Die Zahl der Ausbildungsplätze steigt, während die Zahl der Bewerber sinkt.
Die Agentur für Arbeit Weißenburg zieht Bilanz zum Ausbildungsmarkt und Beratungsjahr vom 01. Oktober 2010 bis 30. September 2011. In diesem Jahr gab es bei rückläufigen Bewerberzahlen eine Zunahme der gemeldeten Lehrstellen und der zustande gekommenen Ausbildungsverhältnisse. Allerdings blieben auch mehr Lehrstellen unbesetzt als in den vergangenen Jahren. Der doppelte Abiturjahrgang wirkte sich auf den Ausbildungsmarkt kaum aus, denn Studienberechtigte sind nur in geringem Maße an der Aufnahme einer (dualen) Berufsausbildung interessiert. Der Zuwachs bei den gemeldeten Lehrstellen spiegelt die positive Konjunkturentwicklung der Wirtschaft wider. Aber auch der absehbare demografische Wandel hat manchen Arbeitgeber veranlasst, (wieder) auszubilden. Die Gründe, weshalb nach wie vor Lehrstellen unbesetzt bleiben, haben sich in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert: Einerseits beklagten Betriebe mangelnde Qualifikation und Ausbildungsfähigkeit unter den Bewerbern, andererseits gibt es nach wie vor Ausbildungsberufe, die von Jugendlichen kaum nachgefragt werden. So sind erneut beispielsweise Kochstellen und Ausbildungsmöglichkeiten als Fleischerei- oder Bäckereifachverkäuferinnen mangels Interessenten unbesetzt geblieben. Dazu kommen ungünstige Verkehrsverbindungen, Wochenendarbeit oder geringe Bekanntheit/Attraktivität des Ausbildungsberufs oder -betriebs. Insgesamt hält der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen weiter an, was sich nicht zuletzt in einer Zunahme der Studierenden niederschlägt.
Die Wirtschaft wird bald jeden jungen Menschen brauchen
Was heute zur Entlastung am Ausbildungsmarkt geführt hat, kann in den kommenden Jahren allerdings zu einem ernsthaften Nachwuchsproblem führen. Auf den ersten Blick scheinen die Entwicklungen unspektakulär, doch durch den Rückgang der Schulabgänger wird den Betrieben die Ressource „Azubi“ nicht mehr so einfach zur Verfügung stehen wie bisher. Die Konkurrenz zwischen den Ausbildungsplatzsuchenden wird abnehmen, gleichzeitig wird die Konkurrenz zwischen den Betrieben um interessierte Bewerber wachsen.
„Nicht allein die Schulnoten entscheiden über den Ausbildungserfolg“
Die Zahl der Ausbildungsplätze steigt - Agenturchefin Dr. Renata Häublein freut diese Entwicklung: „Die Unternehmen haben verstanden, dass Ausbildung die beste Möglichkeit ist, sich für die Zukunft zu wappnen. Trotz der positiven Bilanz appelliere ich an die Betriebe bei der Ausbildungsleistung nicht nachzulassen und dabei auch die weniger starken Bewerber noch stärker einzubeziehen. Denn der demografische Wandel wird sich in der Region künftig noch deutlicher bemerkbar machen.“
Die DGS Drahtgestricke GmbH in Ellingen ist seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Ausbildung stark engagiert und gibt auch Jugendlichen eine Chance, die auf den ersten Blick nicht die erste Wahl sind. Der Betrieb vertritt die Auffassung, dass diesem Engagement auch ein entsprechender Nutzen gegenübersteht – schließlich ist jede Form von Ausbildung eine Investition in die Zukunft. Auch übernimmt die Firma damit ein Stück weit gesellschaftliche Verantwortung.
Gute Erfahrung auch mit schwächeren Auszubildenden
Gute Erfahrungen hat die Firma bereits mehrfach mit Jugendlichen gemacht, die vor Beginn der Ausbildung zunächst eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, beispielsweise bei Kolping in Weißenburg, absolviert haben. Manfred E. Fritsche, Fertigungsleiter bei DGS weiß: „Was zählt sind Pünktlichkeit und Ausdauer. Ich kann die Lehrlinge nicht durch die Ausbildung tragen, aber mit Willen und Fleiß haben unsere Azubis bisher alle die Ausbildung geschafft. Bei Mehmet Deliaci haben in der Schule die Noten nicht gepasst. Aber dank Kolping hat er seinen Qualifizierenden Hauptschulabschluss mit Bravour bestanden. Heute ist er bereits im zweiten Ausbildungsjahr zum Maschinen- und Anlagenführer. Er ist zuverlässig und kann bereits morgens die Anlagen selbstständig in Betrieb nehmen. Als der Junge zu uns kam war er überaus schüchtern, doch mittlerweile ist es ihm gut gelungen, sich in die Firma zu integrieren. Er ist zwar immer noch ein ruhiger Mitarbeiter geblieben, traut sich aber zunehmend mehr zu. Das sieht man nicht zuletzt daran, dass er in der Berufsschule freiwillig sein Englisch-Zertifikat abgelegt hat.“
Praktikum das Mittel der Wahl
Wie bei vielen Firmen, ist auch bei DGS ist die Anzahl der Bewerbungen in den letzten Jahren gesunken. Die Firma setzt daher bei der Rekrutierung ihrer Auszubildenden auf Praktika. So können künftige Azubis und der Betrieb testen, ob die „Chemie stimmt“ und die Rahmenbedingungen passen.
Mädchen und Technik
DGS beteiligt sich darüber hinaus seit mehreren Jahren am jährlichen Girls‘ Day und Manfred Fritsche freut sich, dass er in diesem Jahr erstmalig ein Mädchen in einem technischen Beruf ausbilden darf. Julia Hirschberg heißt die junge Dame. Sie sagt von sich: „Ich habe mich schon immer für Technik interessiert und freue mich, hier als erstes Mädchen hier zur Maschinen- und Anlagenführerin ausgebildet zu werden.“
Das Hauptaugenmerk der Weißenburger Arbeitsagentur liegt nun auf den wenigen Bewerbern, die trotz intensiver Bemühungen seitens der Berufsberatung noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatten. Bereits im September gab es für die Jugendlichen Nachvermittlungsaktionen mit dem Ziel, jedem Bewerber ein Ausbildungsstellenangebot oder eine Alternative anzubieten. Zum Stichtag 30. September 2011 gab es noch 16 Jugendliche ohne ein solches Angebot. Unter Jugendlichen ohne Alternative sind auch sechs Abiturienten zu finden, die es versäumt haben, sich rechtzeitig um das Thema Ausbildung oder Studium zu kümmern.
In den kommenden Wochen wird es noch Veränderungen auf der Angebots- und Nachfrageseite kommen, die daraus resultieren, dass bereits geschlossene Ausbildungsverträge aufgelöst werden, wenn Betriebe und Bewerber feststellen, dass sie nicht zueinander passen. Dadurch ergeben sich noch Chancen für andere Bewerber.
Speziell für Schulabgänger, die der besonderen Unterstützung bedürfen, hält die Agentur für Arbeit eine breite Angebotspalette bereit. So wurden in diesem Jahr wieder berufsvorbereitende Bildungsangebote und außerbetriebliche Ausbildungsplätze eingerichtet, um auch Jugendlichen, die individuell gefördert werden müssen, bessere Startchancen zu eröffnen. Vorrangig sind jedoch die Betriebe gefordert. Zur Sicherung des Ausbildungserfolgs gibt es zur Unterstützung ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH). Über alle Fördermöglichkeiten informiert der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit.
Die Bilanz in Zahlen:
Zuwachs an gemeldeten Ausbildungsstellen
Die heimischen Unternehmen meldeten dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern seit Oktober vorigen Jahres 1324 Ausbildungsstellen. Dies waren 172 mehr als 2009/2010. Arbeitsagentur und Jobcenter richteten zudem 28 zusätzliche außerbetriebliche Ausbildungsstellen ein, neun weniger als im Vorjahr. Zum Berichtsjahresende 2010/2011 waren noch 166 Stellen unbesetzt. Im Vorjahr blieben zu diesem Zeitpunkt 103 Lehrstellen ohne Bewerber. Am weitesten geöffnet war die Schere im Beratungsjahr 2004/2005. Damals meldeten die Betriebe nur 850 Ausbildungsstellen,. gleichzeitig waren in diesem Jahr 2205 Bewerber für Berufsausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Weißenburggemeldet. Seit Beginn des Ausbildungsjahres 2010/2011 suchten 1562 Bewerber über die Berufsberatung der Agentur für Arbeit einen Ausbildungsplatz. Dies sind 134 Ausbildungssuchende weniger als im Vorjahr. Das Verhältnis Ausbildungsstellen zu Bewerbern hat sich deutlich entspannt: Rein rechnerisch kamen auf 100 gemeldete Bewerber 85 Ausbildungsstellen. 2004/2005 waren auf 100 Bewerber nicht einmal 40 Ausbildungsstellen gemeldet.
Unversorgte Bewerber
Waren im letzten Jahr noch 18 Jugendliche ohne Ausbildung und Alternative, geblieben, sind es aktuell zwei weniger (16). Fünf davon verfügen über einen Hauptschulabschluss, drei über Mittlere Reife, sechs haben Abitur, von den weiteren liegen keine Angaben vor. Auch für diese jungen Leute stehen noch Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote zur Verfügung.
Unbesetzte Berufsausbildungsstellen*
Freie Lehrstellen gibt es noch für Verkäufer (33), Kaufmann im Einzelhandel (24), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk- Bäckerei (9) sowie Fleischerei (21), Koch (7), Fachmann für Systemgastronomie (7), Bäcker (6) und Hotelfachmann (6).
*aufgrund der besseren Lesbarkeit wurde jeweils nur die männliche Schreibweise gewählt
Top Ten der Wunschberufe unverändert
Die Wunschberufe sind trotz Aktionstagen wie dem Girls‘ und Boys‘ Day oder Werbeaktionen für Mädchen für MINT-Berufe („MINT“ steht für die Fachgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) seit Jahren unverändert geblieben: Bei den jungen Frauen stehen die Ausbildungsberufe Verkäuferin (64), Kauffrau für Bürokommunikation (58), Medizinische Fachangestellte (51), Industriekauffrau (46) und Kauffrau im Einzelhandel (44), auf der Wunschliste ganz oben. Ein technischer Beruf ist unter den Top Ten der Ausbildungsberufe bei den Mädchen nicht zu finden. Die jungen Männer präferieren die technischen Berufe, vor allem: Kraftfahrzeugmechatroniker (68), Industriemechaniker (60), Metallbauer (25) oder Mechatroniker (25). Aber auch Dienstleistungs-und Büroberufe wie Industriekaufmann (44) oder Kaufmann im Einzelhandel (40) stehen bei den Jungen weit oben auf der Liste.
Rechtzeitig aktiv werden
Die Agenturchefin rät künftigen Schulabgänger/innen sich rechtzeitig über Ausbildungsberufe zu informieren und die Angebote der Agentur für Arbeit, wie beispielsweise Internetangebote unter www.planet-beruf.de, zu nutzen oder sich im Berufsinformationszentrum einen Überblick zu verschaffen. Daneben sollte ein Beratungstermin bei der Berufsberatung nicht fehlen, denn je früher Aktivitäten beginnen, desto größer sind ihre Chancen, den Wunsch-Ausbildungsplatz zu ergattern. Gleiches gilt für Arbeitgeber, die die Bewerberauswahl nicht auf die lange Bank schieben sollten. Hinweis:Die vorgelegten Zahlen bilden ausschließlich die Statistiken der Arbeitsagentur ab. Die Daten beziehen sich nur auf Bewerber, die sich bei der Arbeitsagentur oder den Jobcentern gemeldet haben sowie auf die dort gemeldeten Stellen. Die Partner im Pakt für Ausbildung geben zum Jahresende gemeinsam einen weiteren Überblick über den Ausbildungsmarkt 2010/2011. Auch die Zahl der bei den Kammern eingetragenen Ausbildungsverhältnisse liegt erst zum Jahresende vor.
(Quelle: Arbeitsamt Weißenburg, 07.11.2011)


