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Arbeitsmarktforscher Klaus F. Zimmermann unterstützt Modellversuch zu anonymisierten Bewerbungen

Der Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn, Klaus F. Zimmermann, hat der Kritik von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt an dem geplanten Modellversuch zur Anonymisierung von Bewerbungen widersprochen. Er kündigte an, sein Institut werde das Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wissenschaftlich begleiten, durch das mögliche Benachteiligungen von Bewerbern u.a. mit Migrationshintergrund im Interesse von Bewerbern und Firmen reduziert werden sollen.

„Von diesen Erfahrungen werden gerade auch die Unternehmen profitieren. Denn Diskriminierung ist auch mit Fehlentscheidungen der Unternehmen verbunden, die Produktivität kosten und damit wirtschaftliche Nachteile bringen. So müssen sich angesichts der wachsenden Facharbeiterlücke auch solche Firmen verstärkt für Bewerber mit Migrationshintergrund öffnen, die sich bisher eher zurückgehalten haben. Außerdem wissen wir, dass multiethnisch aufgestellte Belegschaften viele Vorteile bringen, weil sich hier die Fähigkeiten der einheimischen Mitarbeiter mit den Erfahrungen internationaler Kräfte vorteilhaft ergänzen“, erklärte Zimmermann in Bonn.

Mit wissenschaftlicher Begleitung durch das IZA startet die Antidiskriminierungs-stelle des Bundes im Herbst 2010 in mehreren Unternehmen einen Modellversuch, der Diskriminierung bei der Jobsuche vermeiden helfen und so etwa auch in Deutschland lebenden Ausländern bei Stellenbewerbungen eine bessere Erfolgschance ermöglichen soll. Im Mittelpunkt steht dabei die Prüfung der Frage, wie der freiwillige Einsatz anonymisierter Lebensläufe in der ersten Bewerbungsphase durch die Unternehmen organisiert und gestaltet werden soll. Dazu erstellt das IZA eine Expertise, um auch internationale Erfahrungen mit solchen Verfahren heranzuziehen. Modellversuche mit anonymisierten Lebensläufen gibt es bereits in anderen Ländern wie Frankreich, der Schweiz oder Schweden.

IZA-Direktor Zimmermann erhofft sich von dem Projekt auch generell ein verbessertes Klima für Arbeitskräfte aus dem Ausland. „Angesichts der demografischen Entwicklung ist Deutschland dringend auf qualifizierte Kräfte durch Zuwanderung angewiesen. Dennoch sind für diese die Barrieren und Integrationshürden leider noch immer sehr hoch. Wenn wir hier nicht zu einer offeneren Grundeinstellung kommen, riskiert Deutschland erhebliche Wohlstands- und Wachstumsverluste." So hat das IZA kürzlich eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass türkischstämmige Bewerber bei der Stellensuche von Personalverantwortlichen benachteiligt werden. Demnach reicht bei identischem Lebenslauf allein ein türkischer Nachname aus, um die Chancen einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch um bis zu einem Viertel geringer ausfallen zu lassen. Grund hierfür sind einerseits Vorurteile, andererseits aber auch fehlende Erfahrungen der Personalverantwortlichen.

Klaus F. Zimmermann: „Erst wenn benachteiligten ethnischen Gruppen die Gelegenheit gegeben wird, sich auf dem Arbeitsmarkt zu beweisen, können sie die Vorurteile gegenüber ihrer vermeintlich geringeren Eignung ausräumen. Im Sinne einer vollständigen Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern ist daher ein Umdenken seitens vieler Arbeitgeber notwendig, das sich durch Gesetze allein nicht erzwingen lässt. Wichtig für das Projekt ist zudem die Prüfung der These, dass dieses Vorgehen für die Firmen ebenfalls wirtschaftliche Vorteile bietet. Der Modellversuch wird sich jedoch auch mit anderen Formen der Diskriminierung beschäftigen.“

(Quelle: IZA, 16.08.2010)

Weitere Infos: Nachrichten von und über die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS).

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