Der Ausbildungsmarkt im Oberbergischen Kreis
einem Plus von gut vier Prozent - das sind 353 neu eingetragene Ausbildungsverträge mehr als am 30. September 2010. Bei der IHK werden alle Ausbildungsberufe der Industrie, des Handels und der Dienstleistungsbranchen eingetragen und bis zur Abschlussprüfung betreut. Besonders groß war der Zuwachs im Oberbergischen Kreis: Dort wurden bis zum Stichtag 1175 neue Ausbildungsverträge eingetragen - ein Plus von fast zwölf Prozent oder 125 zusätzliche Verträge.
„Besonders im Bereich der gewerblich-technischen Berufe haben wir ein Plus von knapp 20 Prozent - das sind 70 zusätzliche Verträge“, berichtet Michael Sallmann, Leiter der IHK-Zweigstelle Oberberg: „Damit ist der Rückgang aus dem Krisenjahr 2009 mehr als ausgeglichen - der schöne Zuwachs zeigt, wie stark gerade die Industriebetriebe von der wirtschaftlichen Erholung profitieren haben und auch überzeugt sind, in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte für ihren weiteren Erfolg zu benötigen.“
Die Verteilung der Ausbildungsplätze auf die Regionen und die prozentuale Veränderungen sind dabei unterschiedlich: Neben Oberberg verzeichnete auch der Rheinisch-Bergische Kreis eine deutliche Steigerung von über sieben Prozent; in der Stadt Köln lag das Plus bei 4,2 Prozent und in der Stadt Leverkusen knapp einem Prozent. Nur im Rhein-Erft-Kreis wurden 32 Ausbildungsplätze weniger eingetragen als im vergangenen Jahr - ein Minus von 2,4 Prozent.
In der Handels- und Dienstleistungsmetropole Köln liegt der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in der Industrie bei 21,7 Prozent - im industriell geprägten Oberberg dagegen bei fast 37 Prozent. „Dazu kommen in Oberberg noch sehr viele kaufmännische Berufe, die in Industriebetrieben gelernt werden“, erklärt Sallmann. So ist der stärkste kaufmännische Ausbildungsberuf in Oberberg der Industriekaufmann/frau, während in der Stadt Köln die Kaufleute im Einzelhandel dominieren.
Insgesamt bewertet die IHK Köln das abgelaufenen Ausbildungsjahr 2011 als positiv. Im Zuge der Wirtschaftserholung hat gerade die Industrie deutlich zugelegt. Auch für 2012 rechnet die IHK Köln mit vergleichbaren Ausbildungszahlen. Allerdings wird die stark abnehmende Anzahl der Schulabgänger immer mehr zum limitierenden Faktor. Sallmann: „Schon in diesem Jahr sind eine steigende Anzahl von Ausbildungsplätzen mangels geeigneter Bewerber/innen nicht besetzt worden - dies wird im kommenden Ausbildungsjahr ähnlich. Es bleibt also weiterhin die Aufgabe, für die Duale Berufsausbildung zu werben, um junge Menschen auf die Chancen einer Karriere mit Lehre aufmerksam zu machen." Nur so könne der Fachkräftebedarf der Unternehmen gedeckt werden und auch in Zukunft Wachstum und Wohlstand erwirtschaftet werden.
Derzeit sind im Bezirk der IHK Köln noch etwa 150 Ausbildungsstellen zu besetzen. Diese erstrecken sich zu einem großen Teil auf die Berufe der Gastronomie, des Einzelhandels, der klassischen Büroberufe und in der Informationstechnik. Bis Mitte Dezember können noch Ausbildungsverträge für 2011 abgeschlossen werden.
Kreishandwerkerschaft Bergisches Land:
Die Ausbildungszahlen des Jahres 2011 sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stabil geblieben. Entgegen der Erwartung zu Beginn dieses Jahres ist die Anzahl der Ausbildungsverträge im regionalen Handwerk im Jahresverlauf insgesamt minimal (minus halbes Prozent) gesunken. Dabei entwickelten sich einzelne Gewerke sehr unterschiedlich: Positiv schlossen das Bauhandwerk mit einem Plus von zehn Prozent mehr Ausbildungsverträgen ab. Ähnlich gut sind die Zahlen im Metallhandwerk (plus fünf Prozent). Einen besonders starken Zuwachs gab es in den kaufmännischen Berufen des Handwerks, nämlich bei Bürokauffrauen/-männern und Automobilkaufleuten (plus 38 Prozent) und im Tischlerhandwerk mit einem Zuwachs von 25 Prozent.
Besonders stark gesunden sind die Neuverträge im ausbildungsstarken Friseurhandwerk - minus 25 Prozent. Auch im Bäckerhandwerk sind rund ein Viertel weniger Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen in Ausbildung. Starke Rückgänge der Ausbildungszahlen mussten auch das Sanitär- und Heizungstechnik Handwerk (minus 15 Prozent) verkraften.
Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Marcus Otto von der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land führt die negative Entwicklung im Friseurhandwerk neben anderen Ursachen auch auf die anhaltend negative Berichterstattung in den Medien zurück. Dort würden teilweise pauschale Behauptungen über die angeblich schlechten Verdienstmöglichkeiten im Friseurhandwerk aufgestellt, die absolut nicht zutreffen würden. Das Image dieser Ausbildung habe durch diese unzutreffende Berichterstattung zu Unrecht stark gelitten. Bei den Ausbildungszahlen im Bäckerhandwerk verwies er auf den stetigen Ausbau der Backautomaten in den großen Lebensmittelketten. Diese stellten eine immer stärker werdende Konkurrenz zu den traditionellen Bäckereien dar.
Insgesamt rechnet Otto aber damit, dass wie jedes Jahr auch im 4. Quartal 2011 weitere Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, weil Jugendliche teilweise mehrere Zusagen für einen Ausbildungsplatz bekommen hätten. Nun stehen die Ausbildungsplätze, die von den Jugendlichen nicht angetreten wurden, wieder zur Verfügung und werden vermittelt. Insgesamt seien bei der Kreishandwerkerschaft und der Handwerkskammer Köln noch immer zahlreiche freie Ausbildungsplätze gemeldet. „Unser Ziel, das Niveau des Vorjahres zu erreichen, wird sehr wahrscheinlich erreicht werden“, führt Otto aus.
Ein Problem ist nach wie vor die vermeintlich geringe Attraktivität vieler Handwerksberufe. Hier herrscht noch immer in vielen Köpfen das Klischee vor, dass man im Handwerk „kein Geld verdienen kann“. Dies stimmt aber schon lange nicht mehr. Sicherlich ist die durchschnittliche Ausbildungsvergütung im Handwerk nicht so hoch wie in anderen Branchen. Aber auch hier gibt es durchaus Ausbildungsberufe, die von Anfang an eine gute Vergütung zahlen. Außerdem sollten sich die Jugendlichen über die Verdienstmöglichkeiten und Zukunftschancen nach der Ausbildung informieren. Und da sind die Aussichten in fast allen Handwerksberufen gut. Facharbeiter im Handwerk waren in den vergangenen Jahren weitaus weniger von Kurzarbeit oder Entlassungen betroffen als in den übrigen Branchen, so Otto.
Ein Umstand erschwert die Ausbildungssituation des Handwerks zusätzlich, nämlich, dass nur wenige junge Frauen die Berufswelt des Handwerks für sich entdecken. Trotz vieler Werbeaktionen, wie etwa dem Girlsday, haben noch immer nur wenige Schulabgängerinnen ein Interesse daran, einen handwerklichen Beruf zu erlernen. Zweite Zielgruppe sind die Abiturienten, die als potentielle Führungskräfte für Handwerksbetriebe angesprochen werden. Gerade im Hinblick auf den doppelten Abiturjahrgang und die Aussetzung der Wehrpflicht sollen dieser Schülergruppe die Attraktivität einer handwerklichen Ausbildung und den damit verbundenen Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten nahegebracht werden. Und als dritte Zielgruppe sollen Jugendliche mit Migrationshintergrund für eine Ausbildung im Handwerk gewonnen und begeistert werden.
Agentur für Arbeit: Mehr Stellen und weniger Bewerber/innen - Besetzung schwieriger
Die oberbergischen Betriebe und Verwaltungen haben zwischen Oktober 2010 und Ende September 2011 ihr Ausbildungsstellenangebot kräftig erhöht und dabei verstärkt den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen. Gleichzeitig bewarben sich deutlich weniger junge Männer und Frauen über die Berufsberatung um eine Berufsausbildungsstelle. Dabei zeigte sich auch eine geringere Übereinstimmung zwischen den Anforderungen der Betriebe und den Vorstellungen und Voraussetzungen der Bewerber/innen.
Im abgelaufenen Berufsberatungsjahr hatten die Betriebe Vermittlungsaufträge für 1.382 freie Berufsausbildungsstellen erteilt, 219 oder 18,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig hatten sich 1.842 Ausbildungsbewerber/innen gemeldet, 169 oder 8,4 Prozent weniger als 2010. Ende September waren noch 106 Ausbildungsstellen unbesetzt, 60 (oder 130,4 Prozent) mehr als 2010. Gleichzeitig galten noch 77 Bewerber/innen als unversorgt, 19 (oder 32,8 Prozent) mehr als im Vorjahr. Ein Jahr zuvor gab es noch 46 unbesetzte Ausbildungsstellen und 58 unversorgte Bewerber/innen.
Die oberbergische Wirtschaft bot insbesondere im Bereich der Dienstleistungsberufe mehr Ausbildungsplätze an. Auf der Bewerberseite hat sich die Nachfrage dagegen insbesondere bei den Produktionsberufen sowie den Technischen Berufe verringert.
Der Personenkreis der Bewerber setzt sich in hohem Maße aus Absolventen des berufsbildenden Schulwesens (54,6 Prozent) zusammen und weniger aus denjenigen, die aus einer allgemeinbildenden Schule (41,4 Prozent) kommen. Das Verschieben der Berufswahlentscheidung wirkt sich dabei auch nachteilig aus, denn der Anteil der Absolventen der berufsbildenden Schulen an den unversorgten Bewerbern ist mit 63,6 Prozent überproportional hoch. „Hier bestätigen sich leider die Erfahrungen der Vorjahre, dass der Besuch etwa einer Höheren Handelsschule als Ausweichlösung nicht zu einer Verbesserung der Chancen auf dem Ausbildungsmarkt führt“, so Siegfried Spanel, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach.
Als Problem zeigte sich erneut weniger der grundsätzliche Schulabschluss als das erreichte Notenniveau. Die größte Gruppe bei den unversorgten Bewerbern stellten diejenigen, die einen Realschulabschluss oder die Fachhochschulreife vorwiesen. „Obwohl die Betriebe zunehmend nicht mehr allein auf die Noten schauen, bilden sie doch nach wie vor ein wichtiges Selektionskriterium. Die Schulabgänger der allgemeinbildenden Schulen sollten sehr sorgfältig abwägen, ob nicht der direkte Weg nach der Schule in die betriebliche Ausbildung die bessere Alternative darstellt“, so Spanel. 30,6 Prozent der Bewerber in diesem Jahr haben einen erneuten Anlauf unternommen, um in eine betriebliche Ausbildung einzumünden. Sie hatten in den vergangenen beiden Jahren entweder eine Ausbildung angetreten und dann vorzeitig beendet oder stattdessen andere Alternativen ergriffen.
Das erweiterte Ausbildungsangebot der oberbergischen Wirtschaft ist auch eine Folge des gestiegenen Fachkräftebedarfs und des eingetretenen demografischen Wandels. „Wie vor der Krise 2008/2009 gibt es auch jetzt wieder einen hohen Fachkräftebedarf. Sollte es zu der prognostizierten konjunkturellen Abschwächung kommen, gilt es die Ausbildungsleistung nicht zu reduzieren, denn sonst verschärfen sich die bestehenden Probleme der Fachkräftegewinnung im nächsten Aufschwung noch weiter“, appelliert Siegfried Spanel.
(Quelle: Arbeitsagentur Bergisch-Gladbach, 07.11.2011)


