Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2010/2011
„Für die Zukunft unserer Region ziehen wir alle an einem Strang und versuchen allen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu vermitteln“, betont Walter Niggemeier, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Meschede.
„Es zeichnet sich eine Trendwende ab: Die Anzahl angebotener Ausbildungsstellen steigt – die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber sinkt. Die jungen Menschen, die jetzt erfolgreich in die regionale Berufswelt starten, sind die dringend benötigten Fachkräfte von morgen!“, sind sich Dr. Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Arnsberg Hellweg-Sauerland, Rainer Koßmann, Leiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Südwestfalen und Walte Niggemeier einig.
Am 30. September endete das Berufsberatungsjahr 2010/2011. „Unternehmen entscheiden frühzeitig, also etwa ein Jahr vor Ausbildungsbeginn, über ihr Lehrstellenangebot. Immer mehr Unternehmen setzen bei ihrer Suche nach Nachwuchskräften auf die Unterstützung der Arbeitsagentur. Unser Arbeitgeber-Service konnte 2,3 Prozent mehr Ausbildungsstellen akquirieren – 8,6 Prozent mehr betriebliche Ausbildungsstellen. Davon profitierten vor allem die jungen Menschen, die mit uns zusammen gearbeitet haben. Entsprechend waren Ende September fast 20 Prozent weniger Jugendliche ohne Ausbildungsplatz oder ohne eine zielführende Alternative, als noch vor einem Jahr. Aber auch für diejenigen werden sich im Rahmen des Ausbildungspaktes noch berufliche Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Wichtig sind Interesse und Motivation der Jugendlichen“, so der Leiter der Arbeitsagentur Meschede.
Seit dem 1. Oktober 2010 haben 2.407 junge Menschen bei der Mescheder Agentur für Arbeit um Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz gebeten, das sind 201 bzw. 7,7 Prozent weniger als im letzten Berufsberatungsjahr. „Wir sprechen die Jugendliche direkt an und sind in den Schulen vor Ort, damit jeder die Angebote nutzen kann und sich gut auf den Sprung in die Berufswelt vorbereiten kann. Mitmachen ist also ganz einfach und die Chancen auf einen Ausbildungsplatz derzeit sehr gut“, motiviert der Agenturchef.
Im Laufe des Berufsberatungsjahres 2010/2011 waren bei der Agentur für Arbeit 1.919 Berufsausbildungsstellen registriert, 43 bzw. 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei einer Betrachtung der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze fällt das Ergebnis sogar noch deutlich günstiger aus. Insgesamt konnte der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur bei den Unternehmen der Region 1.786 Lehrstellen akquirieren. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich eine Zunahme um 142 bzw. 8,6 Prozent. „Dafür möchte ich mich ganz herzlich bei den Betrieben bedanken“, so Walter Niggemeier weiter. „Das ist ein Zeichen für unsere gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“
„Es zeigt aber auch, dass sich das Bewusstsein vieler Unternehmen verändert hat. Ausbildung ist für ein Unternehmen überlebenswichtig. Nur wer sich schon jetzt auf den demografischen Wandel vorbereitet, kann sich auch in Zukunft seiner qualifizierten Fachkräfte sicher sein. Betrachtet man die demografiebedingt rückläufige Entwicklung bei den Schulabgängerzahlen, wird die Wichtigkeit der Investition in Ausbildung und Fachkräftesicherung ganz deutlich. In den nächsten fünf Jahren fällt dieser Rückgang in unserer Region noch verhalten aus. Aber im Jahr 2019 werden mit voraussichtlich 4.500 Schulentlassenen etwa ein Viertel weniger junge Menschen die Schule verlassen als heute“, berichten Dr. Ilona Lange und Rainer Koßmann. Die Lehrstellenbilanz der IHK zeigt einen Anstieg der Lehrstellen von 1.093 in 2010 auf 1.141 in diesem Jahr. Auch die Handwerkskammer kann einen Zuwachs an Lehrstellen verzeichnen: von 644 im Jahr 2010 auf 652 in 2011.
Am 30. September hatten noch 37 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz oder eine Alternative gefunden, 9 oder 19,6 Prozent weniger als im Vorjahr. „Das ist eine erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Walter Niggemeier. „Zumal auch für diese jungen Menschen der Zug noch nicht abgefahren ist. Ganz aktuell wurden alle eingeladen, um gemeinsam mit den Partnern des Ausbildungspaktes noch mögliche berufliche Perspektiven zu erörtern. Jeder erhält ein Angebot, zum Beispiel für eine Einstiegsqualifizierung. Weiterhin sind auch noch Ausbildungsstellen unbesetzt, die als möglicher Berufseinstieg in Frage kommen. Alle Jugendlichen, die mit uns zusammenarbeiten, bekommen eine Chance! Ein wenig Flexibilität beim Wunschberuf ist gefordert. Aber wer motiviert ist und Interesse zeigt, wird die angebotenen Alternativen sicherlich in seine beruflichen Überlegungen einbauen.“
2.370 junge Menschen haben bis Ende September einen weiteren Schritt in Richtung Berufsleben gemacht. 1.102 konnten eine Berufsausbildung aufnehmen, 296 entschieden sich für einen weiterführenden Schulbesuch zur Erlangung einer höheren schulischen Qualifikation. Dieser Weg ist aber zumeist nur dann sinnvoll, wenn sich neben der Qualifikation auch der Notenschnitt verbessert. 30 Abiturienten zogen ein Studium einer ursprünglich angestrebten Lehrstelle vor. Weitere 80 absolvieren ein Berufsgrundbildungsjahr und 40 haben eine Praktikantenstelle angenommen, um so zum Beispiel die erforderlichen Vorrausetzungen für darauf folgende berufliche Schritte zu erwerben.
In 24 Fällen wurde die Suche nach einem Ausbildungsplatz aufgrund des Beginns von gemeinnützigen und sozialen Diensten beendet. Auch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit wurde als der passende Schritt ins Berufsleben angesehen, den 135 junge Menschen gewählt haben. 480 gemeldete Bewerber wünschten im Laufe des Berichtsjahres keine weitere Unterstützung durch die Berufsberatung mehr, Angaben zum Verbleib wurden nicht gemacht. In der Mehrzahl dürfte sich dabei eine Ausbildungs- bzw. Arbeitsaufnahme oder die Fortführung der Schulausbildung ergeben haben.
Teilweise stehen dem direkten Übergang von der Schule in den Beruf schulische oder persönliche Defizite entgegen. Entsprechend werden diese Jugendlichen durch die Agentur für Arbeit Meschede oder die zuständigen Träger mit verschiedensten Angeboten unterstützt. 73 junge Menschen bauen in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme gezielt vorhandene Defizite ab und steigern so ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Für 34 Jugendliche stellt das Angebot der Einstiegsqualifizierungen den Start in den Ausbildungsmarkt dar. Sie absolvieren ein betriebliches Langzeitpraktikum und erhalten dadurch hohe Chancen auf die Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis.
Den insgesamt 37 unversorgten Bewerbern standen am 30. September statistisch betrachtet 179 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber. Vor einem Jahr waren zum selben Zeitpunkt noch 95 Ausbildungsplätze zu vergeben. „Eine Steigerung um 113,1 Prozent der unbesetzten Ausbildungsstellen deutet die Trendwende auf dem Ausbildungsmarkt an. Der Wettbewerb um die besten Köpfe hat begonnen und wird sich noch verstärken“, betonen die Konsenspartner. Aufgrund berufstypischer Besonderheiten gestaltet sich die Besetzung in einigen Branchen schwierig. „Hier müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen und den Jugendlichen interessante Perspektiven aufzeigen. Zur Sicherung der Zukunft unserer Region ist Flexibilität auf Seiten - der Betriebe und der jungen Menschen gefragt.“
(Quelle: Agentur für Arbeit Meschede, 09.11.2011)


