„Unsere Schüler können mehr, als manche vermuten“
Wie geistig behinderte Schüler auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können, zeigt das Beispiel der Max-Wittmann-Förderschule und der Reha-Berufsberatung der Agentur für Arbeit Dortmund. Marcel Chrismann gehört zu den ersten Abgängern, die in einem „richtigen“ Job unterkommen.
Jubelmeldungen gehören an Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung nicht zum Tagesgeschäft. An der Max-Wittmann-Schule in Dortmund Eving schon. „Wir konnten so viele Schüler wie noch nie in den Beruf entlassen!“, freut sich Rektor Frank Schmidt-Kamann. Wo früher ein Großteil der Schüler nach dem Abschluss in eine Werkstatt für behinderte Menschen ging, gibt es heute eine Alternative. Über Praktika und intensive Berufsorientierung werden immer mehr Schüler für den Arbeitsmarkt fit gemacht. Um dies möglich zu machen, arbeiten Schule, Berufsberatung, Arbeitgeber und ein Bildungsträger Hand in Hand. „So können wir denjenigen, die praktisch begabt sind, dabei helfen, ein Standbein im echten Berufsleben zu finden“, betont Annegret Neumann von der Arbeitsagentur Dortmund, die als Reha-Berufsberaterin die Schule betreut. Gemeinsam mit der Schule entwickelte sie das Modell, das Schüler mit kognitiven Defiziten eine größere Chance auf dem Arbeitsmarkt eröffnen soll. Ganz im Sinne der geforderten Inklusion, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in allen Lebensbereichen leben sollen.
Bestandteil sind zusätzliche Beratungen mit Lehrern, Eltern und den Jugendlichen, die Unterstützung durch eine Schulsozialarbeiterin und die Suche nach Praktikumsbetrieben. Ziel ist, über ein Praktikum und eventuell ein sich anschließendes Langzeitpraktikum später übernommen zu werden. Die ersten Ergebnisse machen Mut: Von 40 Schulabgängern in diesem Sommer haben immerhin sieben eine Alternative zur Beschäftigung in einer Werkstatt gefunden.
Ein Beispiel dafür ist der 19-jährige Marcel Chrismann, der in diesem Jahr die Max-Wittmann-Schule verlassen hat. Seitdem ist er in seinem ehemaligen Praktikumsbetrieb, der Aral-Tankstelle von André Berg, beschäftigt. Dort pflegt er die Außenanlagen und hilft in der Kfz-Meister-Werkstatt bei kleineren Arbeiten mit. Unterstützt wird er durch ein von der Arbeitsagentur finanziertes Projekt, das sich „unterstützte Beschäftigung“ nennt und Menschen mit Behinderung die Möglichkeit eröffnet soll, ihren Lebensunterhalt außerhalb von Werkstätten für behinderte Menschen erarbeiten zu können.
Marcel wird unterstützt von Anika Lückermann von den Grone-Bildungszentren. Die Qualifizierungstrainerin steht in regelmäßigem Kontakt zu dem jungen Mann und hat für ihn zum Beispiel Checklisten erstellt, die ihm helfen, seine Arbeiten Stück für Stück zu erledigen. Das schafft Marcel sehr gut, wie sein Chef bestätigt. Zwei weitere Schulabgänger des letzten Jahres sind ebenfalls in einer unterstützten Beschäftigung, ein anderer Junge fand sofort eine Stelle und drei nehmen an einer Berufsvorbereitung teil. Aktuell läuft an der Schule der Durchgang mit dem nächsten Entlassjahrgang.
„Hier funktioniert die Zusammenarbeit wirklich Hand in Hand“, betont Annegret Neumann. Und auch der Rektor der Max-Wittmann-Schule sieht sich in seiner Überzeugung bestätigt: „Unsere Schüler können mehr, als manche vorher vermutet haben.“
Woche der Menschen mit Behinderung
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) startet am 5. Dezember eine bundesweite Aktionswoche für Menschen mit Behinderung. Die BA möchte darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Behinderung einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag auch auf dem Arbeitsmarkt leisten können. Im Agenturbezirk Dortmund werden in dieser Woche knapp 40 Mitarbeiter aus dem Arbeitgeber-Service gemeinsam mit den Reha-Experten des Hauses rund 200 Unternehmen besuchen und Möglichkeiten zur Unterstützung vorstellen.
(Quelle: Agentur für Arbeit Dortmund, 05.12.2011)


