Frauen im Agenturbezirk Nürnberg – DAS Potenzial qualifizierter Fachkräfte für die Region
„Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Bayern wächst seit Juni 2005 kontinuierlich“, erklärte kürzlich Ralf Holzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern. Bayernweit liegt die Beschäftigungsquote bei 50,0 Prozent (Stand 06/2010). „Auch im Agenturbezirk Nürnberg gibt es deutlich mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen als vor sechs Jahren“, führt Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nürnberg an. Derzeit (Stand Dezember 2010) sind 237 774 Frauen im Agenturbezirk Nürnberg sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 4 891 oder 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2005 ist Ihre Zahl um 18 032 oder 8,2 Prozent gestiegen. Die Beschäftigungsquote von Frauen in der Region liegt mit 51,0 Prozent (Stand 06/2010) über der von Bayern und Deutschland mit 47,5 Prozent. Frauen möchten auch mit Kindern berufstätig sein. Das heutige Rollenverständnis von Frauen beinhaltet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gegebene Rahmenbedingungen, wie ausreichende Kinderbetreuung für Klein- und Schulkinder, die Infrastruktur und die Arbeitszeitgestaltung sind noch ausbaufähig. Eine flexible Kinderbetreuung, eine Umverteilung der Aufgaben innerhalb der Familie und die Unterstützung des sozialen Netzwerkes lassen die Doppelbelastung reduzieren. Familienfreundliche Initiativen von Arbeitgebern, wie z.B. Eltern-Kind-Zimmer und Telearbeit helfen, damit Frauen ihre Stärken und ihre Qualifikation besser auf dem Arbeitsmarkt einbringen können.
Gegenüber Dezember 2005 ist die Zahl der in Teilzeit Beschäftigten Frauen und Männer um 21,7 Prozent (plus 18 184) gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der in Vollzeit Beschäftigten um 14 894 oder 3,7 Prozent auf 416 446. Von insgesamt 518 613 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten 101 943 oder 19,7 in Teilzeit (Stand Dezember 2010). Ihre Zahl erhöhte sich im vergangenen Jahr um 3 253 oder 3,3 Prozent. 81,7 Prozent (83 304) der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Die Zahl der in Vollzeit Beschäftigten stieg im letzten Jahr um 6 643 (plus 2,1 Prozent) an. Der Frauenanteil bei den geringfügig entlohnten Beschäftigungen liegt mit 73 502 Personen bei 63,6 Prozent (Stand 12/2010).
Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB-Kurzbericht 09/2011) hat festgestellt, dass die Hälfte der regulär teilzeitbeschäftigten Frauen und zwei Drittel der Mini-Jobberinnen die vereinbarte Arbeitszeit gerne deutlich ausweiten würden. Die Erweiterung der Arbeitszeit der Frauen, z.B. von 25 auf 30 Wochenstunden – auf die sogenannte reduzierte Vollzeit ermöglicht der weiblichen Fachkraft sich besser einzubringen und hilft dem Arbeitgeber bei seiner Personaleinsatzplanung.47,3 Prozent der Beschäftigten mit Berufsausbildung im Agenturbezirk sind Frauen. Das sind 135 723. Bei Akademikern liegt Ihr Anteil bei 31,9 Prozent (22 683 Frauen). Jedoch stieg die Zahl der beschäftigten Akademikerinnen im letzten Jahr um 1 307 oder 6,1 Prozent auf 22 683 an. Bei den Männern fiel der Zuwachs um 2,4 Prozent (plus 1 148) auf 48 344 niedriger aus.
Im Juli 2011 waren im Agenturbezirk Nürnberg 16 479 Frauen arbeitslos gemeldet. Das sind 49,1 Prozent der Arbeitslosen. Die Arbeitslosenquote der Frauen beträgt 5,4 Prozent. Davon haben 6 406 oder 38,9 Prozent eine abgeschlossene Ausbildung, 955 (5,8 Prozent) sind Akademiker. Aufschlussreich, so die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Ingrid Kugler, ist die Betrachtung der Altersstruktur der erwerbstätigen Frauen und Männer im Agenturbezirk. Bei den 20 bis 24-jährigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist der Frauenanteil mit 51 Prozent noch größer als der der Männer. Der Anteil der weiblichen Beschäftigten sinkt jedoch mit zunehmenden Alter (25 bis 49 Jahre 45,6 Prozent, 50 bis 54 Jahre 45,3 Prozent, 55 bis 64 Jahre 44,2 Prozent).Kugler weiß, dass sich die Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Erwerbsbiographie von Frauen auswirkt. In ihren Informationsveranstaltungen für Berufsrückkehrerinnen und Wiedereinsteigerinnen, gibt sie Frauen regelmäßig Tipps zur Planung und Organisation des Wiedereinstiegs nach der Elternzeit sowie zum Thema Arbeitsplatzsuche. Dabei empfiehlt sie das Internetportal www.perspektive-wiedereinstieg.de.
Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen, die den Wiedereinstieg ins Berufsleben entschlossen angehen wollen. Wer eine Beschäftigung sucht, kann sich persönlich, telefonisch oder auch online bei der Arbeitsagentur arbeitsuchend melden, um passende Stellenangebote zu erhalten. In einem persönlichen Beratungsgespräch erarbeiten die Vermittlungsfachkräfte eine individuelle und wirkungsorientierte Bewerberstrategie. Bewerbungstrainings in Teilzeit sind eine Möglichkeit um hier gezielt zu unterstützen. Zudem kann eine berufliche Weiterbildung unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden. Ein Beispiel ist die Auffrischungsqualifizierung für Medizinische Fachangestellte für Bewerberinnen, die nach einer längeren Familienphase wieder in ihrem Beruf zurückkehren möchten.
Auf Grund der demografischen Entwicklung wird das so genannte Erwerbspersonenpotenzial, die Gesamtzahl von Personen in Deutschland, die theoretisch in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen, bis zum Jahr 2025 um rund 6,5 Millionen Personen sinken und damit auch das Angebot an qualifizierten Fachkräften. Weibliche Fachkräfte werden daher auch in Zukunft, insbesondere durch den zunehmenden Fachkräftebedarf verstärkt gesucht.
(Quelle: Arbeitsagentur Nürnberg, 12.08.2011)


