Interdisziplinäre Klausurwoche: Der Einfluss aktueller Entwicklungen in den Neurowissenschaften auf den psychiatrischen Krankheitsbegriff (2.–8. Oktober 2007, Bonn)
Die Neurowissenschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten einen spektakulären Boom erlebt: neue und verbesserte molekular- und zellbiologische, genetische sowie bildgebende Verfahren haben das Verständnis des Nervensystems und des Gehirns vertieft und dadurch zur Aufklärung der Entstehung und des Verlaufs vieler Krankheiten beigetragen.
In diesem Zusammenhang sind auch neuartige Interventionsmöglichkeiten mit beeindruckenden therapeutischen Ergebnissen entwickelt worden – etwa auf den Gebieten der Neurochirurgie, Neuro-Prothetik oder der Psychiatrie, insbesondere der Psychopharmakologie.
Trotz dieser Entwicklungen ist das Verhältnis zwischen der neurowissenschaftlichen Forschung und den klinischen Disziplinen Neurologie und Psychiatrie zuweilen gespannt: Insbesondere in der Psychiatrie wird kontrovers diskutiert, inwieweit die Psychiatrie von den Neurowissenschaften profitiert oder eher durch eine „Verneurowissenschaftlichung“ gefährdet ist.
Die Klausurwoche „Der Einfluss aktueller Entwicklungen in den Neurowissenschaften auf den psychiatrischen Krankheitsbegriff“ soll der interdisziplinären Diskussion des komplexen Zusammenhangs von Neurowissenschaften und Psychiatrie dienen und dabei insbesondere den psychiatrischen Krankheitsbegriff, der in wissenschaftlichen, klinischen, ethischen, rechtlichen und kulturellen Kontexten unterschiedlich gebraucht wird, in den Mittelpunkt rücken. Das Fehlen eines einheitlichen Begriffs der psychiatrischen Krankheit ist nicht nur für Missverständnisse zwischen Neurowissenschaften und der klinischen Praxis verantwortlich, sondern hat auch erhebliche Folgen für das Verhältnis von Psychiatrie und Gesellschaft.
Die englischsprachige Klausurwoche wird von der Europäischen Akademie und der Abteilung für Psychiatrie der Universität Bonn organisiert und richtet sich an europäische Nachwuchswissenschaftler (Doktoranden, Post-Docs) aus einem breiten Fächerspektrum wie beispielsweise Medizin, Neurowissenschaften, Psychologie, Philosophie, Recht, Sozialwissenschaften, Theologie und technischen Disziplinen. Während der Klausurwoche werden die Teilnehmer ihre Arbeit vorstellen, zusätzlich werden ausgewiesene Experten vortragen sowie zwei Exkursionen unternommen.
(Quelle: Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH, 25.09.2007)


