Workshop „Technik im TV“: Viele Wege sind möglich, die besten sind zielgruppengerecht
80 Sendungen bietet Deutschlands Fernsehen rund um Wissen und Wissenschaft; selten wird darin auch über Technik berichtet. Noch rarer sind Technikberufe in Serie, Soap und Vorabendprogramm. Dabei spielt das bewegte Bild als Leitmedium nach wie vor eine gewichtige Rolle – gerade auch für jungen Menschen.
Der Kommunikationskreis, in dem die Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen aus dem Senat der Akademie vertreten sind, widmete der Situation am 25. August einen Workshop mit Fernsehmachern, Wissenschaftlern, Mitarbeitern aus Pressestellen und Vertretern von Initiativen. Gastgeber war das Senatsunternehmen Festo in Esslingen. Auf der Agenda standen eine ganze Reihe an Fragen: Welche erfolgversprechenden Wege gibt es, Technik in bewegte Bilder zu bringen? Was sind die Anforderungen im Fernsehen oder auch bei Produktion und Vertrieb von Schulfilmen? Sind eigene Kanäle zum Publikum besser – oder sollten besser die etablierten Medien und Formate auf möglichst adäquate Weise angesprochen werden?
Der Workshop entlarvte schnell Informationsangebote, die ihre eigenen Zielgruppen nicht richtig in den Blick nehmen. Doch selbst, wenn die Zielgruppe bestimmt ist, lässt die Umsetzung oft zu wünschen übrig. „Sie dürfen nicht einfach nur Technik erklären. Damit erreichen Sie nur diejenigen, die ohnehin schon interessiert sind. Sie müssen Technik erzählen“, sagte Michael Kramers, stellvertretender Redaktionsleiter der ZDF-Sendung Abenteuer Wissen.
Nach einer Einführung in die aktuellen Trends der Bewegtbildnutzung - insbesondere von Kindern und Jugendlichen - und in Stand und Standing von Wissenschaft und Technik in fiktionalen und nicht-fiktionalen Sendungen berichtete Vera Lohel über die Befunde des „Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften“ zum Thema. Denn das Nachwuchsbarometer zeigt, dass immer noch teils falsche Vorurteile über das Berufsbild Ingenieur & Co. verbreitet sind. Berufsbilder werden auch über Rollenbilder in fiktionalen Formaten für Jugendliche transportiert, beispielsweise in Soaps, in denen verstärkt kreative Berufe vorgelebt werden, aber technische Berufe fast unsichtbar bleiben.
Genau darüber hat Jennifer Dahmen an der Universität Wuppertal in EU-geförderten Projekten geforscht: "Technik in Jugendzeitschriften und -fernsehen" hieß der Titel ihres Vortrages. Sie bestätigte, dass man in Bravo und GZSZ lange nach technischen Berufen suchen muss - während der Beruf des Pathologen seit der erfolgreichen Krimiserie CSI, in der Gerichtsmediziner trickreich schwierige Fälle lösen, bei Jugendlichen überaus beliebt ist.
Christine Haaf von der BMBF-unterstützten Initiative Komm-Mach-Mint forderte in ihrem Beitrag "Mehr Platz für MINT-Heldinnen im Jugend-Fernsehen" und berichtete über die aktuellen Projekte der Initiative, bevor Heinrich Frontzek Bewegtbilder von Festo vorführte. Festo engagiert sich seit Jahren in der Bionik. Videos über schwimmende Rochen, Fische oder auch Pinguine, die mittels Drucklufttechnik erstaunlich nah an die Vorbilder aus der Natur heranreichen, waren auf allen Kanälen von youtube über Spiegel-Online bis zu Sendungen wie Spiegel-TV oder auch nano sehr erfolgreich.
"Was tun", so lautete die Leitfrage für den Nachmittag, der als offene Diskussion angelegt war. Es zeigte sich, wie zielgenau Bewegtbilder konzipiert und produziert werden müssen, damit sie ihre Adressaten erreichen.
(Quelle: acatech, 25.08.2009)


