Jobs suchen und finden: Stellenmarkt · Stellenangebote Ingenieure · Stellenangebote IT · Arbeiten in England
Benutzerspezifische Werkzeuge
  • Anmelden
Navigation
 

Gehörloser junger Mann bekommt durch Vermittlung der Arbeitsagentur Montabaur einen Job

Der Helm ist ein einfaches Modell - Grundfarbe weiß mit drei unterschiedlich stark getönten blauen Streifen, die sich rundherum ziehen. Thum-Design in Bad Camberg hat gewiss Auffälligeres zu bieten: Helme mit wehenden Deutschlandflaggen, züngelnden Flammen, aufgemaltem Gebiss. Helme, die mit Sponsorenlogos übersät sind. Helme, die den Betrachter in einen Farbrausch versetzen. Trotzdem ist dieser optisch schlichte Kopfschutz ein ganz besonderer. Er wurde von einem jungen Mann lackiert, der trotz Handicaps seinen Traumjob gefunden hat. Und der Kunde heißt Mika Häkkinen.

Michael Klima aus Diez ist glücklich an seinem Arbeitsplatz. Das ist ihm anzusehen. Sorgfältig artikuliert er die Worte: „Es gefällt mir gut hier. Alles macht Spaß: Die Helme abschleifen und abkleben, Farben und Motive aussuchen und natürlich das Lackieren.“ Ein Helm, findet er, ist ein handliches Objekt; ein ganzes Auto aufzupeppen, wäre ihm doch eine Nummer zu groß. Der 19-Jährige ist gehörlos. Im Gespräch liest er von den Lippen ab, und dank eines Cochlea-Implantats, einer speziellen Hörprothese, kann er Sprache und Töne in einem begrenzten Umfang wahrnehmen.

Der junge Mann hat einen „klassischen“ Beruf erlernt. Im Sommer schloss er seine Ausbildung zum Kfz-Lackierer erfolgreich ab, konnte aber vom Lehrbetrieb nicht übernommen werden. So musste er sich bei der Arbeitsagentur Montabaur, die für die Landkreise Westerwald und Rhein-Lahn verantwortlich ist, als Job-Suchender melden. Arbeitslos war er de facto nur wenige Tage. Als seine Vermittlerin Anja Voigt ihn gemeinsam mit Reha-Teamleiter René Sehr beim neuen Arbeitgeber besucht, erzählt er mit Stolz: „Vier Firmen haben mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen.“ Er war gleich beim ersten Unternehmen an der richtigen Adresse und unternahm keinen weiteren Anlauf: Thum Design stellte ihn ein.

Chef Wolfgang Thum ist der Meinung, einen guten Fang gemacht zu haben. „Michael ist ein Frischling, der noch viel lernen muss“, sagt er. „Aber er ist superhöflich, wissbegierig und gibt Fehler zu. Er bringt alles mit, was man sich von einem Mitarbeiter wünscht.“ Thum ist Inhaber und Geschäftsführer der ST-Mechanik GmbH für Formen- und Werkzeugbau, die u.a. Ersatzteile für den Motorsport liefert. Außerdem vertreibt man Motorsport-Kleidung - von der Unterwäsche über Overalls bis hin zum Kopfschutz. Unter dem Dach dieser Firma entstand Thum-Design. Hier arbeiten zwei der insgesamt zehn Beschäftigten der GmbH als Helmlackierer an Aufträgen, die der Firmeneigner voller Enthusiasmus beschreibt.

„Das Airbrush-Verfahren beherrschen viele“, erklärt er. „Aber professionelle Helmlackierer gibt es in der ganzen Republik vielleicht eine Handvoll. Und bei denen sind 90 Prozent aller deutschen Rennfahrer Kunden!“ Bei diesen Aufträgen müsse alles bis ins kleinste Detail stimmen, führt Thum aus – Motive, Farbe, Logos, Schriftzüge… „Hier ist Kreativität gefragt, und wer diesen Job perfekt macht, ist ein Künstler!“ Aber auch technische Vorgaben gilt es zu beachten. Zum Beispiel muss ein Profi-Helm so leicht wie möglich sein. Für die Farbe heißt das: auf keinen Fall mehr als 50 Gramm. Thum: „Das Gewicht wächst im Quadrat zur Geschwindigkeit, und durch die Fliehkraft in einer Kurve summiert allein die Farbe sich schnell auf 2 bis 3 Kilo!“

Helme für höchste Ansprüche zu lackieren ist also alles andere als einfach. „Es ist extrem schwierig, jemanden zu finden, der so etwas kann“, weiß Thum. Neun Monate lang war die Stelle vakant, bis sich auf Vorschlag der Arbeitsagentur Betrieb und Bewerber fanden. Anja Voigt räumte Michael Klima sofort gute Chancen ein. Gefragt, was für ihn spreche, antwortete der junge Mann ihr: „Ich quatsche nicht. Ich arbeite.“

Mit Thum hat er einen Chef gefunden, für den ein körperliches Handicap kein Thema ist. „Wir hatten schon viele Kollegen, die ,anders´ sind“, sagt er. „Ich frage nur: Schafft der Junge die Qualität, die hier Standard ist? Und da ist er auf dem besten Weg.“ Dass der Neuling Klima eine verlängerte Probezeit und einen befristeten Vertrag hat, begründet Thum mit dem langen Lernprozess: „Die Hälfte dessen, was er sich als Autolackierer angeeignet hat, kann er hier vergessen.“ In erster Linie aufgrund dieser neuen Materie – weniger wegen der Behinderung – zahlte die Arbeitsagentur drei Monate lang einen Eingliederungszuschuss von 30 Prozent des Bruttogehalts.

Michael Klima jedenfalls freut sich, dass er einen so spannenden neuen Beruf gefunden hat und genießt die Einblicke in den großen „Rennzirkus“. Dass Prominenz anruft, gehört bei Thum Design zur Tagesordnung. So war es DTM-Rekordchampion Bernd Schneider, der wegen des Helms für seinen Freund Mika Häkkinen anfragte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Thums neuer Mitarbeiter sich, wie in der Firma üblich, bereits einen Künstlernamen zugelegt, mit dem er „seine“ Helme kennzeichnet. Er entstand aus seinem Vor- und Zunamen und lautet – Mika. So taucht der Name zweimal auf dem Helm des Finnen auf: einmal deutlich sichtbar als „Visitenkarte“ für den Rennfahrer, der ihn trägt. Und einmal winzig klein als Signatur des Jungen aus Diez, der ihn lackiert hat… So geschützt, fuhr Häkkinen vor wenigen Wochen das Sechsstundenrennen im chinesischen Zhunai.

(Quelle: Agentur für Arbeit Montabaur, 01.12.2011)

T5 Jobmessen