Bundesweite Aktionswoche für Menschen mit Behinderungen: Potenziale nutzen!
10,3 Prozent der Bevölkerung in Gelsenkirchen sind Menschen mit Behinderungen. Die Beschäftigung von Schwerbehinderten hat in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Zweite Arbeitslose hat eine Berufsausbildung abgeschlossen. Der Bedarf an Fachkräften kann damit auch aus diesem Potenzial gedeckt werden.
Die Bundesagentur für Arbeit macht mit der bundesweiten Aktionswoche (ab 5. Dezember) auf die Arbeitsmarkt-Ressource der Menschen mit Behinderungen aufmerksam. „Menschen mit Behinderung haben im Vergleich zu nicht behinderten Menschen immer noch Nachteile, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dabei sind sie oft nicht weniger leistungsfähig.
Arbeitgeber sollten keine Hemmungen haben, diesen Personenkreis bei Stellenbesetzungen einzubeziehen“, meint Luidger Wolterhoff, Leiter der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen. „Es ist uns wichtig, das Bewusstsein der Arbeitgeber für die Beschäftigungspotenziale der Menschen mit Handicap zu schärfen. Gerade mit Blick auf die absehbaren Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und die ersten Engpässe in einigen Berufsfeldern sollten sich die Unternehmen auch diesem Personenkreis noch weiter öffnen. Es ist zudem volkswirtschaftlich auf Dauer nicht vertretbar, wenn dieses Potenzial ungenutzt bliebe“. Deshalb haben das Jobcenter IAG und die Agentur für Arbeit in dieser Woche rund 600 Gelsenkirchener Arbeitgeber angeschrieben.
Für Wolterhoff sind Menschen mit Behinderungen „normaler Teil der Vielfalt unserer Gesellschaft. Es muss bewusst sein, dass diese Menschen nicht immer den Leistungsstandards in der geforderten Form entsprechen. Wir alle sind gefordert, Strukturen zu schaffen, in denen sich Menschen mit ihren Besonderheiten einbringen und auf die ihnen eigene Art eine wertvolle Leistung erbringen können.“
Bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern gibt es Spezialisten, die sich um die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen und Rehabilitanden kümmern. Beratung, Qualifizierung, finanzielle Förderung ist ein wichtiger Teil der Aufgabe. „Viele Vorurteile lassen sich ausräumen“, so Wolterhoff. „Menschen mit Behinderungen sind in der Regel hochmotiviert und es gibt viele Möglichkeiten, die Einarbeitung zu unterstützen. Das geht von finanziellen Zuschüssen bis hin zu Umbauten am Arbeitsplatz, die mit Hilfe unserer technischen Berater konzipiert werden, und aus den Mitteln des Ausgleichsfonds finanziert werden.“
Daten:
Fast jeder Zweite mit Berufsausbildung
Über 400 Frauen und Männer oder fast jeder zweite Arbeitslose mit Behinderung hat eine betriebliche oder schulische Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen. 15 oder 1,5 Prozent der haben sogar eine akademische Ausbildung.
Mehr Schwerbehinderte sozialversicherungspflichtig beschäftigt
Von Oktober 2007 bis Oktober 2009 stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäfti-gung bei den Menschen mit Behinderungen um 437 oder um 20 Prozent auf 2.622 an (1).
Arbeitslosigkeit älterer Menschen mit Behinderungen nimmt zu
In Gelsenkirchen waren Ende Oktober 2011 1.005 Menschen mit Behinderungen arbeitslos, 109 oder 9,8 Prozent weniger als im Oktober 2007. Im gleichen Zeitraum reduzierte sich der Gesamtbestand an Arbeitslosen um 15,8 Prozent. Offensichtlich profitieren Menschen mit Behinderungen noch nicht adäquat von der Aufnahmefähig-keit der Wirtschaft.
Gut 3 Prozent (33) der arbeitslosen Menschen mit Behinderungen waren jünger als 25 Jahre, der größte Teil – 634 oder 63,1 Prozent – waren zwischen 25 und unter 55 Jahre alt, 338 oder 33,6 Prozent waren 55 Jahre bis unter 65 Jahre. Während die Arbeitslosigkeit bei Schwerbehinderten in der Altersgruppe zwischen 25 und unter 55 gegenüber Oktober 2007 um 21,4 Prozent sank, ergab sich bei den arbeitslosen Schwerbehinderten über 55 Jahre ein Anstieg um 19,0 Prozent.
Seit Oktober 2007 hat sich die Arbeitslosigkeit bei Älteren insgesamt und ebenso bei älteren Menschen mit Behinderungen erhöht. Dieser Anstieg spiegelt aber weniger Arbeitsmarkentwicklungen sondern überwiegend statistische Effekte wider. Bis Ende 2007 konnten Menschen über 58 Jahre unter erleichterten Bedingungen Leistungen beziehen und galten nicht als arbeitslos. Seit dem Auslaufen der vorruhestandsähnli-chen Regelung steigt die Arbeitslosigkeit in diesen Altersgruppen.
(1) Die Daten resultieren aus der Meldung der Arbeitgeber im Zusammenhang mit den besetzten Pflichtplätzen 2009. Aktuellere Daten liegen nicht vor.
(Quelle: Arbeitsagentur Gelsenkirchen, 07.12.2011)


