Der Arbeitsmarkt im Dezember 2011
Die jahreszeitlichen Beeinträchtigungen verhindern den weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Arbeitslosen steigt um 554 auf 22.791 (plus 2,5 Prozent) und die Arbeitslosenquote liegt jetzt bei 6,5 Prozent – im Vorjahr waren es noch 7,1 Prozent. Beim Kräftebedarf kann man von einer saisonbedingten Rückläufigkeit sprechen. Die Arbeitslosenquote in Bielefeld liegt bei 9,2 Prozent, in Gütersloh bei 4,3 Prozent.
Entwicklung der Arbeitslosenzahlen
Der Abbau der Arbeitslosigkeit ist nach einem kontinuierlichen Rückgang über drei Monate (Herbstbelebung) im Bezirk der Agentur für Arbeit Bielefeld zunächst erst einmal gestoppt. Saisonale Einflüsse verhinderten eine weitere Abnahme. Zum Jahresende 2011 waren
22.791 Männer und Frauen in der Stadt Bielefeld und im Kreis Gütersloh ohne Arbeit. Das sind 554 mehr als im November (plus 2,5 %). Der Vorjahreswert wird allerdings deutlich unterschritten (minus 2.020 oder 8,1 %), bei zuletzt leicht fallender Tendenz (siehe nachstehende Graphik).
Gewinner am Arbeitsmarkt sind weiterhin die jungen, gut ausgebildeten und flexiblen Arbeitslosen. Die Jugendarbeitslosigkeit steigt zwar auch gegenüber dem Vormonat leicht an (plus 1,8 %), sinkt aber um 8,9 Prozent unter den Wert des Vorjahres. Dagegen profitieren die älteren Arbeitslosen weniger vom wirtschaftlichen Aufschwung. Die Zahl der Arbeitslosen, die 50 Jahre und älter sind, liegt „nur“ um 4 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Die Arbeitslosenquote im gesamten Arbeitsagenturbezirk steigt zum Jahresende von 6,4 auf 6,5 Prozent. Ende 2010 lag die Quote noch bei 7,1 Prozent.
„Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember kennzeichnet eine saisonübliche Entwicklung und ist somit nicht überraschend. Angesichts der sehr milden Witterungsverhältnisse fällt die Zunahme der Arbeitslosigkeit eher etwas stärker aus als erwartet“, so Thomas Richter, Chef der Bielefelder Arbeitsagentur, zu den neuen Daten vom Arbeitsmarkt. Im Vorjahr war die Arbeitslosigkeit im Dezember um 164 oder 0,7 Prozent angestiegen. In 2009 (+ 570) und 2008 (+ 597) fiel der Anstieg ähnlich der aktuellen Entwicklung (+ 554) aus.
„Trotz der Zunahme der Arbeitslosigkeit und einer etwas ruhigeren Kräftenachfrage sprechen die aktuellen Wirtschaftskennziffern für eine Fortsetzung der – allerdings abgeschwächten - konjunkturellen Impulse. Die daraus resultierende Entlastung reicht momentan nicht aus, die saisonalen Beeinträchtigungen auf den Arbeitsmarkt auszugleichen. Im Frühjahr wird sich der Abbau der Arbeitslosigkeit wieder fortsetzen“, ist Richter optimistisch. „Diese Einschätzung schließt nicht aus, dass die Arbeitslosenzahlen im Januar und Februar zunächst deutlich höher ausfallen“, ergänzt der Agenturchef.
Personengruppen
Im Dezember 2011 ging die Arbeitslosigkeit bei den Jüngeren unter 25 Jahren nicht weiter zurück. Sie nahm gegenüber dem Vormonat um 39 auf 2.249 zu (plus 1,8%), liegt aber um 220 Personen unter dem Vorjahresniveau (minus 8,9 %). Die Arbeitslosenquote beträgt bei den unter 25-Jährigen 5,7 Prozent (Vorjahr: 6,2 %).
Bei den 50 Jahre und Älteren stieg die Arbeitslosigkeit gegenüber November um 96 auf 6.159 Personen (plus 1,6 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Arbeitslosigkeit um 259 zurück (minus 4,0 %). Der Anteil der Älteren an der gesamten Arbeitslosigkeit beträgt 27,0 Prozent. Die altersspezifische Arbeitslosenquote liegt bei 6,7 Prozent (Vorjahr 7,3%).
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen blieb auf Vormonatsniveau. Im Dezember waren 8.115 Menschen länger als 1 Jahr ohne Arbeit (minus 16 gegenüber November). Innerhalb des letzten Jahres nahm die Arbeitslosigkeit in dieser Personengruppe allerdings um 504 ab (minus 5,8 %). Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der gesamten Arbeitslosigkeit liegt bei 35,6 Prozent.
Die Zahl der von Arbeitslosigkeit betroffenen ausländischen Arbeitnehmer nahm um 161 auf 5.729 Personen zu (plus 2,9 Prozent). Im Vergleich zum Dezember 2010 ergibt sich eine Abnahme von 331 (minus 5,5 Prozent). Der Anteil der ausländischen Arbeitnehmer an der gesamten Arbeitslosigkeit beträgt 25,1 Prozent. Die spezifische Arbeitslosenquote liegt bei 17,5 Prozent (Vorjahr: 18,6 %).
Entwicklung der Arbeitslosigkeit getrennt nach Rechtskreisen
Von den 22.791 Arbeitslosen des Agenturbezirks Bielefeld wurden im Dezember 6.378 durch die Agentur für Arbeit (Sozialgesetzbuches III) betreut. Die Arbeitslosenzahl stieg hier in den vergangenen Wochen um 118 oder 1,9 Prozent. Im Bereich der Grundsicherung (SGB II) erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um 436 oder 2,7 Prozent auf 16.413.
Im Vergleich zu Dezember 2010 nahm die Arbeitslosigkeit im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur um 889 ab (minus 12,2 %). Im Zuständigkeitsbereich der Jobcenter Bielefeld und Gütersloh wird der Vorjahreswert um 1.131 oder 6,4 Prozent unterschritten.
72,0 Prozent der Arbeitslosen entfallen auf den Bereich der Grundsicherung (Vorjahr 70,7 %).
Zugang an offenen Stellen
Die Nachfrage der Wirtschaft nach Arbeitskräften nahm im Dezember saisonbedingt spürbar ab. Betriebe und Verwaltungen meldeten zuletzt 1.433 Stellen zur Besetzung, 393 weniger als im November (minus 21,5 %). Im Vergleich zum Vorjahr wurden 223 Arbeitsstellen weniger zur Vermittlung gemeldet (minus 13,5 %). Insgesamt wurden im Jahr 2011 20.390 Stellen gemeldet, 1.938 mehr als 2010 (plus 9,5 %).
Zurzeit sind bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern in Bielefeld und Gütersloh 3.778 unbesetzte Stellen registriert, 20 oder 0,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Schwerpunkte der Kräftenachfrage liegen bei den Fertigungsberufen (1.426 Stellen – davon allein 983 in den Metall- und Elektroberufen), bei den Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen (371 Stellen), den Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsdienstberufen (326 Stellen) sowie den Waren- und Dienstleistungskaufleuten (323 Stellen).
Stadt Bielefeld
In der Stadt Bielefeld stieg die Zahl der Arbeitslosen saisonbedingt gegenüber November um 387 auf 14.828 (plus 2,7 %).
Davon entfallen auf die Agentur für Arbeit 3.166 (plus 125 oder 4,1 %) und auf das Jobcenter Bielefeld 11.662 (plus 262 oder 2,3 %).
Im Vergleich zum Dezember 2010 nahm die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt um 988 ab (minus 6,2 %); im Versicherungsbereich um 567 (minus 15,2 %), im Bereich der Grundsicherung um 421 (minus 3,5 %).
Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,2 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte). Im Vorjahr betrug die Quote 9,8 Prozent.
Kreis Gütersloh
Im Kreis Gütersloh nahm die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat im Zuge saisonaler Belastungen um 167 oder 2,1 Prozent auf 7.963 zu.
Davon entfallen auf die Agentur für Arbeit 3.212 (minus 7 oder 0,2 %) und auf das Jobcenter Kreis Gütersloh 4.751 (plus 174 oder 3,8%).
Im Vergleich zum Dezember 2010 nahm die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Gütersloh um 1.032 ab (minus 11,5 %); im Versicherungsbereich um 322 (minus 9,1 %), im Bereich der Grundsicherung um 710 (minus 13,0 %).
Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent. Im Dezember 2010 betrug die Quote 4,8 Prozent.
Entwicklung des Arbeitsmarktes in Ostwestfalen-Lippe
Bei den Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe waren im Dezember 2011 insgesamt 65.292 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.303 oder 2,0 Prozent mehr als im November. Im Vergleich zum Vorjahresmonat nahm die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe um 6.724 oder 9,3 Prozent ab.
Die Arbeitslosenquote in OWL stieg gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent an. Im Dezember 2010 waren es noch 6,9 Prozent.
In allen vier OWL-Arbeitsagenturen nahm die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat zu. Den stärksten Anstieg weist Detmold mit 3,5 Prozent auf, gefolgt von Bielefeld mit 2,5 Prozent, Herford mit 1,2 und Paderborn mit 1,0 Prozent.
Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Arbeitslosigkeit in allen vier OWL-Arbeitsagenturen zurück. Herford verzeichnete einen Rückgang um 11,3 Prozent, Paderborn um 9,4 Prozent. In Detmold sank die Arbeitslosigkeit um 8,7 Prozent, in Bielefeld um 8,1 Prozent innerhalb eines Jahres.
Die günstigste Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen weist im Dezember der Herforder Agenturbezirk mit 5,7 Prozent auf. Es folgen Paderborn mit 5,9 Prozent, Bielefeld mit 6,5 Prozent und Detmold mit 7,1 Prozent.
Den Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe wurden im Dezember insgesamt 4.389 Stellen neu gemeldet (Vorjahr 4.599). Bei insgesamt 10.005 offenen Stellen laufen die Vermittlungstätigkeiten der Arbeitsagentur bereits (Vorjahr 9.147). Diese Stellen gelten derzeit als unbesetzt.
Hinweis zur statistischen Erfassung der Unterbeschäftigung
Um die notwendige Transparenz auf dem Arbeitsmarkt zu gewährleisten, legt die Bundesagentur für Arbeit Auswertungen vor, die eine von statistischen Effekten unbeeinträchtigte Beobachtung des Arbeitsmarktes ermöglichen. Insbesondere werden Angaben zur Unterbeschäftigung in verschiedenen Abgrenzungen in die Arbeitsmarktberichterstattung aufgenommen, die die Entlastung der Arbeitslosigkeit durch den Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente berücksichtigen. Neben der Zahl der statistisch als arbeitslos zu zählenden Menschen werden Angaben zur Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) gemacht, die die Be- und Entlastung der Arbeitslosigkeit durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen deutlich machen.
Ausgehend von 22.791 registrierten Arbeitslosen addiert sich die gesamte Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) im Bezirk der Bielefelder Arbeitsagentur Dezember auf 31.146 Personen (November: 30.976 Personen). Während die Arbeitslosenzahl im Dezember um 554 oder 2,5 Prozent zunahm, stieg die Unterbeschäftigung um 170 oder 0,5 Prozent.
Im Vorjahresvergleich reduzierte sich die Arbeitslosigkeit um 2.020 oder 8,1 Prozent. Der Unterbeschäftigungswert ging um 4.057 oder 11,5 Prozent zurück.
Der Datenvergleich verdeutlicht, dass die unterschiedliche Betrachtungsweise, hier: Arbeitslose – da: Unterbeschäftigung, keinen gravierenden Einfluss auf die Veränderung der Daten hat und grundsätzlich keine andere Bewertung der Arbeitsmarktentwicklung erfordert.
(Quelle: Arbeitsagentur Bielefeld, 03.01.2012)


