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Wulf Kansteiner über Geschichte und Gedächtnis im Zeitalter interaktiver Medien

Der Zeithistoriker Wulf Kansteiner, State University of New York, Binghamton, spricht am 26. Mai 2008 im Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) Essen über die Veränderungen, denen Geschichte und Gedächtnis im Zeitalter interaktiver Medien unterworfen sind. Anders als Bücher, Filme und Fernsehen bieten Videospiele die Möglichkeit, historische Orte und Akteure nach eigenen Vorlieben abzuändern.

In seinem ebenso spekulativ wie provokativ angelegten Vortrag "Virtuelle Welten und erfundene Gemeinschaften: Geschichte und Gedächtnis im Zeitalter interaktiver Medien" argumentiert Kansteiner, dass das Geschichtsbewusstsein der Zukunft entscheidend von interaktiven Medien geprägt werden wird. Denn warum sollten sich Medienkonsumenten noch mit Büchern, Filmen und Fernsehen auseinandersetzen, wenn sie in Videospielen die Möglichkeit haben, die Geschichte nach eigenem Gutdünken umzuschreiben? Die verlockende Machtfülle der Spielerfahrung wird noch dadurch erhöht, dass Videospieler nicht nur die historischen Schauplätze, sondern auch die psychologische Gruppenerfahrung nach eigenen Vorlieben erfinden können. Dabei können sie sich wahlweise mit real existierenden Kollektiven oder rein imaginären, nur in Computernetzwerken existierenden Gruppen identifizieren.

Wulf Kansteiner ist Professor für europäische Zeitgeschichte und Mediengeschichte an der State University of New York (SUNY) in Binghamton. Im nächsten Jahr lehrt er als Gastwissenschaftler am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts des Historischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Veranstaltungsort: Kulturwissenschaftliches Institut (KWI), Goethestraße 31, 45128 Essen Beginn: 18.15 Uhr

Die Veranstaltung ist öffentlich.

(Quelle: Kulturwissenschaftliches Institut (KWI), 21.05.2008)

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