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Deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit im September

Im September ist ein Rückgang der registrierten Arbeitslosigkeit zum Vormonat wegen der Herbstbelebung nach der Sommerpause üblich. „Die gedämpften Wachstumsprognosen und die Unsicherheiten Finanzmärkte tangieren die hiesige Wirtschaft und den Arbeitsmarkt nicht. Die Auftragsbücher der Betriebe in der Region sind gut gefüllt. Arbeitgeber stellen nach den Betriebsferien vermehrt ein. Im September ist folglich die Arbeitslosigkeit erwartungsgemäß, im Bezirk der Agentur für Weißenburg, gesunken. Dies ist neben der Einstellungsbereitschaft der Betriebe auch auf die, nach den Ferien, jahreszeitlich übliche Abmeldung jüngerer Arbeitsloser wegen Aufnahme schulischer oder betrieblicher Ausbildungsgänge zurückzuführen“, kommentiert Friedrich Weickmann, operativer Bereichsleiter der Agentur für Arbeit, die neuen Zahlen vom Arbeitsmarkt. Arbeitslosenquote wieder mit einer „Zwei“ vor dem Komma: Im Berichtsmonat waren in Weißenburg, Gunzenhausen und Roth 2.735 Arbeitslose registriert. Damit lag die Arbeitslosenzahl um 190 niedrigerer als im August. Gegenüber dem September 2010 hat sich die Arbeitslosigkeit um 510 Personen oder gut 15 Prozent reduziert.

Die Dienststellen der Agentur für Arbeit Weißenburg betreuten 1.450 Arbeitslose. Um 1285 Männer und Frauen kümmerten sich die beiden Jobcenter. Die Arbeitslosenquote ist wieder unter die Drei-Prozent-Marke gesunken und liegt bei 2,8 Prozent – gegenüber 3,0 Prozent im Vormonat. Vor einem Jahr war die Quote mit  3,3 Prozent noch deutlich höher. Der Agenturbezirk Roth schneidet mit 2,7 Prozent am günstigsten ab, gefolgt von Weißenburg mit 2,9 und Gunzenhausen mit 3,0 Prozent.

Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen zählte im September 1.445 Arbeitslose und weist eine Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent aus. Im Landkreis Roth gab es 1.740 Arbeitslose, daraus errechnet sich eine Quote von 2,6 Prozent.

Der Rückgang erklärt sich über das Ende der Urlaubszeit und den Schulanfang. Im Berichtsmonat meldeten sich deutlich mehr Männer und Frauen aus der Arbeitslosigkeit ab, als an. 967 Arbeitslosmeldungen standen  1.162 Abmeldungen gegenüber. In den vergangenen drei Quartalen hat die Agentur für Arbeit knapp  10.000 neue oder erneute Arbeitslosmeldungen entgegengenommen. Im gleichen Zeitraum beendeten  10.620 Personen ihre Arbeitslosigkeit.

Gut ausgebildete Jugendliche sind die derzeitigen Gewinner am Arbeitsmarkt. Andere Personengruppen -Langzeitarbeitslose, Schwerbehinderte, Ausländer bzw. Migranten- haben es am Arbeitsmarkt deutlich schwerer und sind zudem häufig mit einer Reihe von Vorurteilen behaftet.

„Alles ist möglich!“

Fast 20 Prozent der Einwohner in Bayern haben einen so genannten Migrationshintergrund. Das heißt, jeder Fünfte Einwohner – ist entweder Ausländer, eingebürgerter Deutscher, als Deutscher geborenes Kind aus Familien mit Migrationshintergrund, oder Spätaussiedler. Häufig haftet diesen Personen ein Makel an. Die Diskussion um Migration und Integration gehört inzwischen zur politischen Tagesordnung. Ein differenzierter Blick auf diese Gruppe zeigt, dass Migrant nicht gleich Migrant ist. Die Förderung von Migranten ermöglicht Chancen, nicht nur für die Personen selbst, sondern auch für die Wirtschaft.

Anton Solotich ist ein Paradebeispiel gelungener Integration. Der Russlanddeutsche war 20 Jahre alt, als er 1995 von Moskau nach Gunzenhausen kam. „Ich wollte schon immer beweisen, dass wir auch was können. Den Stempel -Russe ist gleich Schwarzarbeiter- lasse ich mir nicht aufdrücken“, sagt er.

Doch der Reihe nach: Solotich hat zwar deutsche Wurzeln sprach aber zunächst kein Wort Deutsch. Nach einem Dreimonatigen Sprachkurs hielt er sich mit verschiedenen Helfertätigkeiten über Wasser. Mit 22 Jahren beschloss er, dass er seinem Leben eine neue Richtung geben müsse und sprach in der Agentur für Arbeit Gunzenhausen vor. Von da an ging es mit seiner beruflichen Karriere steil bergauf. Er besuchte beim bfz Weißenburg (Berufliches Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft) eine kombinierte Maßnahme aus Deutschtraining und Teilqualifizierung Kunststofftechnik. Verschiedene Betriebspraktika, führten schließlich zu einer Einstellung bei der Firma KTW Kunststofftechnik in Weißenburg. Dort begann er als Produktionshelfer. „Ich war fit an der Maschine, doch die theoretischen Grundlagen fehlten mir“, sagt Solotich rückblickend. Also drückte er erneut die Schulbank beim bfz und absolvierte berufsbegleitend eine weitere Qualifikationsmaßnahme, die mit IHK-Prüfung zum Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik abschließt. KTW hat dies mit entsprechenden Schichtplänen, Freistellungen und der Bereitstellung der notwendigen Materialien für die Prüfung unterstützt. Heute ist er als Schichtführer für 25 – 50 Mitarbeiter verantwortlich. Und er arbeitet weiter an seiner Karriere: In der Kunststofffachschule des bfz bildet er sich über vier Jahre berufsbegleitend zum Techniker weiter. Ein Jahr mit Unterricht jeweils freitags und samstags hat er schon geschafft. Auf die Frage nach seiner Motivation antwortet er lächelnd: „Meine beiden Töchter sind meine größte Motivation. Sie sollen stolz auf ihren Papa sein. Dafür opfere ich gerne meine Freizeit und denke nur Schule, Schule, Schule…“. Gabriele Olschok vom bfz fügt sichtlich stolz hinzu: „Von unseren Absolventen ist keiner arbeitslos. Den Teilnehmern wird nichts geschenkt, aber irgendwann lohnt sich das!“.

Michaela Gabler, Personalverantwortliche bei KTW freut sich über so engagierte Mitarbeiter. „Unserem Unternehmen ist bewusst, dass wir auf den demographischen Wandel reagieren müssen, wenn wir auch in Zukunft weiter erfolgreich sein wollen. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels ist die Qualifikation der Beschäftigten einer der Schlüssel für den Unternehmenserfolg“, sagt sie. KTW setzt dabei neben der Ausbildung eigener Nachwuchskräfte, auch auf die Weiterqualifizierung von eigenen Mitarbeitern.

Schlüssel: Qualifizierung

Der Kampf um gute Fachkräfte hat bereits begonnen. Einen Königsweg gibt es nicht. Vielmehr gilt es für Betriebe unterschiedliche Mosaiksteine für sich zu nutzen, künftigen Arbeitskräftebedarf zu decken. Ein möglicher Ansatz - Familienfreundliche Personalpolitik - wurde kürzlich in der Agentur für Arbeit im Rahmen eines Arbeitsmarktgesprächs diskutiert. Eine andere Möglichkeit ergibt sich aus der Nutzung vorhandener Potenziale über Qualifizierung von Mitarbeitern beispielsweise über das Instrument WeGeBau (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen). Nähere Informationen über Fördermöglichkeiten gibt es bei den Ansprechpartnern im Arbeitgeber-Service Udo Bierl (Tel. 09141  871-137), Sonja Luber (09141 871-441) und Gabriele Göbel (09171 841-34).

Mehr Stellen gemeldet

Der steigende Stellenbestand zeigt zusätzlich, dass es für die Arbeitsagentur zunehmend schwieriger wird passende Arbeitskräfte zu vermitteln. Mit 857 offenen Stellen waren 10 Stellen mehr vakant als im August. Im Vorjahresvergleich verzeichnet die Agentur einen Anstieg um 190 Stellen. Damit sind aktuell knapp 30 Prozent mehr Stellen im Bestand als noch im September letzten Jahres. Erfolge gelingen, meist über schnelle Vermittlungsvorschläge von neu gemeldeten Arbeitsuchenden. Das bedeutet: Wer einen gefragten Beruf -Metall, Kunststoff oder, Pflege- hat, bleibt nicht lange arbeitslos, sondern kann häufig sogar zwischen mehreren Angeboten wählen.

Im September meldeten die Arbeitgeber 350 neue offene Stellen zur Besetzung. Davon kam gut ein Drittel kam aus der Zeitarbeit. Außerdem zeigen die Industrie, das Bau- und Ausbaugewerbe und das Gesundheitswesen großen Arbeitskräftebedarf an. Auch Berufskraftfahrer werden laufend gesucht. Der Handel, darunter insbesondere der Kfz-Handel, fällt positiv auf. Im Kfz-Gewerbe werden vor allem Fachkräfte wie Kfz-Mechatroniker, Kfz-Meister, Fahrzeuglackierer gesucht. Dagegen gibt es im Groß- und Einzelhandel nur wenige Angebote für klassische Verkäufer/innen oder Einzelhandelskaufleute. Vielmehr werden Arbeitskräfte im Lager, für Vertrieb und Außendienst, als Kraftfahrer oder vereinzelt auch in technischen Berufen gesucht.

Ausbildungsmarkt

Im September 2011 erfolgt keine Berichterstattung über den Ausbildungsmarkt. Die Jahresbilanz über Bewerber für Berufsausbildungsstellen und Berufsausbildungsstellen erfolgt erst zum Abschluss des Berufsberatungsjahres 2010/2011. Der Veröffentlichungstermin hierfür ist auf den 07.11.2011 festgelegt.

(Quelle: Agentur für Arbeit Weißenburg, 29.09.2011)

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