Ausbildungsstellenmarkt: Der Realität ins Auge sehen
Agentur für Arbeit: Betriebe sollten nicht nur nach den Besten suchen und Jugendliche nicht nur nach dem Traumberuf In der Vergangenheit war für die Agentur für Arbeit das alleinige Ziel des jährlichen Tages des Ausbildungsplatzes - in diesem Jahr am 18.Mai - möglichst viele zusätzliche Ausbildungsstellen zu werben, da deren Zahl deutlich geringer war als die der Bewerber. Die Situation hat sich allerdings in den letzten beiden Jahren zu Gunsten der Bewerber geändert. Inzwischen haben einige Bereiche, speziell im Handwerk, Schwierigkeiten, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, während beispielsweise bei den Büroberufen nach wie vor deutlich mehr Interessenten als Ausbildungsstellen gezählt werden.
„Um auch den Betrieben mit nur wenigen Bewerbern ausreichend potenzielle Fachkräfte zu sichern und andererseits möglichst vielen Jugendlichen zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen, setzten wir in diesem Jahr an zwei Punkten an“, erläutert Thomas Stelzer, Leiter der Schweinfurter Arbeitsagentur, seine Strategie anlässlich des Tages des Ausbildungsplatzes. „Häufig herrschen völlig falsche Vorstellungen über die weniger beliebten Berufe“, so Stelzer weiter, „deshalb gaben wir den betroffenen Firmen am Tag des Ausbildungsplatzes im Rahmen mehrerer Pressegespräche die Gelegenheit, diese falschen Vorstellungen gegenüber der Öffentlichkeit zu korrigieren.“ Die Arbeitsagentur hofft, dass dadurch mehr Schulabgänger erkennen, dass es neben dem bekannten Traumberuf noch viele interessante Alternativen gibt.
Anderseits hat aber mancher Ausbildungsbetrieb noch nicht realisiert, dass bei den Schulabgängern nicht mehr so „aus dem Vollen geschöpft“ werden kann, wie es jahrelang der Fall war. Die demografische Entwicklung wird das Angebot künftig weiter reduzieren. „Unser zweiter Ansatz war deshalb, den Betrieben
zu vermitteln, dass nicht nur die Spitzenbewerber mit den besten Noten erfolgreich eine Ausbildung abschließen können“, erklärt der Agenturleiter. Neben der üblichen Akquise zusätzlicher Ausbildungsstellen für die Bereiche, in denen noch Bedarf besteht, warben die Fachkräfte der Agentur für Arbeit gezielt für Bewerberinnen und Bewerber, die auf den ersten Blick nicht zu den Favoriten zählen. Im persönlichen Gespräch mit den Personalverantwortlichen der Firmen wurden die Bewerbungsmappen dieser Jugendlichen vorgestellt.
Als Erfolg der Aktion konnte neben über 30 geworbenen zusätzlichen Ausbildungsplätzen verbucht werden, dass zwölf junge Menschen nunmehr doch die Chance bekommen, sich zumindest persönlich vorzustellen. In den meisten Fällen erhalten sie sogar die Gelegenheit, im Rahmen eines Praktikums zu beweisen, dass nicht nur „Olympioniken“ das Ziel erreichen können.
„Ein erfreuliches Ergebnis,“ so Stelzers Resümee, „doch das Wichtigste für uns ist die Bewusstseinsänderung auf beiden Seiten. Jugendlichen und ihren Eltern sollte bewusst werden, dass es über 200 und nicht nur wenige Ausbildungsberufe gibt. Andererseits müssen Ausbildungsbetriebe, die den Mangel an geeigneten Bewerbern beklagen, erkennen, dass nicht nur die vermeintlichen Spitzenkräfte erfolgreich eine Ausbildung absolvieren können und wertvolle Mitarbeiter werden.
(Quelle: Agentur für Arbeit Schweinfurt, 15.06.2011)


