Broschüre "Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge" als cews.publik neu aufgelegt
Das Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung CEWS und das Netzwerk Frauenforschung NRW haben die 2006 erstmalig erschienene Studie "Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge" als cews.publik.no 9 in erweiterter Form wiederaufgelegt. Als Handreichung für die Praxis liefert die Studie konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit bei Entwicklung, Akkreditierung und Durchführung gestufter Studiengänge. So sollen geschlechtergerechte Studiengänge für weibliche und männliche Studierende gleichermaßen attraktiv und zugänglich sein, unterschiedliche Lebensbedingungen von Studierenden sowie spezifische Interessen und Lernformen weiblicher und männlicher Studierender berücksichtigen und gleiche Übergangsmöglichkeiten in MA-Studiengänge für Studenten und Studentinnen sichern.
Ihr besonderes hochschul- und wissenschaftspolitisches Gewicht erhält die Studie durch die Vorstellung fachspezifischer Curricula. Für 54 Fächer - von Elektrotechnik, Romanistik, Theologie über Medizin bis zu Kunstgeschichte - wird exemplarisch gezeigt, wie Inhalte der Frauen- und Geschlechterforschung in Studium und Lehre integriert und hierdurch gestufte Studiengänge geschlechtergerecht gestaltet werden können. Darüber hinaus benennt die Handreichung mehr als 200 Gender-ExpertInnen aus unterschiedlichsten Fächern, die bereit sind, mit ihrer Expertise die Einführung gestufter Studiengänge fachlich zu begleiten.
"Erst vier Jahre nach dem Beginn des Bologna-Prozesses haben die Europäischen Hochschulministerinnen und -minister auch die gleichstellungspolitische Herausforderung dieser grundlegenden Reform der Studienstrukturen erkannt", sagt Dr. Andrea Löther, wissenschaftliche Mitarbeiterin am CEWS. In der Präambel des Kommuniques der Konferenz der Europäischen Hochschulministerinnen und -minister am 19. September 2003 in Berlin wird betont: "Die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, muss mit dem Ziel, der sozialen Dimension des Europäischen Hochschulraumes größere Bedeutung zu geben, in Einklang gebracht werden; dabei geht es um die Stärkung des sozialen Zusammenhalts sowie den Abbau sozialer und geschlechtsspezifischer Ungleichheit auf nationaler und europäischer Ebene." Seitdem wurden in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern, vielfältige Bemühungen unternommen, um diese Vorgaben mit Leben zu füllen. Allerdings besteht auch die Gefahr, dass der Bologna-Prozess mit der Einführung gestufter Studiengänge zur Verfestigung ungleicher Geschlechterverhältnisse in Hochschule und Wissenschaft beiträgt.
"Hier setzt die Studie an", so Dr. Beate Kortendiek, eine der Autorinnen der Studie. "Gefragt wird: Welche Kriterien zeichnen geschlechtergerechte Studiengänge aus und wie sind Gender-Aspekte in die Entwicklung und Akkreditierung der gestuften Studiengänge zu integrieren? Grundlage bildet eine Bestandsaufnahme, die auf umfangreichen Befragungen der am Umstellungsprozess Beteiligten beruht. So wird aus der Befragung der Akkreditierungsagenturen deutlich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Studium durch die neuen verdichteten Studienstrukturen eher erschwert als erleichtert wird, obwohl mit dem Bologna-Prozess und der Modularisierung das Gegenteil erreicht werden sollte."
(Quelle: CEWS, 07.12.2007)


