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Konjunkturelle Belebung und demografische Entwicklung wirken positiv auf den Ausbildungsstellenmarkt

Das Angebot an Ausbildungsstellen übersteigt die Nachfrage seitens der Jugendlichen. Viele Stellen konnten nicht besetzt werden und die Bewerber werden knapp: Es gibt zur Zeit 57 noch nicht versorgte Jugendliche (2010 = 69, 2009 = 80), 120 nicht besetzte Ausbildungsstellen (2010= 71, 2009 = 77). Damit ist die rechnerische Lücke zwischen unversorgten Bewerbern und freien Ausbildungsplätzen mehr als geschlossen, plus 63, (2010 = + 2, 2009 minus 3). Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge liegt auf dem Vorjahrsniveau.

Die hohe Ausbildungsbereitschaft der heimischen Unternehmen sowie die vielfältigen Aktivitäten und Vermittlungsanstrengungen aller Ausbildungsmarktpartner während des gesamten Beratungsjahres haben zu einem guten Ergebnis auf dem Ausbildungsmarkt in den Kreisen Paderborn und Höxter geführt, zumindest aus der Sicht der Jugendlichen. „Nach Überwindung der Wirtschaftskrise und in Kenntnis der demografischen Entwicklung haben sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Ausbildungsbetriebe von der Notwendigkeit der Nachwuchsgewinnung überzeugen lassen. Die Diskussion um bevorstehenden Fachkräftemangel hat dabei vielfach die Entscheidung pro Ausbildung positiv beeinflusst“, so Agenturchef Rüdiger Matisz bei der Pressekonferenz zur Jahresendbilanz für das jetzt abgeschlossene Ausbildungsjahr (Oktober 2010 bis September 2011).

Die Zahl der unvermittelten jungen Menschen konnte bis Ende September auf 57 reduziert werden (Vorjahr 69); ein Wert der zuletzt 1991 (= 81) und 1992 (= 72) ähnlich positiv ausfiel. „Für diese Leistung gebührt den Verantwortlichen in den ausbildenden Betrieben und Institutionen unser Dank und unsere Anerkennung“, so der Agenturchef.

„Auch die jetzt noch nicht vermittelten Jugendlichen sollten sich nicht entmutigen lassen“, so Matisz weiter. „Die im Oktober angelaufenen Nachvermittlungsaktivitäten werden zu weiteren Ausbildungsabschlüssen führen und auch an der Besetzung der noch nicht besetzten Stellen wird intensiv gearbeitet.“

Gesamtangebot / Gesamtnachfrage im Laufe des Berichtsjahres:

2.944 gemeldete Ausbildungsstellen / 3.067 gemeldete Bewerber

Im Berichtsjahr wurden der Arbeitsagentur 2.944 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet.

Im Laufe des Berichtsjahres haben sich 3.076 Jugendliche über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit um einen Ausbildungsplatz bemüht, das waren 64 oder 2 Prozent weniger Bewerber als im Vorjahr. Darin spiegeln sich exakt die sinkenden Schulabgängerzahlen wider.

Ende September 2011 hat sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wie schon im Vorjahr geschlossen – rein rechnerisch sind noch 63 offene Stellen mehr vorhanden als unversorgte Jugendliche (2010 waren es 2 offene Stellen mehr).

Nach den vorläufigen Zahlen der Industrie- und Handelskammer, Zweigstelle Paderborn + Höxter, und den Daten der Kreishandwerkerschaften Paderborn sowie Höxter-Warburg ist davon auszugehen, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in etwa das Vorjahresniveau erreichen. Nach der offiziellen „BIBB-Statistik“ begannen 2010 in den beiden Kreisen Paderborn und Höxter 3.613 neue Ausbildungsverhältnisse.

Wie Jürgen Behlke, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld und Leiter der Zweigstelle Paderborn + Höxter, erläuterte, gibt es nach den vorliegenden (vorläufigen Zahlen) IHK-Zahlen für die Hochstiftregion eine Stagnation bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen, und zwar von insgesamt 1.990 im Jahr 2010 auf nunmehr 1.985 Abschlüsse im Jahr 2011.

Die Steigerungsraten der letzten Jahre konnten die Unternehmen im zurückliegenden Jahr nicht erreichen. Dies liegt – nach Einschätzung vieler Firmenvertreter – an dem Rückgang für die Ausbildung geeigneter Jugendlicher.

Im Kreis Paderborn stieg die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse insgesamt um 2,2 Prozent, wobei sie im Kreis Höxter um 3,9 Prozent zurückging. Spitzenreiter bei der positiven Entwicklung im Kreis Paderborn waren die gewerblich/technischen Ausbildungsberufe mit Wachstumsraten von knapp 7 Prozent! Der Schwerpunkt der Zunahme der Ausbildungsverhältnisse lag hier im Bereich der metalltechnischen Berufe. Ansonsten stagnierte die Zahl der kaufmännischen Berufe im Kreis Paderborn bei gleichzeitigem Rückgang beider Berufsgruppen im Kreis Höxter.

Das „Schwergewicht“ bei den Berufen findet sich bei den Ausbildungsberufen im IT-Bereich mit insgesamt 210 eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. Diese wurden nahezu alle in der Informatik-Stadt Paderborn abgeschlossen. Die meisten Verträge in den Einzelberufen wurden bei den Kaufleuten für den Einzelhandel mit 171 Verträgen und bei den Industriekaufleuten mit 159 Verträgen eingetragen.

Mit diesen Zahlen finden sich die beiden Hochstiftkreise dieses Mal am unteren Ende der Wachstumsskala in Ostwestfalen, was an den sehr positiven Entwicklungen im Hochstift in den letzten Jahren liegt.

„Die Unternehmen wollen ausbilden – gerade wegen des immer spürbarer werdenden Fachkräftemangels – aber leider passt das Angebot und die Nachfrage an geeigneten Jugendlichen in diesem Jahr schon nicht mehr zusammen“, so Jürgen Behlke. Der Geschäftsführer der IHK hofft, dass durch verstärkte gemeinsame Anstrengungen besonders auf dem Gebiet der Berufswahlvorbereitung als auch bei der Ausbildungsfähigkeit vieler Jugendlicher in den nächsten Jahren weitere Fortschritte gemacht werden.

Die beiden Kreishandwerkerschaften (Paderborn und Höxter-Warburg) verzeichnen in der Summe eine Stagnation bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen.

Wie Assessor Josef Tack, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn, erläuterte, ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gegenüber dem Vorjahr zum Stichtag 30. September 2011 um 9 Verträge gestiegen (von 577 auf 586), dies entspricht einer Steigerung von 1,6 Prozent.

Damit ist bis zum Jahresende 2011 mit einem ähnlich hohen Niveau an Ausbildungsverträgen zu rechnen, wie im Vorjahr.

Das Handwerk in OWL insgesamt verzeichnet zurzeit ein leichtes Minus von 5,7 %, dies ist u. a. auch auf die stark reduzierte Anzahl von Umschulungsverträgen (- 51,1 %) zurückzuführen. Das gute Ergebnis bei der Kreishandwerkerschaft Paderborn unterstreicht die Wirtschaftskraft des Handwerks im Kreis Paderborn. Mit einer seit Jahren gleichbleibend hohen Ausbildungsleistung der Handwerksbetriebe bietet gerade das Handwerk eine sichere berufliche Perspektive.

Zu dem guten Ergebnis beigetragen hat auch die positive Wirkung des vom Kreis Paderborn mit getragenen Netzwerks der Ausbildungsplatzakquisiteure/-berater. Dieses Netzwerk wird vom Ausbildungszentrum der gewerblichen Wirtschaft gemanagt und ist in allen Kommunen des Kreises Paderborn mit je einen Vertreter aktiv.

Bei der berufsbezogenen Betrachtung ist nach wie vor eine erhebliche Zunahme der sogenannten "Modeberufe" im Handwerk festzustellen. Dies gilt für die Metallberufe (Metallbauer, Feinwerkmechaniker), Bürokaufleute, Tischler und Maler und Lackierer. Auf einem konstant hohen Niveau bewegen sich die Berufe Kfz, Mechatroniker und Servicemechaniker, Anlagenmechaniker und Friseure.

Ein erheblicher Rückgang ist leider in Bereichen zu verzeichnen, in denen dringend Mitarbeiter/innen gesucht werden, wie Verkäufer/in, Bäcker- und Fleischerhandwerk und den gesamten Bauberufen.

Angesichts der noch offenen Lehrstellen in fast allen Handwerksberufen zeigt sich, dass mit den derzeitigen Zahlen der Bedarf an Lehrlingen in den Betrieben noch nicht gedeckt werden kann. Die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen wird auch durch die außerordentlich gute Konjunktur im Handwerk begünstigt.

Laut dem Konjunkturbericht der Handwerkskammer für Herbst 2011 gibt das Handwerk in Ostwestfalen die beste Lagebeurteilung durch ihre Betriebe seit rund 20 Jahren ab. Der "Jobmotor Handwerk" mit Neueinstellungen bei ca. 30 Prozent der OWL-Handwerksbetriebe, läuft auch bei Lehrlingen, wenn denn die Unternehmen welche bekommen.

Erstmals stellen die Betriebe nachhaltig fest, dass sie in ihren Ausbildungsbemühungen um zukünftige Fachkräfte durch die demographische Entwicklung gebremst werden. Nach Auffassung des Handwerks ist deshalb in dieser Situation kein Bedarf für weitere vollzeitschulische Ausbildungsgänge im Handwerk.

Angesichts des Umbruchs im Schulsystem will sich das Handwerk auch für neue Zielgruppen der Jugendlichen öffnen. Dies wird auch deutlich durch die groß angelegte Imagekampagne des Handwerks, die insbesondere der Jugend die Perspektiven des Handwerks näher bringen will. Laut einer Forsa-Untersuchung besteht nämlich bei den Jugendlichen überwiegend nach wie vor eine falsche Vorstellung über berufliche Perspektiven im Handwerk.

Als Fazit erklärt Hauptgeschäftsführer Tack, dass angesichts der Rahmenbedingungen für das Handwerk in 2011 bei der Kreishandwerkerschaft Paderborn ein durchaus akzeptables Ergebnis an neuen Ausbildungsplätzen erzielt wurde und das Interesse der Betriebe an Ausbildung weiterhin ungebrochen ist.

Assessor Holger Benninghoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Höxter-Warburg, stellt bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen im Kreis Höxter zum aktuellen Zeitpunkt eine fast gleichbleibende Anzahl von neu abgeschlossenen Berufsausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr fest. Die Anzahl sank leicht von 420 auf 412 Neuabschlüsse, das ist ein Minus von 1,9 % für den Kreis. Zuwächse gab es insbesondere in den Elektro- und Metallberufen, beispielsweise bei den Elektronikern (+ 60 %) und bei den Metallbauern (+ 48 %). Ein Rückgang von 28 % ist dagegen im Ausbildungsberuf Bäcker/-in zu verzeichnen. Der aktuelle Stand der Ausbildungssituation im Handwerk für den Kreis Höxter zeichnet insgesamt ein gutes Bild, besser als es aufgrund der Finanzkrise und der damit einhergehenden konjunkturellen Sorgen der Betriebe hätte erwartet werden können. Die Zahl der Ausbildungsstellenbewerber im Kreis Höxter ist gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken.

"Viele Betriebe spüren bereits, dass es weniger Bewerber gibt. Dies hängt insbesondere mit der demographischen Entwicklung im Kreis Höxter zusammen. Eine höhere Anzahl an Neuabschlüssen wäre durchaus möglich, scheitert aber insbesondere an fehlenden, geeigneten Bewerbern in den verschiedenen Ausbildungsberufen“, so der Hauptgeschäftsführer.

"Trotz aller Anstrengungen wird es immer schwerer, geeignete Auszubildende sowohl für die gewerblich technischen Berufe als auch im Nahrungsmittelhandwerk zu finden. Dabei lassen die Unternehmen nicht nach bei der Schaffung und Bereitstellung von Ausbildungsplätzen. Denn die Ausbildung von Fachkräften trägt zur Existenz- und Leistungsfähigkeit des Unternehmens bei und dient letztendlich auch der Zukunftssicherung der eigenen Branche", erklärte Benninghoff.

Nachvermittlungsaktion mit den Partnern des Ausbildungsmarktes

Ende Oktober (24. und 27.10) wurden die unversorgten Bewerber erneut zu Beratungsgesprächen mit den Ausbildungsberatern der Kammern / den Berufsberatern der Arbeitsagentur eingeladen, um gemeinsam das noch vorhandene Ausbildungsstellenangebot zu besprechen bzw. andere berufliche Alternativen zu erörtern (ggf. auch die Teilnahme an einer der o. a. Maßnahmen). Insgesamt wurden 35 Jugendliche eingeladen. Allen 25 Teilnehmern (knapp drei Viertel) konnte mindestens ein Angebot gemacht werden.

Die Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, der Kreishandwerkerschaften und der Agentur für Arbeit stellten heraus, dass es auch jetzt noch zahlreiche freie Ausbildungsstellen gibt.

Chancen für einen Ausbildungsbeginn bestehen derzeit noch im Bereich Verkauf (Verkäufer/Kaufmann im Einzelhandel/Fachverkäufer Lebensmittelhandwerk), im Hotel- und Gaststättengewerbe und in verschiedenen kaufmännischen Berufen.

Interessenten für diese Berufe können mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Paderborn und Höxter unter der Hotline 01801-555 111 noch Termine vereinbaren. Das Angebot an freien Ausbildungsstellen kann auch über das Internet unter www.arbeitsagentur.de aufgerufen werden.

(Quelle: Agentur für Arbeit Paderborn, 08.11.2011)

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