Antrittsvorlesung von Felix Thiele zur Klinischen Forschung an Kindern
Dr. med. Felix Thiele hielt heute seine Antrittsvorlesung als Privatdozent im Fachbereich Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Unter dem Titel „Klinische Forschung an Kindern. Eine kritische Prüfung medizinethischer und wirtschaftethischer Vorbehalte“ befasste er sich mit Vorschlägen zur Verbesserung der therapeutischen Situation von Minderjährigen.
Klinische Forschung in Minderjährigen ist ein drängendes Problem, denn ein sehr großer Teil der Kindern und Jugendlichen verabreichten Pharmazeutika wird „off-label“ oder „off-license“ verwendet, d.h. entweder haben die verwendeten Pharmazeutika aufgrund fehlender Forschungsdaten keine Zulassung für die Nutzung im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin oder zumindest nicht die Zulassung für den bestimmten medizinischen Zweck, für den sie genutzt werden. In solchen Fällen können die behandelnden Ärzte ihre Therapie nicht auf wissenschaftliche Daten stützen, sondern müssen auf ihre subjektive Erfahrung zurückgreifen.
Den Schwerpunkt seiner Überlegungen legte Thiele auf die zunehmende Verlagerung klinischer Forschungsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländer – etwa in osteuropäische Länder oder nach Indien. Viele Berichte deuten darauf hin, dass solche Forschungsprojekte häufig nicht den hierzulande geltenden moralischen und rechtlichen Standards genügen und daher abzulehnen sind. Thiele sprach sich allerdings grundsätzlich für eine Internationalisierung der Forschung an Minderjährigen aus. Notwendig sei dafür ein internationaler Ordnungsrahmen, der sicherstellt, dass Probanden einen angemessenen Nutzen aus ihrer Teilnahme an solchen Forschungsprojekten ziehen.
Felix Thiele studierte Medizin und Philosophie unter anderem an der Universität Heidelberg und der London School of Economics. Seit 1999 ist er Stellvertreter des Direktors der Europäischen Akademie und ist derzeit u.a. Mitglied der interdisziplinären Projektgruppe „Klinische Forschung in vulnerablen Populationen“.
(Quelle: Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH, 27.05.2009)


