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Neue Mitarbeiter finden: Schwerbehinderte Arbeitslose hoffen auf Chance im Aufschwung

Seit einem guten halben Jahr arbeitet sich Wolfgang Meurer in die Projektabrechnung der Simple GmbH ein, eine Agentur für Kommunikationsdesign mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. In Kürze will sein Chef Andreas Salsamendi dem gelernten Industriekaufmann weitere Aufgaben in der Buchhaltung übertragen.

Wolfgang Meurer gehört zu den über 26.000 Kölnerinnen und Kölner, die im Jahr 2011 nach ihrer Arbeitslosigkeit eine neue Stelle angetreten haben. Darüber ist er sehr froh, zumal Schwerbehinderte bislang kaum von dem guten Arbeitsmarkt profitieren. “Im Oktober zählen wir 2.759 Arbeitslose mit einer Schwerbehinderung in Köln, das sind gut sechs Prozent mehr als im Vorjahr. In der Wirtschaftskrise verloren deutlich mehr schwerbehinderte Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz als in den Jahren davor, zudem ist die Zahl der Neueinstellungen vorüber-gehend zurückgegangen. Das hat die Zahl der Arbeitslosen nach oben getrieben“, sagt Roswitha Stock, Chefin der Kölner Arbeitsagentur. „Ich möchte den Blick darauf lenken, dass es unter diesen gut 2.700 Frauen und Männer etliche gut ausgebildete und motivierte Kandidatinnen und Kandidaten für freie Stellen gibt.“ Andreas Salsamendi hatte sich bewusst entschieden, sein Team um einen Kollegen mit Schwerbehinderung zu ergänzen. „Ich wollte jemandem eine Chance geben.“ Salsamendi befragte vorab seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weil ihm die Akzeptanz für den oder die Neue wichtig war. „Die Rückmeldungen waren neutral bis positiv. Also habe ich die Arbeitsagentur gebeten, mir fünf Kandidatinnen und Kandidaten für unsere offene Stelle in der Buchhaltung vorzuschlagen. Wolfgang hat dann gut drei Wochen auf Probe gearbeitet, und so waren wir uns sicher: Er ist der Richtige, er passt ins Team.“ Auch Wolfgang Meurer ist hoch zufrieden: „Ich war etwas mehr als ein Jahr arbeitslos und genieße es sehr, wieder arbeiten zu können.“

Salsamendi hat nur wenig im Betrieb verändern müssen, damit Wolfgang Meurer, der im Rollstuhl sitzt, sich ungehindert bewegen kann: eine Rampe zu den Toiletten und eine Schiebetür, am Eingang eine Klingel in Reichweite, die Schreibtischplatte höher gestellt, eine speziell angepasste Maus für den PC. „Die Umbauten waren recht unkompliziert“, sagt er. Zum Thema Umbauten und Hilfsmittel berät zudem der Technische Berater der Arbeitsagentur, die erforderlichen Arbeitsmittel werden finanziert, sodass Betriebe nur im Ausnahmefall finanziell gefordert sind.

„Unter den Arbeitslosen mit Schwerbehinderung sind sehr viele kaufmännische Kräfte“, so Roswitha Stock. „Auch Pförtner und Boten sind stark vertreten. Ich freue mich, wenn Unternehmen die Chance nutzen, die Qualitäten von schwerbehinderten Bewerberinnen und Bewerbern kennen zu lernen. Dafür haben wir ein großartiges Instrument: die Probebeschäftigung. Einen Monat lang können Betriebe und Schwerbehinderte erproben, wie sie miteinander arbeiten können.“

Stock macht darauf aufmerksam, dass viele Schwerbehinderte es aufgrund ihres Alters schwerer haben, eine Stelle zu finden: „Während 14 Prozent aller Arbeitslosen im Oktober 55 Jahre oder älter waren, sind es unter den schwerbehinderten Kunden der Arbeitsagentur gut 54 Prozent. Das erklärt zu einem Teil die höhere Arbeitslosigkeit, denn unter allen Altersgruppen haben die Älteren im vergangenen Jahr am wenigsten vom Aufschwung profitiert.“

(Quelle: Argentur für Arbeit Köln, 21.11.2011)

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