Der Arbeitsmarkt im Jahr 2011
2011 war ein gutes Jahr für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Es gibt einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt (minus 11,4 %). 23.944 Arbeitnehmer waren in 2011 ohne Job, die Arbeitslosenquote lag bei 6,9 Prozent (Vj. 7,8%). Die Arbeitskräftenachfrage bewegt sich auch am Jahresende auf hohem Niveau und es gibt 9 Prozent weniger neue Arbeitslosmeldungen (59.900). 61.900 Personen konnten die Arbeitslosigkeit beenden (8 % weniger als 2010). Die Arbeitslosenquoten der einzelnen Bezirke sehen wie folgt aus: Die Stadt Bielefeld hat in 2011 eine Quote von 9,5 Prozent (Vorjahr 10,5 Prozent), der Kreis Gütersloh in 2011 eine Quote von 4,6 Prozent (Vorjahr 5,4 Prozent). Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt darin, die Wirtschaft bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen und heimische Potentiale stärker zu erschließen.
„Ein ausgesprochen gutes Jahr für den Arbeitsmarkt neigt sich dem Ende. Auch am aktuellen Rand hält sich die Arbeitsmarktentlastung deutlich besser als es die Sorge um Wirtschaft und Konjunktur im Zuge der Schulden- und Eurokrise hätten erwarten lassen“, so Thomas Richter, Chef der Bielefelder Arbeitsagentur, anlässlich der Jahresbilanz 2011 für den heimischen Arbeitsmarkt. Die Zahl der Arbeitslosen konnte im Jahresdurchschnitt um gut 3.000 Personen oder mehr als 11 Prozent auf rund 23.900 abgebaut werden.
Zu Beginn des Jahres 2011 setzte sich die konjunkturelle Erholung aus dem zweiten Halbjahr 2010 mit zunehmender Dynamik fort. Die Wachstumsprognosen für den weiteren Jahresverlauf und auch für das Jahr 2012 wurden stetig nach oben korrigiert. Fachkräftebedarf, Produktionseinschränkungen wegen fehlender Arbeitskräfte, fehlende junge Menschen für den Berufsnachwuchs, das waren die Arbeitsmarkthemen bis zur Jahresmitte 2011.
Dann allerdings bestimmten wieder Schulden- und Eurokrise die Schlagzeilen in den Wirtschaftnachrichten. Es wurden negative Auswirkungen der Finanz- auf Realwirtschaft befürchtet, und damit ein alsbaldiges Ende der positiven Entwicklung in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt. „Wie bei der Pressekonferenz zum Arbeitsmarkt 2010 im Januar 2011, wissen wir aber auch jetzt am Ende des Jahres 2011, dass alle negativen Vorhersagen bislang nicht bestätigt wurden, zumindest was die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt anbelangt. Noch sorgt eine gute Binnenkonjunktur für volle Auftragsbücher und überdeckt rückläufige Auftragseingänge aus dem Ausland“, so der Agenturchef.
Das arbeitsmarktpolitische Instrument der „Kurzarbeit“, mit dem 2009 und auch 2010 vielfach die Beschäftigung in Unternehmen gestützt wurde, die von der Rezession betroffen waren, ist inzwischen wieder auf „Normalmaß“ zurückgegangen (zzt.ca. 200 Betriebe u. 1000 Kurzarbeiter). So ist es auch verständlich, dass die Bundesregierung die Erleichterungen, die seinerzeit beim konjunkturellen Kurzarbeitergeld eingeführt wurden, zum Jahresende wieder zurückgenommen hat. „Unterm Strich“, so Richter, „hat der intensive Einsatz der Kurzarbeit maßgeblichen Anteil an den vergleichsweise geringen Beschäftigungseinbußen während der Krise und an der schnelle Belebung nach der Krise.“
Für 2012 geht der Agenturchef zunächst von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit aus, wenn auch die Dynamik am Arbeitsmarkt an Schwung verliert. „Unter den vielfältigen Risiken, ist es allerdings nahezu unmöglich hier eine Größenordnung zu benennen. Das auch am Jahresende 2012 die Zahl der Arbeitslosen unter dem heutigen Wert liegt, ist eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen“, so der Agenturchef in seinem Ausblick auf 2012. So prognostizieren gerade in diesen Tagen bereits einige Wirtschaftsforschungsinstitute der deutschen Wirtschaft nur eine leichte Konjunkturdelle, ohne dass die Wachstumsrate dabei ins Negative abzurutschen drohe.
„Auch der anhaltende Optimismus der heimischen Wirtschaft spiegelt sich weiterhin in einer hohen Kräftenachfrage“, ergänzt Richter. In 2011 meldeten die Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur erneut rund 22.450 freie Stellen, 10 Prozent mehr als 2010.„Unabhängig vom zukünftigen Wachstumstempo werden die Unternehmen überregional und hier vor Ort weiter Arbeitskräfte, schwerpunktmäßig Fachkräfte, suchen. Allein die Demographie (wir werden weniger und älter) wird den Druck auf der Nachfrageseite hoch halten. Die Unternehmen müssen stärker in die Personalrekrutierung investieren.
Die Aussagen, die zum Jahreswechsel 2010/2011 gemacht wurden, gelten auch für die kommenden Monate und Jahre: Verstärkt junge Leute ausbilden, Beschäftigte qualifizieren, neue Mitarbeiter, auch aus der „zweiten Reihe“, rekrutieren und eine familienfreundliche Personalpolitik betreiben. Das sind die Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Bei den Bemühungen den Personalbedarf auch in der Zukunft abzudecken, will die Bielefelder Arbeitsagentur kompetenter Dienstleister und Partner am Arbeitsmarkt sein“, verspricht Richter. Die Zahlen des Jahres 2011 im Detail:
Im Jahresdurchschnitt sind rd. 23.900 Menschen arbeitslos, gut 3.000 oder 11,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote reduziert sich damit auf 6,9 Prozent (Vorjahr 7,8 %).
Arbeitslosigkeit ist kein fester Block, vielmehr gibt es auf dem Arbeitsmarkt, sowohl in Zeiten der Wirtschaftskrise als auch im wirtschaftlichen Aufschwung, viel Bewegung. Die Dynamik des Marktes im Jahr 2011 belegen die hohen Zu- und Abgangszahlen der Arbeitsagentur. Von Januar bis Dezember 2011 meldeten sich nahezu 60.000 Männer und Frauen neu oder wieder arbeitslos, 5.600 oder 9 Prozent weniger als im Jahr 2010. Gleichzeitig konnten im Laufe des Jahres 2011 knapp 62.000 Arbeitslose ihre Arbeitslosigkeit beenden. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang um 5.600 oder 8 Prozent.
Von den 23.944 Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt waren 12.520 Männer (52,3 Prozent) und 11.424 Frauen (47,7 Prozent) betroffen. Die Arbeitslosigkeit nahm bei den Männern im Vergleich zu 2010 um 2.300 oder knapp 16 Prozent ab. Bei den Frauen ergab sich ein Rückgang um 750 oder 6 Prozent.
Im Jahresschnitt waren 2.460 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos, 780 oder 24 Prozent weniger als im Vorjahr. 6.340 arbeitslose Menschen hatten 2011 bereits das 50. Lebensjahr vollendet, rd. 60 (minus 1,0 Prozent) weniger als in 2010.
Auch die Zahl der langzeitarbeitslosen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer konnte gegenüber dem Vorjahr von 8.736 auf 8.230 reduziert werden (minus 6 %).
7.050 Männer und Frauen wurden von der Arbeitsagentur betreut, 1.480 (minus 17 Prozent) weniger als 2010. Damit waren im Jahresdurchschnitt rund 29 Prozent (Vorjahr 32 %) aller Arbeitslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung gemeldet. Die Jobcenter in Bielefeld und im Kreis Gütersloh betreuten 16. 900 arbeitslose Männer und Frauen, 1.600 (minus 9 %) weniger als ein Jahr zuvor.
Die Stellenneuzugänge im Bielefelder Agenturbezirk im Jahr 2011 spiegeln die gestiegene Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften. Betriebe und Verwaltungen meldeten in der Summe rd. 22.450 freie Stellen zur Besetzung. Das waren 2.000 oder 10 Prozent mehr als in 2010.
Die gute konjunkturelle Entwicklung und die Entlastung des Arbeitsmarktes im zu Ende gehenden Jahr spiegeln sich auch im Rückgang der Unterbeschäftigung wider. Im Jahresdurchschnitt 2011 lag die Unterbeschäftigung im Agenturbezirk bei rd. 33.300 Personen. Das sind 4.780 oder 12,5 Prozent weniger als 2010.
Die Anzeigen der Betriebe auf Einführung von Kurzarbeit gingen gegenüber dem Vorjahr ebenfalls zurück. Zeigten 2010 noch 652 Unternehmen an, dass sie mit 7.970 Arbeitnehmern Kurzarbeit planen, waren es im Jahr 2011 (Nov. 2010 bis Okt. 2011) nur noch 431 Betriebe, die zunächst mit 4.632 Kurzarbeitern rechneten. Tatsächlich realisierte Kurzarbeit, so die Erfahrung der Arbeitsagentur, findet dabei meist in geringerem Umfang statt. „Aktuelle“ statistische Daten zur realisierten Kurzarbeit gibt es für den Monat Mai 2011. Da arbeiteten 1.397 Arbeitnehmer in 217 Betriebe „verkürzt“. Im Mai 2010 waren es5.331 Arbeitnehmer in 550 Betrieben, im Mai 2009 (Höhepunkt der Kurzarbeit) 13.250 in 600 Betrieben. Regionaldaten im Jahr 2011
Stadt Bielefeld
In der Stadt Bielefeld nahm die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr im Jahresschnitt um 1.700 (minus 10 Prozent) auf 15.250 ab.
Davon entfallen auf die Agentur für Arbeit 3.507 (minus 711 oder 17 Prozent) und auf die Jobcenter 11.745 (minus 978 oder 7,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,5 %, Vorjahr 10,5 Prozent.
Kreis Gütersloh
Im Kreis Gütersloh nahm die Zahl der Arbeitslosen gegenüber 2010 um 1.400 (minus 14 Prozent) auf 8.690 ab. Davon entfallen auf die Agentur für Arbeit 3.540 (minus 772 oder 18 Prozent) und auf die Jobcenter 5.150 (minus 623 od. 11 %).
Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,6 Prozent, Vorjahr 5,4 Prozent.
(Quelle: Agentur für Arbeit Bielefeld, 22.12.2011)


