Erstmals unter 3000 Arbeitslose im Dezember – 2011 toppt 2010
Auch auf dem Arbeitsmarkt noch kein Wintereinbruch
Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Arbeitsagentur Weißenburg ist im Dezember Vergleich zum November saisonbedingt leicht angestiegen, jedoch nicht in dem Maß früherer Jahre. Der bislang sehr milde Winter sorgt dafür, dass Aufträge auch jetzt noch abgearbeitet werden können. Viele Arbeitnehmer aus saisonreagiblen Branchen, vor allem des Bau- und Ausbaugewerbes, wie beispielsweise Maler, Elektriker, Trockenbauer aber auch Maurer wurden von ihren Arbeitgebern noch nicht freigesetzt.
Konjunkturelle Gründe für den Anstieg sieht der neue Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Weißenburg, Reinhard Flöter, derzeit nicht: „Der Anstieg hängt klar mit der Jahreszeit zusammen und war zu erwarten. Das belegen auch die Daten:
Männer – traditionell stark in witterungsabhängigen Außenberufen vertreten – waren stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, als Frauen.“
Niedrigster Stand der Arbeitslosigkeit der letzten zehn Jahre
Der milde Winter hat im Dezember auf dem Arbeitsmarkt nur für einen leichten Dämpfer gesorgt, denn die Zahl der Arbeitslosen bei der Agentur für Arbeit Weißenburg bleibt auch im Dezember unter der 3000er Marke. Insgesamt waren im Dezember 2.890 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, das sind zwar 215 mehr als im November, aber, verglichen mit Dezember 2010, 415 Männer und Frauen weniger.
Bemerkenswert ist die Entwicklung der letzten Jahre: In den Dezembervergleichen der Vorjahre war die Arbeitslosigkeit im Dezember 2004 am höchsten. Damals waren noch 7675 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote betrug 8,0 Prozent. Seither verzeichnet die Agentur für Arbeit einen stetigen Rückgang der Arbeitslosenzahlen, ausgenommen der Delle im Krisenjahr 2009. 2011 sind im Dezember erstmals weniger als 3000 Menschen im Agenturbezirk arbeitslos. Mit 2890 Arbeitslosen errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent. Das ist der bislang tiefste Dezember Stand im Agenturbezirk Weißenburg.
Arbeitslosenquote 3,0 Prozent
Innerhalb des Weißenburger Agenturbezirks beendet die Geschäftsstelle Roth das Jahr bei der Arbeitslosenquote mit einer zwei vor dem Komma. Mit 2,7 Prozent bleibt Roth der Spitzenreiter. Die Hauptagentur in Weißenburg schließt das Jahr mit einer Quote von 3,1 Prozent ab und die Geschäftsstelle Gunzenhausen mit 3,4 Prozent.
Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zählte im Oktober 1617 Arbeitslose und weist eine Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent aus. Im gesamten Landkreis Roth gab es 1679 Arbeitslose. Für den errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent. Die Agenturgeschäftsstelle betreut nur einen Teil des Landkreises.
Im Dezember meldeten sich in den Dienststellen der Agentur für Arbeit Weißenburg 1090 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neu oder erneut arbeitslos. Demgegenüber standen lediglich 881 Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit. Für den Agenturleiter, Reinhard Flöter auch keine Überraschung: „Kurz vor Weihnachten werden Personalentscheidungen eher auf das nächste Jahr verschoben, Neueinstellungen damit weniger.“
Reger Stellenzugang
Im Dezember hatte der gemeinsame Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und der beiden Jobcenter der Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Roth dennoch alle Hände voll zu tun: Die Arbeitgeber meldeten in den letzten Wochen des Jahres 185 freie Arbeitsstellen, 14 Prozent mehr als im Dezember 2010.
Die meisten Angebote kamen aus der Zeitarbeit, wobei hier die Auftragslage unterschiedlich ist. Zum Teil suchten Firmen Personal, andere aber mussten auch Personal entlassen, weil sich ihre Auftraggeber – zumindest vorübergehend bis nach den Weihnachtsferien – von ihren Zeitarbeitern trennten.
Ansonsten offerierten vor allem Arbeitgeber aus den Branchen Erziehung/Unterricht, Hotel- und Gaststättengewerbe, Ausbaugewerbe, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Verkehr, Personal. Im Baugewerbe und in der Gastronomie meldeten die Arbeitgeber ihre Stellen früher als sonst. Sie wollen im Frühjahr einstellen und möchten sich durch frühzeitige Suche das Personal für 2012 sichern.
Jahresrückblick 2011 und Ausblick 2012:
„Turbulent“, bringt es der neue Agenturchef auf den Punkt. „Das ist das geeignete Wort, um das Jahr 2011 zu beschreiben. Denn Weltweit gab es große Umbrüche, Umweltkatastrophen und Krisen, die sich auch in 2012 noch auswirken werden. Das Jahr 2011 brachte in der Region noch einmal einen kräftigen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Momentan ist schwer einschätzbar wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickeln wird. Die konjunkturelle Entwicklung ist derzeit sehr branchenabhängig und befindet sich im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Erwartungen und der Ungewissheit der europaweiten Finanzpolitik. Zudem wurde den Arbeitsagenturen von der Bundesregierung ein Sparkurs vorgegeben und die Auswirkungen der Instrumentenreform können erst im Verlauf des Jahres bewertet werden.
Sicher ist, dass das Thema demografische Entwicklung -und damit einhergehend die Deckung von Fachkräftebedarfen- die Agenturen auch die nächsten Jahre begleiten wird. Kein Monat ist vergangen, in dem keine Berichte über den Fachkräftemangel zu lesen waren. Viele Betriebe treibt die Sorge um, demnächst vor einem leer gefegten Arbeitsmarkt zu stehen. Diese Furcht ist nicht gänzlich unbegründet: Nach einer Prognose des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung werden aufgrund der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2025 bundesweit rund 2,7 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Da sind alle Arbeitsmarktakteure gefordert! Lassen sie uns gemeinsam Mittel und Wege finden!“
2011 toppt 2010
Der Arbeitsmarkt hat sich im abgelaufenen Kalenderjahr 2011 -selbst für viele Experten- überraschend positiv entwickelt. Die Arbeitslosigkeit reduzierte sich deutlich und mehr Arbeitgeber als in den Vorjahren nahmen die Dienste der Arbeitsagentur in Anspruch.
Firmen haben 2011 fleißig Personal gesucht
Der gemeinsame Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern besetzte 2011 knapp 1.300 Arbeitsstellen in der Region erfolgreich, obwohl der Arbeitsmarkt sehr schwierig war und die gesuchten Arbeitskräfte in vielen Branchen fehlten. Der Stellenbestand ist folglich um über 40 Prozent höher als im Vorjahresschnitt. Dieses Plus an gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Stellen (4.440 in 2011 gegenüber 3910 im Vorjahr) ist ebenfalls dem geringen Fachkräfteangebot geschuldet. Arbeitgeber finden auf anderen Wegen - Zeitung, Initiativbewerbungen, Internetbörsen - nicht mehr die gewünschten Arbeitskräfte, sodass sie vermehrt die Arbeitsagentur und oftmals zeitgleich mehrere Zeitarbeitsfirmen einschalteten. Das Jahr über waren Zuwächse in fast allen Branchen festzustellen.
Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 3,1 Prozent
Im Jahr 2011 betrug die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk durchschnittlich 3,1 Prozent. Im Jahr 2010 errechnete sich mit 3,9 Prozent noch eine deutlich höhere Quote. 2011 waren im Jahresschnitt 3070 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, im Vorjahr waren es 3810. Die Arbeitslosigkeit reduzierte sich damit um knapp ein Fünftel.
Bei Betrachtung Arbeitslosenquoten der Dienststellen des Agenturbezirks schneidet der Raum Roth mit einem Jahresmittel von 2,8 Prozent bei 1350 Arbeitslosen am besten ab. Es folgt Weißenburg mit 3,4 -1068 Arbeitslose - danach Gunzenhausen mit 3,5 Prozent (655 Arbeitslose). Aber: Beim Rückgang der Arbeitslosigkeit ist die Geschäftsstelle Gunzenhausen einmal nicht das Schlusslicht im Bezirk, denn an der Geschäftsstelle Gunzenhausen verringerte sich die Arbeitslosigkeit um über 20 Prozent und damit am stärksten im Agenturbezirk.
2011 wurden im Durchschnitt 46 Prozent aller Arbeitslosen - das waren 1410 Menschen- von den beiden Jobcentern der Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Roth betreut. Die Arbeitslosigkeit wurde bei den „Hartz IV-Empfängern“ um 13 Prozent abgebaut. „Der Abbau ist hier zwar nicht so spektakulär, wie der Rückgang bei den Arbeitsagenturen (minus 24 Prozent). Bezieht man aber die Tatsache ein, dass die Jobcenter sehr häufig Integrationsarbeit unter erschwerten Bedingungen leisten, weil Qualifikationsdefizite bestehen, Langzeitarbeitslosigkeit Folgen hinterlassen hat oder Probleme in der Person oder im Umfeld der Arbeitslosen vorliegen, so ist dies ein beachtliches Ergebnis“, so Reinhard Flöter.
Von Januar bis Dezember erfassten Arbeitsagentur und Jobcenter 12975 Arbeitslosmeldungen. Im gleichen Zeitraum beendeten 13467 Männer und Frauen ihre Arbeitslosigkeit, darunter nahmen 6120 von ihnen eine Erwerbstätigkeit auf, 2080 begannen eine Ausbildung oder nahmen an einer Maßnahme teil.
Alle Personengruppen konnten Arbeitslosigkeit abbauen
Mehr junge Leute mit wenig oder keiner Berufserfahrung, Ältere, Schwerbehinderte, aber auch Frauen und Männer, die länger erwerbslos waren, fanden 2011 einen Arbeitsplatz. Profitiert haben alle Personengruppen von der günstigen Arbeitsmarktentwicklung, wenn auch unterschiedlich stark: Die Arbeitslosigkeit reduzierte sich bei den unter 25jährigen um knapp 30 Prozent, bei Ausländern um 20 Prozent, bei Schwerbehinderten um 12 und bei den Älteren ab 50 Jahren immerhin noch um knapp 10 Prozent.
Ausbildungsmarkt: Weniger Bewerber – Mehr Ausbildungsplätze
Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in der Region war 2011 so hoch wie nie - 1324 Ausbildungsstellen waren zu besetzen. Im Berufsberatungsjahr suchten 1562 Bewerber einen Ausbildungsplatz. Rein rechnerisch kamen auf 100 gemeldete Bewerber 85 Ausbildungsstellen. Zum Vergleich: Am weitesten geöffnet war die Schere im Beratungsjahr 2004/2005. Damals boten Betriebe nur 850 Ausbildungsstellen an, gleichzeitig waren 2205 Bewerber für Berufsausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Weißenburg gemeldet. Auch zum Ausbildungsbeginn 2011 gab es für Bewerber immer noch gute, kurzfristige Angebote.
Positiv: Der Bewerberrückgang führte dazu, dass auch weniger Bewerber aus früheren Schulentlassjahren, auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren und Arbeitgeber auch schwächeren Schulabgängern eine Chance gegeben haben. Zur Sicherstellung des Ausbildungserfolgs hält die Agentur für Arbeit Unterstützungsangebote - insbesondere abH (ausbildungsbegleitende Hilfen) – bereit.
Allerdings blieben auch zahlreiche Ausbildungsplätze in der Region unbesetzt. Hier appelliert Flöter an die Betriebe, frühzeitig an die Besetzung ihrer Ausbildungsplätze zu denken.
(Quelle: Agentur für Arbeit Weißenburg, 03.01.2012)


