Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt 2010/2011
Agenturbezirk Herford. 2011 zeigt der Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Herford einen deutlichen Anstieg der betrieblichen Ausbildungsstellen um 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Rückläufige Schulentlass-Jahrgänge führen auch zu spürbar rückläufigen Bewerberzahlen. Bereits in diesem Jahr ist vor Ort ein Bewerberrückgang spürbar: Ende September waren 12,1 Prozent weniger Bewerber für einen Ausbildungsplatz bei der Agentur für Arbeit Herford gemeldet als vor einem Jahr.
Zum Ende des Ausbildungsjahres waren zwar noch 417 Bewerber unversorgt, doch die Nachvermittlungsaktion im Oktober hat für weitere Integrationen in den Ausbildungsmarkt gesorgt, sodass die Zahl in den vergangenen Wochen reduziert werden konnte.
- 4.708 gemeldete Bewerber (ein Minus von 651 gegenüber 2009/10)
- 417 Bewerber suchten Ende September noch eine Ausbildung/ Nachvermittlungsaktion im Oktober durchgeführt
- 3.175 betriebliche Ausbildungsstellen im Jahresverlauf gemeldet
- Unternehmen der Region investieren in Fachkräfte der Zukunft
Die konjunkturelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt spiegelt sich grundsätzlich auch auf dem Ausbildungsmarkt wider: „Gestiegenes Niveau bei den angebotenen betrieblichen Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr und zahlreiche in Ausbildung einmündende Bewerber, das ist zweifelsfrei die positive Bilanz des vergangenen Ausbildungsjahres. Dennoch sind in den nächsten Jahren von allen Beteiligten weitere Anstrengungen erforderlich, die immer noch vorhandene Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zu schließen. Das Problem wandelt sich aber immer mehr von einer quantitativen zu einer qualitativen Herausforderung“, so Klaus Meister, stellvertretender Leiter der Herforder Arbeitsagentur, bei einer Pressekonferenz zum Ausbildungsmarkt.
Gleichwohl wies Meister auf die absehbaren Herausforderungen für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Herford hin: „Unabhängig von der konjunkturellen Lage, ist der steigende Fachkräftebedarf ein Thema das an Bedeutung zunehmen wird. Die Aussichten, auch in Zukunft auf qualifizierte Menschen zurückgreifen zu können, hängen davon ab, wie die einzelnen Unternehmen vorausschauend ihre Personalpolitik gestalten“, so Meister. „Angesichts der rückläufigen Schulentlass-Jahrgänge empfehle ich den Unternehmen, auch Schulabgängern mit weniger überzeugenden Noten, jungen Menschen mit Zuwanderungshintergrund, sowie jungen Müttern verbesserte Einstiegschancen zu eröffnen.
IHK-Geschäftsführer Swen Binner stellt heraus: „Unsere IHK-Unternehmen bilden in diesem Jahr verstärkt aus. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird es allerdings immer schwieriger, den benötigten Berufsnachwuchs zu finden. Wir müssen in Zukunft unsere Betriebe noch stärker bei der Gewinnung geeigneter Bewerber unterstützen.“
Binner ergänzt: „Der Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren gedreht. Während wir bis zum Jahr 2009 vor der großen Herausforderung deutlich steigender Schulabgängerzahlen standen, wächst seitdem die Zahl der Ausbildungsstellen weiter deutlich. Gleichzeitig werden die Bewerberzahlen auch in den nächsten Jahren weiter sinken. Aktuell haben wir für den Kreis Herford 8,6 % (absolut 1.019 Verträge) mehr Ausbildungsverträge eingetragen als im letzten Jahr. Das Plus für den Kreis Minden-Lübbecke liegt bei 15,4 % (absolut 1.457 Verträge)“, so der IHK-Geschäftsführer. Er weist darauf hin, dass allein für die Nachvermittlungsphase, die die Kammern der Region gemeinsam mit den Agenturen für Arbeit im Oktober durchgeführt haben, für die Kreise Herford und Minden-Lübbecke 24 offene Ausbildungsstellen für 2011 akquiriert wurden. „Wir rechnen damit, dass im Agenturbezirk Herford allein im IHK-Bereich über 30 Ausbildungsstellen zum Jahresende nicht besetzt werden können“, so Binner.
Weitere Details der Ausbildungsmarktsituation der IHK für die Region Herford / Minden-Lübbecke finden Sie weiter unten im Text.
Für das Handwerk in der Region bewertet Geschäftsführer Elmar M. Barella die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt: „Dem Handwerk vor Ort ist bewusst, dass der Kampf um die besten Köpfe in vollem Gange ist. Nach der jüngst durchgeführten Konjunkturumfrage ist die wirtschaftliche Lage im OWL-Handwerk so gut wie schon seit vielen Jahren nicht mehr, so dass der Fachkräftebedarf im Handwerk deutlich gestiegen ist. Trotzdem konnten im Handwerk viele Ausbildungsstellen nicht besetz werden, was zu einem deutlichen Rückgang der neu abgeschlossenen Lehrverträge gegenüber dem Vorjahr geführt hat.
Dass das Interesse des Handwerks auszubilden hoch ist, zeigt das Ergebnis der vor kurzem durchgeführten Anschreibaktion an alle ausbildenden Betriebe in OWL, noch offene Lehrstellen zu benennen: So sind für das nun begonnene Ausbildungsjahr, wie auch für das kommende Ausbildungsjahr über 300 offene Lehrstellen gemeldet worden – zum überwiegenden Teil in 2012. An die Jugendlichen gerichtet: „Gerade im Handwerk bieten sich aufgrund wachsender Anteile älterer Menschen zahlreiche Chancen und damit ein gesichertes Einkommen“, so Barella.
„Dass die verbesserte Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben über den Arbeitgeber-Service (AGS) auch zu besseren Integrationsergebnissen geführt hat“, ist für Meister eine gute Vorbereitung auf die kommenden Herausforderungen: der doppelte Abitur-Jahrgang, das Aussetzen der Wehrpflicht sowie der entsprechende Rückgang im Zivildienst. „Gemeinsam mit den Partnern im Ausbildungskonsens wird die Herforder Arbeitsagentur durch gute Beratung und Vermittlung an einem weiter optimierten Marktausgleich arbeiten. Je früher wir die zu besetzenden Lehrstellen von den Betrieben gemeldet bekommen, desto eher können wir geeignete Bewerber anbieten, die sich sonst eventuell für weiterführende Schulen anmelden würde“, so Meister.
Dieser Marktausgleich basiert freilich auf den beiden Säulen des Lehrstellenangebotes und einer entsprechenden Bewerbernachfrage. Eindringlich appelliert Meister an alle Jugendlichen, sich bei entsprechender Lehrstellensuche auch unbedingt als Bewerber bei der Arbeitsagentur zu melden. „Wir haben die zu besetzenden Stellen. Wir wollen deshalb auch jedem Bewerber in Herford und Minden-Lübbecke diese Ausbildungsstellen anbieten können.
Gemeinsam appellierten die Vertreter der Arbeitsagentur und der Kammern, noch offene oder durch einen Ausbildungsabbruch wieder frei gewordene Ausbildungsplätze unter der Hotline 01801 - 66 44 66* sofort zu melden. Gleichzeitig informiert der Arbeitgeber-Service der Herforder Arbeitsagentur unter der benannten Telefonnummer über Fördermöglichkeiten. Jugendliche, die Unterstützung bei der Ausbildungssuche benötigen, melden sich unter 01801 – 555 111 bei der Berufsberatung an. (3,9 Cent/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunknetz max. 42 Cent/Min)
Detaillierte Daten der Ausbildungsmarktsituation der IHK für die Region Herford/Minden-Lübbecke:
Die größten Zuwächse verzeichnet die IHK für den Kreis Herford in den Bereichen Fachkräfte für Lagerlogistik (+ 62,5 %/absolut 26 Verträge), Papier/Druck (+ 26,1 %/absolut 29 Verträge), Elektrotechnik (+ 19,6 %/absolut 61 Verträge) und Metalltechnik (+ 19,5 %/absolut 135 Verträge), ein Minus bei den Informatikkaufleuten (- 66,7 %/absolut 3 Verträge) und in der Berufsgruppe Bau, Steine, Erden (- 42,1 %/absolut 11 Verträge). Im Kreis Minden-Lübbecke liegt das Plus in den Bereichen Chemie/Physik/Biologie (+ 31,6 %/absolut 50 Verträge), Fachinformatiker (+ 24,2 %/absolut 41 Verträge), Metalltechnik (+ 21,3 %/absolut 245 Verträge) und Kaufleute im Einzelhandel (+ 20,3 %/absolut 148 Verträge), während die Kammer in den Berufen Bankkaufleute (-13,1 %/absolut 53) und in der Branche Hotel/Gaststätten (- 7,2 %/absolut 77 Verträge) einen Rückgang sieht.
(Quelle: Arbeitsagentur Herford, 08.11.2011)


