Bildungsforschung bei MMB Institut für Medienund Kompetenzforschung, Essen Barbara Hildebrandt – Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der Produktionsunternehmen, Universität Duisburg-Essen, Campus Essen
(Quelle: Intitut für Medien- und Kompetenzforschung, 06.01.2006)


