Task Force für Arbeit stellt „Zukunftsplan 2020“ vor
„Auf dem Arbeitsmarkt hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen: Galt bisher die Regel ‚Arbeitskraft sucht Job‘, so könnte es zukünftig heißen‚ ‚Job sucht (qualifizierte) Arbeitskraft‘. Die Arbeitslosigkeit sinkt seit Monaten, und in einigen Branchen ist schon jetzt eine Arbeitskräfteknappheit in Sicht“, so Peter Jäger, Chef der Agentur für Arbeit Düsseldorf.
Die demografische Entwicklung wird auch in Düsseldorf und im Kreis Mettmann zu einer Arbeitskräftelücke führen. Bis 2020 werden 25 Prozent der Beschäftigten altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Damit sinkt das Angebot an qualifizierten Kräften. Wenn nicht aktiv gegengesteuert wird, fehlt es in Zukunft deutlich an jenen Fachkräften, die ein Motor für Wachstum und Wohlstand sind.
„Die Versorgung der Unternehmen mit den benötigten Fachkräften betrifft uns alle. Sie erfordert eine Kraftanstrengung aller Arbeits- und Ausbildungsmarktakteure. Wir müssen die Schätze heben, die wir haben und dürfen keine Potenziale liegen lassen!“ fordert Jäger. „Gemeinsam mit den Partnern der ‚Task Force für Arbeit‘ haben wir deshalb den ‚Zukunftsplan 2020 - Fachkräfte für Düsseldorf/Mettmann‘ erarbeitet, der Strategien und Lösungsansätze unserer Gemeinschaftsaufgabe aufzeigt. Wir vernetzen uns noch stärker, bündeln unsere Aktivitäten und Angebote und entwickeln neue Wege für die Personalgewinnung. Mit den jeweiligen Kompetenzen der einzelnen Institutionen leisten wir in der Zusammenarbeit einen wesentlichen Beitrag zur Standortsicherung unserer Region“, so Jäger.
Das Fachkräfteangebot lässt sich nur durch einen Mix verschiedener Hebel steigern. Im „Zukunftsplan 2020 – Fachkräfte für Düsseldorf/Mettmann“ sehen die Partner der Task Force vier richtungsweisende Handlungsfelder: Gewinnung und Sicherung von Nachwuchskräften, Erwerbstätigkeit von Frauen stärken/Arbeitszeit bei Teilzeitbeschäftigten ausbauen, Beschäftigungssicherung älterer Arbeitnehmer und Integration von Arbeitnehmern mit Migrationshintergrund.
Die Unternehmen sollten vor allem darauf setzen, die heimischen Potenziale stärker auszuschöpfen. So könnte die Erwerbstätigkeit der Frauen deutlich gesteigert werden. Die Task Force sieht hier einen der entscheidenden Hebel. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie muss weiter gefördert werden, da viele Frauen – mit meist einer guten Ausbildung – wegen der Kinder nicht arbeiten oder nur in Teilzeit beschäftigt sind. Gemessen an ihren Arbeitszeitwünschen würden fast die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen und zwei Drittel der Mini-Jobberinnen die vereinbarte Arbeitszeit gerne deutlich ausbauen. „Die Bereitstellung bzw. das Organisieren von Betreuungsplätzen für Kinder in Tageseinrichtungen und in der Tagespflege sind in diesem Feld eine Grundvoraussetzung für die Eltern, die die Kommunen beisteuern können“, merkt Burkhard Hintzsche, Beigeordneter der Landeshauptstadt Düsseldorf, an.
Die „Generation Gold“, die Arbeitnehmer ab 50, wird gelobt für ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Verlässlichkeit. Die Task Force sieht auch hier ein noch stärker zu nutzendes Potenzial. Die Unternehmen werden die innerbetrieblichen Arbeitsbedingungen zunehmend den veränderten Bedürfnissen und Erfordernissen Älterer anpassen müssen. Dazu gehören altersgerechte Arbeitsplätze, eine gezielte Weiterqualifizierung und ein aktives Gesundheitsmanagement.
„Es muss uns auch gelingen, mit den Angeboten der Partner der Task Force noch stärker den Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss zu verringern und Ausbildungsabbrüche zu reduzieren. Schulische und berufliche Qualifikation sind ein wichtiger Schlüssel zum Arbeitsmarkt“, so Jäger. „Gerade vor diesem Hintergrund sind die Themen Berufsorientierung und Berufswegeentscheidung als unverzichtbarer Bestandteil des Unterrichts in allen Schulformen, insbesondere in den Haupt-, Real- und Gesamtschulen, weiter zu etablieren“, ergänzt Burkhard Hintzsche.
Eine wesentliche Voraussetzung zur erfolgreichen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in das Arbeitsleben ist die Kompetenz der deutschen Sprache. Aber auch die Förderung der beruflichen Qualifikation und die Anerkennung ausländischer Abschlüsse stehen auf der Agenda des Zukunftsplans.
„Die Task Force für Arbeit hat mit zahlreichen Bildungsinitiativen wie den ‚Lernpartnerschaften von Betrieben/Wirtschaftsverbänden und Schulen‘ und der Aktion ‚Pro Düsseldorfer Hauptschulen‘ neue Wege beschritten und den Bildungsstandort Düsseldorf/Kreis Mettmann dadurch nachhaltig gestärkt. Die Handwerkskammer Düsseldorf geht bei der familienfreundlichen Ausgestaltung von Arbeit mit gutem Beispiel voran und hat für Mitarbeiterinnen freie KiTa-Plätze in der Nachbarschaft ‚gemietet‘, die gerne während der Elternzeit für eine bestimmte Wochenstundenzahl wieder arbeiten möchten. Der weitere Ausbau der Erwerbstätigkeit von Frauen und die Etablierung von Teilzeitmodellen muss ein wesentlicher Bestandteil der Fachkräftesicherung der Region Düsseldorf/Kreis Mettmann werden“, so Dr. Thomas Köster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf.
„Die Task Force für Arbeit hat in den Krisenjahren 2009 und 2010 wesentlich dazu beigetragen, die Folgen der Wirtschaftskrise in Düsseldorf und im Kreis Mettmann spürbar zu mildern“, stellt Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf (IHK), fest. „Für uns als IHK bleibt es Daueraufgabe sowohl bei den Jugendlichen als auch bei den Betrieben das Interesse an einer dualen Berufsausbildung zu erhalten, denn sie ist der Garant für praxiserprobte Fachkräfte. Im neuen Jahr wird die Anerkennung ausländischer Abschlüsse von Menschen mit Migrationshintergrund ein Schwerpunkt der IHK-Organisation sein“, so Siepmann.
Rechtsanwalt Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Arbeitgeberverbände e.V.: „In Düsseldorf findet der Kampf um die Köpfe schon statt. Deshalb begrüßen die Düsseldorfer Arbeitgeberverbände den offensiven und strategischen ‚Zukunftsplan 2020‘. Düsseldorf wird auch hier wieder eine Vorreiterrolle übernehmen. Wir können es uns nicht leisten, Potenziale brach liegen zu lassen. Schon heute bremst der Fachkräftemangel das Wachstum unserer Unternehmen in Düsseldorf und Umgebung. Verstärken müssen wir die berufsorientierende Arbeit in unseren Schulen. Wir brauchen zudem mehr Hochschulabsolventen. Schon heute fehlen akademische Nachwuchskräfte – insbesondere Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler. Zur Fachkräftesicherung durch intensive Qualifizierung gehört auch das lebenslange Lernen. Die Hochschulen sind gefordert, in enger Kooperation mit der Wirtschaft neue innovative Angebote zu schaffen“.
Rainer Pennekamp, Arbeitsdirektor der Stadtwerke Düsseldorf: „Zurzeit haben wir keinen Fachkräftemangel bei den Stadtwerken Düsseldorf, aber die sukzessive Alterung der Belegschaft, gestiegene Qualifikationsanforderungen und der ‚Kampf‘ um Nachwuchskräfte in technischen Bereichen wird sich zukünftig auch bei uns bemerkbar machen. In unserem Unternehmen stehen deshalb Themen wie Mitarbeitergewinnung, Schul- und Hochschulkooperationen oder Mitarbeiterbindung im Fokus, um den Herausforderungen der demografischen Entwicklung erfolgreich begegnen zu können. So setzen wir beispielsweise auf familienfreundliche Personalpolitik, flexible Arbeitszeitregelungen, individuelle Teilzeitregelungen oder auch Beratungs- und Vermittlungsangebote bei familiären Herausforderungen und Problemen.“
(Quelle: Agentur für Arbeit Düsseldorf, 30.11.2011)


