2011 – Ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt - Landkreis Hameln-Pyrmont
Niedrigster Stand der Arbeitslosigkeit seit 1992 / Ausbildungsmarkt: Verdrängungseffekte durch den doppelten Abi-Jahrgang geringer als befürchtet / Nicht alle Personengruppen profitieren
Arbeitsmarkt profitiert von guter Konjunktur
Auf der Grundlage einer guten wirtschaftlichen Entwicklung hat sich der Arbeitsmarkt im Weserbergland auch im Jahr 2011 weiter entspannt. Jahresdurchschnittlich waren 16.194 Frauen und Männer in den Geschäftsstellen der Arbeitsagentur Hameln und den Job-Centern arbeitslos gemeldet, das waren 1.475 weniger Betroffene als im Jahr 2010 (- 8,3%). Damit ist der Rückgang deutlicher ausgeprägt als im Jahr zuvor: 2010 waren durchschnittlich 413 weniger Menschen arbeitslos gemeldet als 2009 (- 2,3%). Im Jahresschnitt ist im Agenturbezirk Hameln der niedrigste Stand der Arbeitslosigkeit seit 1992 erreicht. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank deutlich um 0,7 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2010 (8,8 %). Im Jahr 2005 hatte die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote noch bei 13,5 Prozent gelegen. Zum Vergleich: in Niedersachsen sank die Arbeitslosenquote von 2010 auf 2011 um 0,6 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent.
Nachfrage nach Arbeitskräften steigt weiter – Besetzung von Stellen bestimmter Berufe dauert länger Die Dynamik der Wirtschaft drückt sich auch bei den gemeldeten Stellenangeboten aus. Dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und der Job-Center wurden 2011 insgesamt 12.234 Arbeitsstellen zur Besetzung gemeldet – 1.153 mehr als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Zuwachs im Jahr 2011 von 10,4 Prozent, wobei sich die Stellenzugänge bereits im Jahr zuvor um 11,9 Prozent gesteigert hatten. Von allen Wirtschaftsbereichen kamen aus dem Bereich Zeitarbeit 3.928 Stellen für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – ein Anteil von 36,3 Prozent an allen Stellenzugängen.
Bei Betrachtung der 20 wichtigsten Wirtschaftsbereiche nach Beschäftigtenzahlen ging mit 9,3 Prozent der größte Teil der gemeldeten Stellen aus dem Wirtschaftsbereich Heime und Sozialwesen ein. Bei Altenpflegern/Altenpflegerinnen liegt die Relation zwischen Arbeitslosen zu Arbeitsstellen bei 2,2 zu 2,0. Durch die zurück gehende Zahl an Arbeitssuchenden wird die Besetzung von Stellen in diesem Beruf schwieriger und dauert länger. Ähnlich verhält es sich auch bei Ingenieuren und Elektroinstallateuren.
Auswirkungen des doppelten Abiturjahrganges moderat
Der Verdrängungswettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt durch den doppelten Abiturjahrgang und den Wegfall der Wehrpflicht hatte im vergangenen Jahr nicht das befürchtete Ausmaß. Nur 117 Abiturient/innen mehr als im Ausbildungsjahr zuvor waren als Bewerber für eine Ausbildungsstelle gemeldet. Zum Teil wiederholen Schülerinnen und Schüler die 12. Klasse. Viele Schulabsolventen strebten vorrangig ein Studium an oder nutzen Überbrückungsmöglichkeiten wie Freiwilliges soziales Jahr oder Auslandsjahr. Durch die Überbrückungen wird das Thema allerdings auch in diesem Ausbildungsjahr relevant bleiben.
Entwicklung in den Geschäftsstellen verschieden ausgeprägt
Am deutlichsten war der Rückgang der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit im Jahr 2011 in der Geschäftsstelle Bad Pyrmont. Hierdurch hat sich der kleinste Geschäftsstellenbezirk bei der Arbeitslosenquote dem Niveau der Hauptagentur angenähert. Die Geschäftsstelle Holzminden konnte ebenfalls einen Rückgang der Arbeitslosenzahl im zweistelligen Bereich verzeichnen (- 10,2%). Obwohl die Arbeitslosigkeit in Rinteln prozentual deutlicher sank als in Stadthagen, blieb die Arbeitslosenquote mit jahresdurchschnittlich 9,1 Prozent im Verhältnis zu den anderen Geschäftsstellen hoch. Bei leicht unterdurchschnittlichem Rückgang der Arbeitslosigkeit war in Stadthagen die Arbeitslosenquote mit 7,4 Prozent die niedrigste im Agenturbezirk. Auch in der Geschäftsstelle Springe waren im Verhältnis weniger von Arbeitslosigkeit betroffen: die durchschnittliche Arbeitslosenquote betrug hier 7,6 Prozent.
Unterschiedliche Gruppen profitieren sehr unterschiedlich
Der konjunktursensiblere Bereich der Arbeitslosenversicherung konnte von der guten wirtschaftlichen Entwicklung deutlich profitieren: Die Anzahl der bei den Arbeitsagenturen in Hameln und Bad Pyrmont arbeitslos gemeldeten Menschen ging im Jahresschnitt um 364, bzw. 16,5 Prozent auf 1.841 zurück. Der Verlauf im Bereich SGB II wies demgegenüber geringere Schwankungen auf: Gegenüber dem Vorjahr ist die durchschnittliche Anzahl der arbeitslosen Menschen 2011 im Bereich der Grundsicherung (Jobcenter) um 194 auf 4.389 gesunken (-4,2 %).
Höhere Arbeitslosigkeit bei Schwerbehinderten, Langzeitarbeitslose profitieren weniger
Bei der Gruppe der schwerbehinderten Arbeitslosen zeigte sich die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt nicht: Jahresdurchschnittlich waren 366 Schwerbehinderte gemeldet, 2 mehr als im Vorjahr (+0,6%). Menschen, die ein Jahr und länger arbeitslos sind, profitierten zwar von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt – allerdings unterdurchschnittlich: Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen ist gegenüber dem Vorjahr um 42 auf 2.091 gesunken (-2,0%). Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen arbeitslos gemeldeten Menschen im Landkreis Hameln-Pyrmont betrug im Schnitt des vergangenen Jahres 33,6 Prozent. Ein großer Teil dieser Gruppe bezieht Leistungen der Grundsicherung beim Jobcenter (1.784 / 85,3%). Arbeitslosigkeit der jungen Erwachsenen baut sich geringfügig ab Die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen blieb gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Mit durchschnittlich 652 arbeitslosen jungen Menschen lag die Zahl lediglich um 10 niedriger als im Jahresschnitt 2010 (- 1,5%). Der Rückgang der Arbeitslosigkeit fiel in Niedersachsen wesentlich deutlicher aus (-11,8%).
Bei dieser Personengruppe trat im Landkreis Hameln-Pyrmont eine gegenläufige Entwicklung innerhalb der Rechtskreise auf: Ging die Anzahl der jungen Erwachsenen im Versicherungsbereich SGB III um 47 auf 241 zurück (-16,2%) zurück, stieg sie beim Jobcenter um 37 auf 412 (+ 9,8%).
Gemeldete Ausbildungsstellen gestiegen
Die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Landkreis Hameln-Pyrmont ist 2011 gestiegen: Von Oktober 2010 bis September 2011 wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagenturen und des Jobcenter Hameln-Pyrmont 1.069 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet, 66 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum (+ 6,6%). Allerdings waren weiterhin mehr Ausbildungssuchende gemeldet: 1.136 junge Menschen suchten eine Ausbildungsstelle.
Prävention als Schwerpunkt in 2012
Das Ausmaß der weiteren Entspannung am Arbeitsmarkt ist abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung, die aufgrund der Finanzrisiken mit einigen Unsicherheiten behaftet ist. Im Weserbergland gibt es derzeit keine Anzeichen für eine nachlassende Konjunktur. Bundesweit wird für 2012 ein knappes Wirtschaftswachstum angenommen, wodurch auch die Dynamik auf dem Stellenmarkt nachlassen wird. Ziel der Arbeitsagenturen ist es, die Arbeitslosigkeit auch bei schlechter werden Rahmenbedingungen gering zu halten.
Sicher ist, dass der demografische Wandel nicht aufzuhalten ist. Mit dem Jahr 2012 werden im Weserbergland die aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Jahrgänge nicht mehr durch die eintretenden Jahrgänge kompensiert (Quelle: Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung). Zur Abfederung der Folgen der demografischen Entwicklung auf den Arbeitsmarkt, rücken bei der Arbeitsagentur präventive Maßnahmen stärker in den Vordergrund. Um die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss oder Berufsausbildung zu senken, setzt die Agentur weiter auf Maßnahmen, die den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern, wie die Berufseinstiegsbegleitung an den Schulen und die Berufsorientierung.
Ebenso soll eine bessere Weiterbildung der beschäftigten Arbeitnehmer helfen, Arbeitslosigkeit zu vermeiden und ältere Beschäftigte möglichst lange im Erwerbsleben zu halten. Oft können Personalrekrutierungsprobleme durch Weiterbildung der Beschäftigten gelöst werden. Vermittler des Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur werden die Unternehmen verstärkt über Qualifizierungsmaßnahmen beraten. Für die Fortbildung älterer und gering qualifizierter Arbeitnehmer in kleinen und mittleren Unternehmen stehen der Arbeitsagentur Hameln in diesem Jahr rund 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.
(Quelle: Agentur für Arbeit Hameln, 30.01.2012)


