Science Express: Mobiler Ausstellungszug tourt durch Deutschland
Wo kommen wir eigentlich her und wie werden wir in Zukunft leben? Es gibt wohl kaum ein Thema, das die Menschheit seit jeher mehr beschäftigt hat. Neuere Technologien und wissenschaftliche Forschungsmethoden liefern heutzutage schon ganz andere Antworten auf diese Fragen als noch vor 50 Jahren. Doch wie sieht die heutige Forschung eigentlich aus und wie verändert sie sich? Der mobile Ausstellungszug "Science Express", der in diesem Jahr durch unser Land tourt, bietet Zukunft zum Anfassen und zeigt, wie Forschung und Technik in den kommenden zehn bis 20 Jahren unser Leben verändern.
Im über 300 Meter langen Ausstellungszug "Expedition Zukunft" präsentiert die Max-Planck-Gesellschaft Forschung und Technologie zum Anfassen und Staunen. Anlass für diese eher ungewöhnliche Ausstellung ist das "Wissenschaftsjahr 2009" unter dem Motto "Forschungsexpedition Deutschland". Für den "Science Express" wurden zwei Lokomotiven und zwölf ehemalige Gepäckwagen der Deutschen Bahn in ein neues Design gekleidet und so in eine mobile Wissenschaftsausstellung umgewandelt. Das Ergebnis war bzw. ist in insgesamt 62 deutschen Städten zu sehen.
Ziel der "Expedition Zukunft" sei es, Kinder und Jugendliche mehr für Wissenschaft und Technik zu begeistern, so Dr. Peter Steiner, Projektmanager des "Science Express". Wenn Deutschland in diesen Bereichen weiterhin konkurrenzfähig bleiben möchte, müsse dem Fachkräftemangel dringend vorgebeugt werden. Der Zug sei unter anderem deshalb als Ort für die Ausstellung gewählt worden, weil die Organisatoren dadurch mobiler und flexibler seien und in relativ kurzer Zeit über das Eisenbahnnetz möglichst viele Orte in Deutschland besuchen können.
Die Ausstellung verteilt sich auf zwölf aufwendig und liebevoll gestaltete Eisenbahnwagen. Jeder Wagen ist individuell und auf das jeweilige Thema abgestimmt. Im ersten Wagen mit dem Titel "expedition zukunft" werden die Besucher auf die folgende Ausstellung eingestimmt. Ausgangspunkte sind die Fragen "Wo stehen wir heute?" und "Was wird uns die Zukunft bringen?".
Der Suche nach unseren Ursprüngen widmet sich der zweite Wagen unter dem Namen "woher + wohin". Zentrale Themen sind die Wurzeln des Menschen und die Erde als Teil des Kosmos. Dank der Spiegelinstallation am Anfang des Wagens, die einen Sternenhimmel simuliert, fühlt sich der Besucher in die Weiten des Universums versetzt.
Wie und warum Nano- und Biowissenschaften zunehmend verschmelzen erfahren Sie in Wagen drei der mobilen Ausstellung. Neuartige Techniken bringen hochpräzise Fertigungsarten hervor und ermöglichen faszinierende Einblicke in die Sprache unserer Gene. Ein wichtiges Werkzeug der Nanoforscher ist das "Rasterkraft-Mikroskop", das die Besucher in diesem Wagen mit dem Namen "bio + nano" bei der Arbeit verfolgen können.
Ist unser Gehirn ein besonders intelligenter Computer und werden Maschinen irgendwann denken wie wir? Im vierten Wagen des Zukunftszuges "info + kogno" dreht sich alles um die Funktionsweise unseres Gehirns und die Vernetzung von Hirn und Elektronik sowie um die Roboter- und Computertechnik. An einem Modell können die Besucher per Magnetresonanztomografie Gefühle und Gedanken im Gehirn sichtbar machen, Außerdem gibt es diverse Roboter und eine lustige Animation, die sich den Computern von übermorgen widmet, zu bestaunen.
Ein Leben ohne Computer und Internet ist für viele heute undenkbar. Vernetzt zu gigantischen Gemeinschaften forschen und arbeiten wir über Kontinente hinweg zusammen. Doch werden wir überhaupt eine vollständig vernetzte Welt bewältigen können? "Vernetzt + global" ist das Thema des fünften Wagens. Erleuchtet wird dieser Teil der Ausstellung nur durch Monitore und elektronische Anzeigen. Mit Hilfe einer interaktiven Weltkugel können die Besucher die mitunter verschlungenen Pfade, längs derer Internetdaten um den Erdball reisen, nachvollziehen,
Highlight des sechsten Wagens "intelligent + virtuell" ist die vollautomatische Fußballproduktion. Eine rund neun Meter lange Fabrik im Miniformat zeigt jeden einzelnen Produktionsschritt bei der Herstellung eines Fußballs - vom Verkleben der Rohmaterial-Streifen über das Zusammennäher der Pads bis hin zur Qualitätskontrolle des fertigen Produkts. Wagen sechs zeigt wie im Spannungsfeld zwischen Miniaturisierung, Funktionalität, Design und Umweltschutz intelligente und umweltfreundlichen Produkte der Zukunft entstehen. Das führt auch zu einer Veränderung der Produktion selbst - wie die digitale Miniaturfabrik zeigt.
"Wirksam + individuell" ist der Titel von Wagen sieben, der sich mit der medizinischen Forschung beschäftigt. Flugzeuge machen es möglich - innerhalb kürzester Zeit kann man von A nach B reisen. Aber diese grenzenlose Mobilität bringt auch Gefahren mit sich. So jetten mit den Reisenden auch Krankheitserreger rasant um den Globus. Das stellt die Mediziner vor immer neue Herausforderungen. Der Besucher erfährt in Wagen sieben, wie Computersimulationen dabei helfen, Notfallpläne für den Seuchenfall zu erstellen. Aber auch bahnbrechende Methoden der Medizintechnik, die eine immer besser auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten angepassten Diagnosen und Therapien ermöglichen, sind Thema dieses Ausstellungsabschnittes.
Mit einer "Weltbevölkerungsuhr" werden die Besucher auf das Thema des achten Wagens eingestimmt. Diese Uhr zeigt den fortlaufenden Zuwachs an Erdenbürgern, den Wasserverbrauch und weitere globale Kenngrößen. "Gesund + produktiv" muss die Ernährung und Landwirtschaft der Zukunft vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Weltbevölkerung sein. Wagen acht versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben, wie man die neun Milliarden Menschen des Jahres 2050 ernährt.
Was kommt nach Kohle und Öl? Die Suche nach neuen Energiequellen steht zur Zeit ganz oben auf der Agenda der Politiker weltweit. Regenerative Energien haben allerdings den Nachteil, dass sie abhängig von Tageszeit und Wetterverhältnissen sind und sich nur schwer für einen späteren Gebrauch speichern lassen. In Wagen neun mit dem Titel "nachhaltig + effizient" werden den Besuchern intelligente Netzwerke vorgestellt, die helfen, diese Probleme zu lösen. Der Wald, in dem man beim Betreten des Wagens plötzlich steht, soll verdeutlichen, dass der Mensch beim Verbrauch von Energie immer auch seine Umwelt im Auge behalten sollte.
"Flexibel + digital" sind die Verkehrs- und Fahrzeugkonzepte sowie der Wohnraum von morgen. Kurze Videoclips auf einem Multimediatisch in Wagen zehn zeigen, wie Sensoren uns künftig noch stärker beim Autofahren unterstützen können. An einem voll ausgestatteter Fahrsimulator kann der Besucher testen lassen, wie Treibstoff sparend seine Fahrweise ist. Hier bekommt man auch leicht umzusetzende Tipps für ein energieeffizientes Fahrverhalten. In unseren eigenen vier Wänden wird in Zukunft eine intelligente Vernetzung die Lebensqualität sowie die Energieeffizienz und Sicherheit erhöhen.
Bunt geht es im letzten Ausstellungswagen zu. Unter dem Motto "natürlich.künstlich" widmet sich Wagen elf mit interaktiven Exponaten, Bildern und Videostatements an einer bunten Wand dem allgemeinen Thema "Zukunft des Menschen" und reflektiert über die in den vorigen Wagen ausgestellten Forschungen und Entwicklungen. Wissenschaftler, Philosophen und Künstler äußern sich hier zu Themen wie Hirnforschung und Ethik, über die Zukunft der Medien oder Religion und Sinnsuche.
"Entdecken + staunen" heißt es dann im letzten Wagen des "Science Express". Hier ist Eigeninitiative gefragt. Anhand einfacher und trotzdem eindrucksvoller Versuche werden in einem Mitmachlabor die Arbeits- und Denkweisen von Forscherinnen und Forschern vermittelt. In den jeweils einstündigen Workshops können sich Schulklassen intensiv mit Wissenschaft und Technik beschäftigen.
Noch bis November tourt der Ausstellungszug durch Deutschland. Die Fahrt endet dort, wo sie auch begonnen hat, nämlich in unserer Hauptstadt Berlin. An den Stationen des Zuges öffnet die Ausstellung für jeweils drei Tage ihre Tore, um dann ihre Fahrt durch unser Land fortzusetzen. Die Tourplanung und weitere Informationen zum "Science Express" sind unter www.expedition-zukunft.org abrufbar.
Bianca Schöneich


