Arbeitsmarkt zeigt 2011 sein Potential
2011 wurde am Arbeitsmarkt im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremerhaven kräftig durchgeatmet. Nach den schwachen Ergebnissen in den Vorjahren im Zuge der weltweiten Krise entwickelte sich der Arbeitsmarkt nun mit bemerkenswertem Schwung. Die Arbeitslosenquote sank im Jahresdurchschnitt auf 10,8 Prozent. Damit waren konkret durchschnittlich 416 Menschen weniger arbeitslos als im Vorjahr. Die Anzahl der gemeldeten freien Stellen verdoppelte sich nahezu. Durchschnittlich standen monatlich 1.126 offene Stellen zur Verfügung (2010: 768). Die eher konjunktursensible Arbeitslosigkeit im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur (SGB III) sank deutlich um 22,3 Prozent. Im Bereich der Grundsicherung (SGB II) konnte der Anstieg immerhin ausgebremst werden; die Arbeitslosigkeit stieg hier im Jahresschnitt um 1,7 Prozent. „Im zurückliegenden Jahr verlief die wirtschaftliche Erholung in unserer Region so gut, dass zum Jahresende die negativen Folgen der zurückliegenden Krise voll ausgeglichen waren und sich die Arbeitslosigkeit entsprechend reduzierte“, beschreibt Christine Eden, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bremerhaven, das Jahresergebnis. Sie ergänzt: „Höhepunkt im positiven Sinne war der Monat Dezember. Mit 9,7 Prozent hatten wir eine Arbeitslosenquote, die noch unter dem Top-Niveau vom Oktober 2009 mit 9,8 Prozent lag.“ Eden erläutert: „Nach der langen Phase hoher Kurzarbeit und dem anschließenden Abbau von Überstunden in den Unternehmen kam es 2011 endlich wieder zu zahlreichen Neueinstellungen.“ Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg insbesondere im Bereich Lager, Post- und Kurierdienst (gegenüber 2010 ein Anstieg von 128 auf 384 Stellen). Vor allem die Betriebe im Hafen fragten wieder stark Arbeitskräfte nach.
Aber auch in anderen Wirtschaftsbereichen entwickelte sich der Bedarf an Arbeitskräften sehr positiv. Im Handel mit Kraftfahrzeugen bzw. der Instandhaltung verdoppelte sich die Jahresnachfrage (97,9% Anstieg von 48 auf 95 Stellen), auch der Einzelhandel legte mit einem Plus von 49,7 Prozent (Anstieg von 175 auf 262 Stellen) gut zu. Eden dazu: „Durch die Vielfalt der vakanten Stellen war es möglich, zahlreiche Menschen aus der Arbeitslosigkeit auf diese Positionen zu vermitteln.“
In ganz unterschiedlichen Branchen setzten die Firmen der Zeitarbeitsbranche ihre Mitarbeiter ein. Aus diesem Bereich, der „Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ wurden im Jahr 2011 insgesamt 1.395 Vakanzen gemeldet, ein Plus von 7,2 % (Vorjahr: 1.301 Stellen). Mit einem Anteil von 29,7% an allen Stellenzugängen bei der Arbeitsagentur liegt Bremerhaven unter dem entsprechenden Wert bei der Regionaldirektion Niedersachsen/Bremen (38,1%).
Der größte Teil der insgesamt 2011 zugegangenen Stellenangebote (4.951) war sozialversicherungspflichtig (4.702). Lediglich 226 geringfügige Stellen (-14,7% zum Vorjahr) wurden gemeldet. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung* (ohne geringfügige) stieg um 1,3 Prozent von 61.192 Beschäftigte (Stichtag 31.03.2010) auf 61.961 (Stichtag 31.03.2011).
Auch Jobcenter Bremerhaven und Cuxhaven profitieren von guter Wirtschaftlage
Die durchschnittliche Jahresarbeitslosigkeit im Jobcenter Bremerhaven stieg von 7.605 Personen im Jahr 2010 auf 7.868 im Jahr 2011 (+3,5 Prozent). Die Entwicklung im Jahresverlauf war uneinheitlich.
„Ab Jahresmitte konnten wir erfreulicherweise eine Arbeitslosigkeit unter dem Vorjahresniveau melden“, erinnert sich Friedrich-Wilhelm Gruhl, Geschäftsführer des Jobcenter Bremerhaven. „Auch unsere Kunden profitieren von der wachsenden Arbeitskräftenachfrage.“ Optimistisch stimmt ihn das Ergebnis zum Jahresende: “Im Monat Dezember lag die Arbeitslosigkeit mit -10,5 Prozent weit unter dem Vorjahreswert. Wir wollen 2012 daran anknüpfen.“ Diese Entwicklung hat Einfluss auf den Umfang der Hilfebedürftigkeit der Kunden im Jobcenter Bremerhaven. 2011mussten die Mitarbeiter ca. 1,67 Mio. € weniger an sogenannten „passiven Leistungen“, das sind insbesondere die Zahlungen von Arbeitslosengeld II, Sozialgeld und die Leistungen für Unterkunft, auszahlen. Das entspricht einem Minus von 3,4 %.
Im Bereich Altkreis Wesermünde betreut das Jobcenter Cuxhaven die Kunden in der Grundsicherung. Im Jahresvergleich ging ihre Zahl zurück. 2011 gab es 1.645 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt, das sind 5,9 Prozent oder auch 103 Personen weniger als im Jahr 2010.
Für das Jahr 2012 weitere positive Impulse erwartet
In das Jahr 2012 gehen Arbeitsagentur und die Jobcenter mit viel Zielstrebigkeit und hoffen auf eine weiterhin positive Entwicklung des Marktes. „Wir wollen die gute wirtschaftliche Lage unbedingt für unsere Kunden nutzen“, betonen die Geschäftsführungen. „Ein absoluter Schwerpunkt unserer Arbeit wird die Verhinderung von Arbeitslosigkeit sein“, erläutert Eden. „Wenn eine Kündigung ins Haus steht, soll der Betroffene mit Hilfe der Job-to-Job-Vermittlung nahtlos in eine neue Beschäftigung vermittelt werden. Auch über den Einsatz von bedarfsgerechten Qualifizierungen wollen wir noch mehr Menschen die Aufnahme einer Beschäftigung ermöglichen.“
Gruhl setzt auch auf Qualifizierung, betont aber für seine Arbeit den eher längerfristigen Ansatz der Maßnahmen. „Nach einer längeren Dauer der Arbeitslosigkeit müssen nicht nur fachliche Qualifikationen aufgebessert werden, sondern wir arbeiten auch an ganz persönlichen Lebensfragen. Das gemeinsame Ziel ist der selbstständige Lebensunterhalt.“
Schlechte Chancen für Alleinerziehende trotz guter Konjunktur
Schwierig gestaltet sich die Vermittlung von Alleinerziehenden. Obwohl die Arbeitslosigkeit insgesamt um 3,5 Prozent abnahm, stieg sie bei den Alleinerziehenden von 1.328 auf 1.341 Betroffene an.
Dazu die Chefin der Arbeitsagentur: „Auch in unserer Region gestaltet sich für manche Positionen die Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer schwieriger. Durch unseren Arbeitgeberservice bringen wir die Themen Beschäftigung von Alleinerziehenden, von Menschen mit Behinderungen sowie von Frauen nach der Familienphase bei Gesprächen und Veranstaltungen ganz intensiv in die Betriebe. Wer über (Fach-) Kräftebedarf spricht, wird künftig verstärkt auch für diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer offen sein müssen.“
Sie betont: „Um hier erfolgreich vermitteln zu können, brauchen wir zusätzliche Betreuungskapazitäten für Kinder. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir 2012 an diesem Thema verstärkt arbeiten.“
Unterbeschäftigung sinkt kontinuierlich
Ein wesentlicher Indikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes ist die nachgewiesene Unterbeschäftigung. Neben den Arbeitslosen weist die Bundesagentur für Arbeit mit den Angaben zur Unterbeschäftigung zusätzlich Personen aus, die Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsförderung sind oder einen arbeitsmarktbedingten Sonderstatus aufweisen. Hierdurch wird der erste Arbeitsmarkt entlastet.
Die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) ist im Jahresdurchschnitt von 16.982 Personen 2010 auf 15.591 Personen in 2011 zurückgegangen. Dabei liegt die Entlastungsquote in Bremerhaven mit 3,8 Prozent über dem Durchschnitt von 2,7 Prozent in Niedersachsen/Bremen. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente bzw. die Inanspruchnahme gesetzlicher Regelungen abgenommen. Für 2011 wurden durchschnittlich 4.071 Personen gezählt, dies sind 19,3 Prozent weniger als im Vorjahr (Durchschnitt Niedersachsen-Bremen: -19,9 Prozent).
Vor diesem Hintergrund ist der Rückgang der Arbeitslosenquote um 3,5 % besonders positiv zu bewerten.
Budgeteinsatz für die aktive Arbeitsmarktpolitik im Jahr 2012
Für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wurden von der Agentur für Arbeit sowie den Jobcentern Bremerhaven und Cuxhaven insgesamt 28.449.000,00 € ausgegeben. Das Gebiet umfasst die Stadt Bremerhaven und den Altkreis Wesermünde.
Ausbildungsmarkt: Gutes Ergebnis erzielt
„Die Verhältnisse am Ausbildungsmarkt wandeln sich“, erläutert Eden die Situation zum Ablauf des Ausbildungsjahres. „Die Relation Bewerber zu Stellen entspannt sich. Das betriebliche Ausbildungsangebot legte mit einem Plus von 10,4 Prozent (117 Stellen) auf 1.240 Stellen deutlich zu. Auf der Bewerberseite kam es aber trotz des doppelten Abiturjahrganges an den niedersächsischen Gymnasien zu einem Rückgang um 4,1 Prozent (94 Personen) auf 2.174 Bewerberinnen und Bewerber.“
Lediglich 33 Bewerberinnen und Bewerber blieben am Ende des Beratungsjahres (30.9.2011) unversorgt.
Für 2012 sieht Geschäftsführerin Eden in einem Bereich besonderen Handlungsbedarf: „In unserer Region gibt es sehr viele Jugendliche mit einem Schulabschluss, aber ohne Berufsabschluss. Diesen jungen Menschen müssen wir gemeinsam mit unseren Partnern eine Perspektive geben. Darin sehe ich eine wichtige Herausforderung für die kommenden Jahre.“
Aus Sicht der Agenturleiterin ist jetzt Eile das Gebot am Ausbildungsmarkt: „Wir sind in engem Kontakt mit den Schulen und ihren Klassen. Viele Ausbildungsbewerber hatten bereits ein Gespräch bei unserer Berufsberatung und bewerben sich nun. Zudem werden dieses Jahr in Bremerhaven zahlreiche Abiturienten des doppelten Abitur-Jahrganges entlassen. Die Bewerber sind also am Markt.“ Edens Appell daher: „Den Betrieben empfehle ich dringend, sich frühzeitig für die Ausbildung zu entscheiden. Wir unterstützen gerne bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen!“
(Quelle: Agentur für Arbeit Bremerhaven, 26.01.2012)


