Ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt
Jahresrückblick auf den Arbeitsmarkt 2011
- Zahl der Arbeitslosen in Südniedersachsen deutlich gesunken
- Anzahl gemeldeter Stellen über Vorjahresniveau
- Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter angestiegen
Sinkende Arbeitslosenzahlen, ein Zuwachs bei den gemeldeten Stellenangeboten und ein erneuter Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Agenturbezirk: Aus Sicht der Göttinger Arbeitsagentur war 2011 mit Blick auf den Arbeitsmarkt ein erfolgreiches Jahr. „Wir hatten im Vergleich zum Vorjahr sowohl im Bereich der Arbeitslosenversicherung als auch in der Grundsicherung für Arbeitsuchende weniger Arbeitslose im Bestand“, erläuterte Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen. Wie positiv dieses Ergebnis zu bewerten ist, lässt sich auch daraus ersehen, dass die Unterbeschäftigung im Agenturbezirk stärker sank als die Zahl der Arbeitslosen. „In der Unterbeschäftigung wird, vereinfacht ausgedrückt, abgebildet, wie viele Menschen arbeitslos wären, wenn es keine Förderung durch die Arbeitsagentur oder die Jobcenter gäbe. Hier finden sich auch Angaben über die Arbeitsuchenden, die zum Beispiel. aufgrund eines Sonderstatus nicht zur Gruppe der Arbeitslosen zählen, obwohl sie keiner Beschäftigung nachgehen.“ Auch der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse, zeige, so der Agenturchef, die insgesamt positive Entwicklung in der Region.
Der Arbeitsmarkt in Zahlen: Bewerberseite
In konkreten Zahlen heißt das, dass in Südniedersachsen im Jahresdurchschnitt 2011 16.751 Menschen arbeitslos waren, 1.903 bzw. 10,2% weniger als im Jahresdurchschnitt 2010. Davon betreute die Agentur für Arbeit durchschnittlich 5.322 Arbeitslose, 611 bzw. 10,3% weniger als im Vorjahr. Die Jobcenter waren durchschnittlich für 11.429 Arbeitslose zuständig, was einem Rückgang gegenüber 2010 um 1.292 bzw. 10,2% entspricht. Hinter der reinen Bestandszahl verbirgt sich eine große Dynamik, die statistische Zahl wird der Bewegung, die am Arbeitsmarkt herrscht, keineswegs gerecht. So haben sich im zurückliegenden Jahr rund 46.000 Menschen neu oder erneut arbeitslos gemeldet, während gut 48.500 ihre Arbeitslosigkeit z.B. durch Erwerbstätigkeit oder eine Qualifizierungsmaßnahme beenden konnten. Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Göttingen lag im Jahresdurchschnitt bei 7,5% und damit 0,8 Prozentpunkte unter dem Vergleichswert für 2010.
Entwicklung der Arbeitslosigkeit besonderer Personengruppen
Sank die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt um 10,2%, so profitierten doch nicht alle Personengruppen gleichermaßen von der Belebung am Arbeitsmarkt. Gute Chancen hatten im vergangenen Jahr insbesondere junge Menschen unter 25 Jahren, von denen durchschnittlich 1.543 ohne Arbeit waren. Hier sank die Zahl der Arbeitslosen um 154 (9,1%). Deutlich geringer war der Rückgang der Arbeitslosenzahlen in der Gruppe der älteren Arbeitslosen zwischen 50 und 65 Jahren. In dieser Altersgruppe waren durchschnittlich 4.924 Menschen arbeitslos, lediglich 174 bzw. 3,4% weniger als im Vergleichszeitraum 2010.
Entgegen dem Trend stieg die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten in Südniedersachsen um 30 bzw. 4,8% auf 663 an. Da das Risiko einer Schwerbehinderung mit fortschreitendem Alter steigt, haben viele Betroffene bei der Arbeitsuche nicht nur mit nach wie vor existierenden Vorbehalten bezüglich ihres Handicaps zu kämpfen, sondern auch mit der Zurückhaltung bei der Einstellung älterer Arbeitnehmer.
37,3% der Arbeitslosen im Agenturbezirk verfügten nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Für diese Personengruppe ist das Risiko des Verbleibs in Arbeitslosigkeit besonders hoch, da Arbeitsplätze für ungelernte Kräfte nur noch einen geringen Anteil der Beschäftigungsmöglichkeiten ausmachen. Der Anteil von Beschäftigten ohne Berufsabschluss beträgt im Agenturbezirk 13,2%. Im Jahresdurchschnitt 2011 waren 6.252 Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung arbeitslos, 671 bzw. 12,0% mehr als im Vorjahresvergleich.
Arbeitslosigkeit nach Kreisen
Der Agenturbezirk Göttingen umfasst den Landkreis Göttingen und die größten Teile der Landkreise Northeim und Osterode. Wie im Agenturbezirk, so sank im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit auch in den zugehörigen Landkreisen. Der deutlichste Rückgang war im Landkreis Göttingen zu verzeichnen. Hier sank die Arbeitslosenquote auf 6,9% im Jahresdurchschnitt und lag damit 1,1 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Insgesamt waren 8.743 Menschen arbeitslos, 1340 bzw. 13,3% weniger als 2010. Besonders stark ging die Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Grundsicherung für Arbeitslose zurück. Hier sank die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich um 16,4% auf 5.719.
Auch im Landkreis Northeim war die gute wirtschaftliche Lage zu spüren. Die Arbeitslosenquote lag bei 7,3%. Im Vorjahr hatte sie noch 7,7% betragen. Durchschnittlich waren hier 2011 5.090 Menschen arbeitslos gemeldet, 5,4% bzw. 289 weniger als im Vorjahr.
Im Landkreis Osterode sank die Arbeitslosigkeit um 7,8%, so dass im Jahresdurchschnitt 3.666 Menschen dort arbeitslos waren, 310 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 9,7% und damit deutlich unter der Arbeitslosenquote von 2010, die 10,5% betragen hatte.
Der Arbeitsmarkt in Zahlen: Angebotsseite
Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb im zurückliegenden Jahr relativ stabil. Unternehmen und Verwaltung meldeten der Agentur für Arbeit insgesamt 11.130 Stellen zur Besetzung, 385 bzw. 3,6% mehr als 2010. Davon waren 83,1% sozialversicherungspflichtig, 7,8% mehr als im Vorjahresvergleich. Den größten Bedarf meldeten die Zeitarbeitsbranche, das Bau- und Gastgewerbe, der Einzelhandel sowie der Wirtschaftsbereich Gesundheit und Soziales.
Beschäftigungsentwicklung
Derzeit liegen Daten der Beschäftigungsstatistik bis Juni 2011 vor. Im Juni letzten Jahres beschäftigten Unternehmen und Verwaltungen in Südniedersachsen 151.861 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Das waren 4.383 bzw. 3,0% mehr als im Vorjahresmonat. Den größten Anteil an den sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen Südniedersachsens haben die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes (23%), gefolgt von den Bereichen Gesundheits- und Sozialwesen (18,8%) sowie Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz (13,0%).
Den größten Beschäftigungsaufwuchs hatte dabei in absoluten Zahlen das Gesundheits- und Sozialwesen. Dort wurden binnen Jahresfrist 1.347 (5%) neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse begründet. Im Handel wurden gegenüber Juni 2010 693 (3,6%) neue Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingestellt. Die Firmen der Arbeitnehmerüberlassung beschäftigten im Vorjahresvergleich 688 (23,3%) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr. Der Anteil der hier sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt im Agenturbezirk Göttingen bei 2,4% und damit deutlich unter den Anteilen der Branche bei den Arbeitsverhältnissen in Niedersachen (3,4%) und Westdeutschland (2,8%) oder dem bundesweiten Anteil (2,9%).
In Südniedersachsen sind 75% der Arbeitsverhältnisse Vollzeitstellen, 25% werden von Teilzeitkräften besetzt. Dabei liegt der Anteil der Teilzeitstellen über dem niedersächsischen und westdeutschen (19,9%) sowie dem gesamtdeutschen (20%) Wert.
Bei der Betrachtung der Bruttoentgelte aus sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung liegen die erzielten Median-Einkommen im Agenturbezirk Göttingen zum Stichtag 31.12.2010 mit 2579 € im oberen Drittel Niedersachsens. Bei der statistischen Berechnung des Median-Einkommens werden positive oder negative Ausreißer am Anfang oder Ende einer Skala weniger stark als bei einer Durchschnittsberechnung gewertet. Auf Landesebene war nach dieser Betrachtung die Einkommenssituation im Agenturbezirk Helmstedt besonders günstig (3.438 €), am ungünstigsten im Agenturbezirk Uelzen (2.323 €). Der Wert für Niedersachsen betrug 2.619 €,der für Deutschland 2.702 €.
Fazit und Ausblick
Die Zahl der Arbeitslosen ging in Südniedersachsen 2011 im zweiten Jahr nach der Finanz- und Wirtschaftskrise erneut deutlich zurück. Besonders gut war die Situation in den Geschäftsstellenbezirken Duderstadt und Hann. Münden, in denen die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt unter 6% lag (5,7% bzw. 5,9%). Mit der Freude über diese Entwicklung treten jedoch andere Handlungsfelder in den Fokus, Stichwort Fachkräftebedarf. Klaus-Dieter Gläser will keineswegs vom Fachkräftemangel sprechen. „Wir haben weder flächendeckend noch quer durch alle Branchen einen allgemeingültigen Fachkräftemangel. Sehr wohl gibt es jedoch regional bestimmte Bereiche, in denen Fachkräfte wirklich schwer zu finden sind. Das trifft in unserer Region beispielsweise für den Pflegebereich und auf Elektro- und Metallfachkräfte zu.“ Klar ist für den Agenturchef: „Wir sehen dringenden Handlungsbedarf.“
Hier nennt Gläser verschiedene Ansatzmöglichkeiten. Zum einen müsse es gelingen, die Beschäftigungsquote in Südniedersachsen zu erhöhen. Lediglich 47,7% der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren sei sozialversicherungspflichtig beschäftigt, in Niedersachsen liege die Quote bei 49,8%, in Westdeutschland bei 50,7,%. Die Arbeitsagentur setze hier zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen wie dem FrauenInfoTag an, um Frauen die Rückkehr ins Berufsleben zu erleichtern.
Auch in der Nachwuchsgewinnung sieht der Agenturchef noch Potenzial: „Es wird oft kritisiert, dass Jugendliche unnötig in Bildungsmaßnahmen geparkt würden, anstatt in Ausbildung zu gehen.“ Fakt sei aber auch, dass viele Jugendliche zunächst noch aufbauende oder orientierende Unterstützung vor dem Ausbildungsbeginn bräuchten oder schlicht und ergreifend keinen Ausbildungsplatz im angestrebten Bereich fänden. Um den Ausgleich am Ausbildungsmarkt zu fördern, hat die Agentur für Arbeit erstmals im vergangenen Jahr Ausbildungsplatz-Speed-Datings organisiert, die ohne formale Hürden wie etwa schriftliche Bewerbungen Arbeitgeber und Ausbildungsuchende zusammen brachten. Aber auch Fortbildung und berufliche Neuorientierung sowie die Integration von Menschen mit Handicap böten Chancen, auf wachsende Fachkräftebedarfe am Arbeitsmarkt zu reagieren. Um hier Jugendliche und Arbeitslose beim Eintritt in Ausbildung bzw. in Arbeit zu unterstützen, hat die Agentur für Arbeit Göttingen im vergangenen Jahr rund 31 Millionen Euro investiert.
Auf konkrete Zahlen hinsichtlich der Entwicklung der regionalen Arbeitslosigkeit wollte Gläser sich nicht festlegen. Viel hänge davon ab, welche Auswirkungen die Finanz- und Wirtschaftskrise in Deutschland und Europa haben werde. „Wenn es keinen wirtschaftlichen Einbruch gibt, ist davon auszugehen, dass Arbeitslosigkeit weiter abgebaut werden kann, wenn auch deutlich langsamer als in den vergangenen Monaten.“
(Quelle: Arbeitsagentur Göttingen, 31.01.2012)


