Bilanz auf dem Kölner Ausbildungsmarkt 2011: Ausbildungsbewerber waren sehr gefragt
Die Industrie- und Handelskammer zu Köln, die Handwerkskammer zu Köln und die Agentur für Arbeit ziehen eine positive Bilanz des diesjährigen Kölner Ausbildungsstellenmarktes. Während die Industrie- und Handelskammer zu Köln in ihrer vorläufigen Bilanz mit 5.260 neu eingetragenen Ausbildungsverträgen ein Plus von 210 oder 4,2 Prozent verzeichnet, hat die Handwerkskammer zu Köln 2.505 Ausbildungsverhältnisse neu eingetragen, das entspricht einem Plus von 231 Stellen oder 10,2 Prozent. Über 6.900 Ausbildungsstellen sowie mehr als 5.500 Bewerberinnen und Bewerber zählt die Agentur für Arbeit Köln. Während die Zahl der Jugendlichen, die mit Hilfe der Arbeitsagentur ihre Ausbildungsstelle suchen, um 268 oder 4,6 Prozent auf 5.513 zurückgegangen ist, stieg die Zahl der Stellen weiter: 6.925 Ausbildungsstellen wurden der Agentur für Arbeit gemeldet, 387 oder 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr.
„Auch im Zeitalter elektronischer Kommunikation suchen weiterhin viele junge Leute die persönliche Beratung bei unserer Berufsberatung“, sagt Roswitha Stock, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. „Darüber sind wir sehr froh. Im persönlichen Gespräch leisten wir die Unterstützung, die Jugendliche brauchen: Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater weisen Wege, helfen Für und Wider abzuwägen, coachen und stärken. Sie zeichnen aber auch ein klares Bild der Anforderungen in den Betrieben.“
Roswitha Stock sieht deutliche Zeichen für eine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt: „Die Zahl der Ausbildungsstellen hat einen neuen Höchstwert erreicht. Zugleich gibt es weniger Bewerber, die sich bereits seit einem Jahr oder länger um einen Ausbildungsplatz bemühen.“ In diesem Jahr zählten 50,9 Prozent dazu, im Vorjahr waren es 53,2 Prozent. Stock ist optimistisch: „Immer mehr Unternehmen zeigen Offenheit für Bewerber, die mehr Unterstützung brauchen. Das ist in meinen Augen ein Erfolgsfaktor, denn viele Jugendliche haben verborgene Fähigkeiten, die ein Zeugnis nicht abbildet.“ 163 Jugendliche sind am Ende des Beratungsjahres noch unversorgt gewesen. Die Berufsberatung unterstützt sie kontinuierlich, um ihnen einen Einstieg in die Ausbildung zu ermöglichen.
„Der Anteil der Jugendlichen, die auf eine Berufsbildende Schule wechseln und sich erst im Anschluss um einen Ausbildungsplatz bewerben, ist weiter kräftig gewachsen und liegt jetzt bei 38 Prozent“, stellt die Agenturchefin fest. „Wir sehen die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Tatsächlich suchen Betriebe heute verstärkt Jugendliche mit höheren Schulabschlüssen. Wer jedoch den Abschluss auf der weiterführenden Schule nicht schafft – und das ist gut jeder Dritte -, hat schlechtere Chancen als zuvor. Mein dringender Appell: Wenn ihr ungern die Schulbank drückt, ist eine Lehrstelle die bessere Wahl. Wir helfen euch dabei, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.“
Roswitha Stock verweist auf das breite Angebot der Arbeitsagentur, mit dem sie Jugendliche ohne Ausbildungsplatz unterstützt: „Wir bieten außerbetriebliche Ausbildungen für junge Leute an, die intensive Hilfestellung brauchen, wir haben die Berufsvorbereitung mit vielen Praktika, Unterricht und Hilfe bei Bewerbungen und die Einstiegsqualifikation, eine Art Langzeitpraktikum. Für viele junge Leute, bei denen es nicht auf Anhieb geklappt hat, ist dies das Sprungbrett in die Ausbildung. Azubis, die Hilfe für die Theorie brauchen, können unsere ,ausbildungsbegleitenden Hilfen‘ als Ergänzung zur Berufsschule nutzen – wenn nötig, auch vom ersten Tag ihrer Lehre an.“
Trotz der großen Zahl der Bewerberinnen und Bewerber – auch aus dem Kölner Umland bewerben sich viele junge Leute auf Lehrstellen in Köln – konnten wiederum einige Stellen nicht besetzt werden. „Mit 383 Ausbildungsstellen, die Ende September noch unbesetzt waren, bewegen uns auf der Linie der Vorjahre“, so Stock. „Inzwischen haben wir für die meisten dieser letzten Stellen noch Kandidaten gefunden.“Zum Ende des Berichtsjahres am 30. September 2011 verzeichnete die IHK Köln in ihrem Bezirk (Köln, Leverkusen, Oberbergischer Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Rheinisch Bergischer Kreis) 9.125 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse. Das ist ein Zuwachs um vier Prozent oder 353 Ausbildungsstellen. "Wir sind mit der Steigerung zufrieden", sagte Dr. Herbert Ferger, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, bei der Vorstellung der Zahlen, zumal sich aus ihnen ein positives Signal für 2012 ableiten lässt: Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten scheint das Thema Fachkräftemangel und Demografie inzwischen bei den meisten Unternehmen angekommen zu sein." Die Unternehmen hätten sich bei ihrer Entscheidung, junge Menschen auszubilden, kaum durch die negativen Nachrichten zur Konjunktur irritieren lassen.
In der Stadt Köln kommt die IHK Köln auf 5.260 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse, ein Plus von 4,2 Prozent oder 210 Ausbildungsstellen gegenüber dem Herbst 2010. 4.119 davon sind Lehrverträge in kaufmännischen Berufen, 1.141 in gewerblich-technischen Berufen.
Die inzwischen vorliegenden Zahlen zum 31. Oktober 2011 bestätigen die positive Gesamtentwicklung der Ausbildungszahlen. Die Steigerung beträgt 4,1 Prozent im Vergleich zum Oktober 2010 - bei ebenfalls in etwa gleich bleibender Verteilung auf die Städte und Kreise. Dennoch gibt es einen Wermutstropfen: "Aufgrund des Mangels an Bewerbern konnten zahlreiche Unternehmen nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen", berichtete Ferger. "Es bleibt also auch weiterhin eine zentrale Aufgabe, für die Duale Berufsausbildung zu werben, um junge Menschen auf die Chancen einer solchen Qualifizierung aufmerksam zu machen und um den Fachkräftebedarf der regionalen Wirtschaft zu decken." Auf der Agenda stünden ebenso die Integration von Migranten und Leistungsschwächeren wie die Erschließung zusätzlicher Potenziale etwa durch Teilzeit-Ausbildung oder duale Studiengänge.
Zurzeit hat die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln noch rund 150 Ausbildungsstellen in IHK-Berufen zu besetzen, insbesondere in der Gastronomie, im Einzelhandel, in klassischen Büroberufen sowie in der Informationstechnik. "Hier können noch Ausbildungsverträge für 2011 abgeschlossen werden", warb der IHK-Hauptgeschäftsführer, "wenn sich geeignete Bewerber finden."
Vom 1. Oktober 2010 bis 30. September 2011 haben die Handwerksunternehmen in der Region Köln-Bonn 5.987 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen, das ist ein Anstieg von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark hat sich im Kölner Stadtgebiet die Zahl der vom Handwerk abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse erhöht, von 2.274 im Ausbildungsjahr 2009/2010 auf 2.505 Lehrverträge in den vergangenen zwölf Monaten. „Das ist ein Plus von 10,2 Prozent“, teilte Dr. Stephan Harbich, Leiter der Abteilung Berufsbildung der Handwerkskammer, mit.
Die ausgesprochen gute konjunkturelle Entwicklung habe in den Sommermonaten in vielen Handwerkszweigen zu einer verstärkten Nachfrage nach Arbeitskräften geführt, „was auch den Lehrstellenmarkt beflügelt“. Mit ihrem Engagement für den Berufsnachwuchs beugen die Unternehmen dem mittel- und langfristig befürchteten Fachkräftemangel vor. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer gebe es weiterhin freie Ausbildungsplätze, so Harbich. Für viele Handwerkszweige wird sich das Problem, nicht genügend Berufsnachwuchs zu finden, in den nächsten Jahren noch verstärken. Denn mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die vom Handwerk unter Ausbildungsvertrag genommen werden, kommen von den Hauptschulen, doch bei dieser Schulform zeichnet sich der Rückgang der Schulabgängerzahlen besonders deutlich ab. Hingegen bleibt die Entwicklung bei den Abiturienten erheblich stabiler.
Auch im Hinblick auf den doppelten Abiturientenjahrgang 2013 verstärkt die Handwerkskammer daher ihre Bemühungen, mehr Abiturienten als bisher für eine Berufsausbildung zu interessieren. Die attraktiven Seiten einer Berufsausbildung, beispielsweise die Angebote für Auslandsaufenthalt und Zusatzqualifizierung sowie die Verkürzung der Ausbildungszeit von bis zu einem Jahr, sind vielen Abiturienten unbekannt. Das neue Internet-Portal der Handwerkskammer, www.abi-rheinland.de, will hier Abhilfe schaffen und die Informationen, die für den an einer Berufsausbildung interessierten Gymnasiasten wichtig sind, bündeln.
Die Entspannung am Lehrstellenmarkt könnte den Jugendlichen zugutekommen, die sich in den vergangenen Jahren bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz schwer taten. Um Jugendliche aus Zuwandererfamilien für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, intensiviert die Handwerkskammer die Zusammenarbeit mit ausländischen Vereinen und Organisationen, u.a. auch mit dem türkischen Generalkonsulat. Zum dritten Mal wird im nächsten Frühjahr die mehrsprachige Ausbildungsbörse in Köln-Mülheim stattfinden. „Dieses Modell, eine Ausbildungsbörse speziell für junge Menschen ausländischer Herkunft auszurichten, hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass die Handwerkskammer eine ähnliche Veranstaltung auch für Bonn und Leverkusen plant“, gab Harbich bekannt.
Georg Fröhlingsdorf hat eine klare Strategie, wenn er Auszubildende einstellt: Der Tischlermeister, dessen Betrieb NIK.Freund GmbH auf Fenster, Türen, Einzelmöbel und Reparaturen spezialisiert ist, nimmt viele Praktikantinnen und Praktikanten auf. Für Fröhlingsdorf ist das Praktikum die beste Entscheidungsgrundlage für beide Seiten – den Jugendlichen wie den Betrieb. „Man muss wissen, ob man den Beruf wirklich lernen will. Wenn dem Freund die Arbeit Spaß macht, heißt das noch lange nicht, dass einem selbst der Beruf genauso gut gefällt.“
Wer Fröhlingsdorf und seinen drei Mitarbeitern positiv auffällt, wird zu einem zweiten Praktikum eingeladen. „Für mich zählt, ob ein Jugendlicher handwerklich geschickt ist und vor allem, welche Einstellung zur Arbeit er oder sie hat: Wie sieht es aus mit der Pünktlichkeit, mit der Umgangston? Fragt er oder sie nach und bemüht sich, auch durch Zuschauen zu lernen? Das Schulzeugnis lasse ich mich schlussendlich nur geben, weil das für den Ausbildungsvertrag nötig ist.“
Mit seinem Auszubildenden im zweiten Lehrjahr, Marko Matthias, ist der Chef sehr zufrieden. Auf Montage wie in der Werkstatt ist er tüchtig. Damit es in der Berufsschule ebenso gut klappt, nutzt Marko die kostenlosen „ausbildungsbegleitenden Hilfen“, ein Art Nachhilfe, die die Arbeitsagentur finanziert. Denn auch für Jugendliche, die wie Marko einen Realschulabschluss haben, ist der Berufsschulstoff recht anspruchsvoll.
Marko ist nicht der erste Auszubildende der NIK.Freund GmbH, der ausbildungsbegleitende Hilfen nutzt. „Einer von Markos Vorgängern war mit Pauken und Trompeten durch die Zwischenprüfung gefallen. Wir haben ihm klar gemacht, dass wir ihn weiter unterstützen, aber dass er sich richtig auf den Hosenboden setzen muss. Und er hat es geschafft!“ Dank dieser Unterstützung haben schon viele gute Praktiker ihre Gesellenprüfung geschafft: Die Erfolgsquote der „abH“-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer liegt seit Jahren deutlich über 90 Prozent.
Roswitha Stock appelliert an die Kölner Unternehmen: „In den kommenden Jahren werden immer weniger Jugendliche in Köln und erst recht im Umland die Schule verlassen. Deshalb müssen wir uns stärker den Jugendlichen zuwenden, die erst auf den zweiten oder dritten Blick überzeugen. Geben Sie ihnen eine Chance zu beweisen, was sie können und die Möglichkeit, ihr eigenes Potenzial weiterzuentwickeln. Mit den ausbildungsbegleitenden Hilfen leisten wir gern unseren Beitrag dazu.“
(Quelle: Argentur für Arbeit Köln, 07.11.2011)


