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Menschen mit Behinderung? - Menschen mit Potenzial!

Wer hätte gedacht, dass das kleine Mädchen, Jahrgang 1990, das im Alter von sieben Jahren von Mecklenburg-Vorpommern nach Horn-Bad Meinberg zog, und die dortige Förderschule besuchte, heute als fachlich versierte und dienstleistungsorientierte Restaurantfachfrau arbeitet?! – Sie lächelt freundlich, während sie den frisch aufgeschäumten Milchkaffee serviert und wünscht „einen angenehmen Aufenthalt im Ringhotel Waldhotel Bärenstein“.

Christin Kirsche erzählt ihren schulischen und beruflichen Werdegang, „um anderen jungen Menschen in einer ähnlichen Situation Mut zu machen“, sagt sie. „Wenn du nichts machst, kannst du nichts werden“, so ihr Credo. Menschen mit (Lern-)Behinderung sind im Arbeitsleben Menschen mit Potenzial“, betont Heinz Thiele, Leiter der Detmolder Arbeitsagentur. „Deshalb ist es auch so wichtig, das entsprechende Bewusstsein hierfür zu fördern. Die bundesweite Woche der Menschen mit Behinderung ist dafür ein Forum. Und ich bedanke mich herzlich bei Frau Kirsche, dass Sie uns ihre ganz persönliche Geschichte erzählt.“

Und die geht so: In der zehnten Klasse der Förderschule, der sogenannten BuS-Klasse der Turmschule, sprich Beruf und Schule, ging Christin Kirsche drei Tage die Woche in die Schule, zwei Tage waren für ein Praktikum vorgesehen. Eher zufällig fand sie ihren Praktikumsplatz im Hotel Bärenstein, das mit 76 Betten als Familienunternehmen geführt wird. „Wie es eben so ist, man kennt jemanden, der jemanden kennt“, erinnert sich die junge Frau. „Zunächst war ich nur mäßig begeistert, weil ich doch Floristin werden wollte!“ Doch dann kam alles ganz anders: „Ich habe im Service mitgeholfen, alle Kolleginnen und Kollegen waren von Anfang an ganz, ganz nett zu mir, haben mir alles gezeigt und mich jederzeit unterstützt. Bald war für mich klar, hier bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz.“

Arbeitgeber Dieter Mesch, Geschäftsführer vom Ringhotel Waldhotel Bärenstein und Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Lippe, betont: „Menschlich war die Entscheidung sehr schnell klar, denn Frau Kirsche passte gleich in die Mannschaft“. Fachlich waren die Voraussetzungen schwierig, doch auch hier fanden alle Beteiligten eine erfolgreiche Lösung, denn Frau Kirsche hatte seit der Schulzeit Kontakt zur Detmolder Arbeitsagentur.

Hier wusste man, wie man Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) in der Trägerschaft der Bundesagentur für Arbeit bereitstellen konnte und unterstützte sowohl die angehende Auszubildende, als auch den ausbildenden Betrieb. Rehabilitations-Spezialist Johann Sticka von der Detmolder Arbeitsagentur erläutert: „Während Frau Kirsche im ersten und teilweise im zweiten Lehrjahr ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) in Anspruch nahm, erhielt das Hotel Bärenstein einen Ausbildungszuschuss für behinderte Menschen, der den Mehraufwand des Arbeitgebers bei der Ausbildung ausgleichen soll“.

„Das war eine riesengroße Hilfe“, erinnert sich Christin Kirsche, „dennoch hatte ich gerade am Anfang der Ausbildung Schwierigkeiten, vor allem an der Berufsschule, der Felix-Fechenbach. Ich weiß noch wie heute, wie verunsichert ich war, dass alle anderen Mitschüler fünf und mehr Champagnermarken kannten. Mir fiel gerade einmal eine Sorte ein.“ Schnee von gestern, ist man geneigt zu sagen. Denn bereits ein halbes Jahr vor Ausbildungsende signalisierte Mesch eine Übernahme in eine unbefristete Festanstellung. Die mittlerweile ausgelernte Restaurantfachfrau lächelt zum Abschied des Besuches von der Detmolder Arbeitsagentur: „Wir hoffen, Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt bei uns im Hotel Bärenstein.“ Den hatten wir!

(Quelle: Agentur für Arbeit Detmold, 29.11.2011)

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