Die Region Landshut setzt verstärkt auf die Faserverbundtechnologie
Der Einsatz von neuen Technologien und die Innovationskraft in strategischen Bereichen bildet eine wesentliche Grundlage für den Wohlstand in der Region Landshut. Ein zukunftsweisendes Segment stellt hier die Faserverbundtechnologie (z. B. CFK) dar.
Die Verarbeitung dieses Werkstoffes verlangt ein hohes technisches Knowhow und spezielle berufliche Kenntnisse. Um diesen Fachkräftebedarf künftig zu sichern, haben Landrat Josef Eppeneder, Oberbürgermeister Hans Rampf und Maria Amtmann (Leiterin der Arbeitsagentur Landshut), Vertreter der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der Hochschule Landshut und der Firma BMW Landshut eingeladen. Ziel ist es, die Region Landshut gemeinsam zu einem Kompetenzzentrum für die Faserverbundtechnologie zu etablieren.
Nach Auffassung von Hans- Günther Niklas (Leiter Personalmanagement und Berufsausbildung der BMW AG Landshut) wird die Faserverbundtechnologie den Fahrzeugbau künftig entscheidend beeinflussen. Der extrem leichte und sehr stabile Werkstoff findet immer mehr Bedeutung auch bei den Zulieferbetrieben und im Werkzeugbau. Die BMW AG Landshut hat die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt und nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. Das Berufsbild des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik wird auf ihr Betreiben hin ab August 2012 den geänderten Anforderungen der industriellen Verarbeitung angepasst und mit neuen Inhalten hinterlegt.
Josef Hochleitner (Geschäftsführer) und Hans Graf (Vizepräsident) von der Industrie- und Handelskammer Niederbayern stellten ihr aktuelles Bildungsangebot im CFK-Bereich vor. Unter anderem will die IHK durch die Zertifizierungslehrgänge „Technologie der Faserverbundwerkstoffe/ CFK“ sowie „IHK-Fachkraft Faserverbund“ und die Fortbildung zum „geprüften Industriemeister/-in Fachrichtung Faserverbundwerkstoffe“ fachübergreifende Kenntnisse vermitteln. Diese Qualifizierungen werden bereits ab Herbst 2011 angeboten.
Die neue Technologie bietet auch für das Handwerk interessante Ansätze. Laut Hans Schmidt (Bereichsleiter) von der HWK Niederbayern/ Oberpfalz werden einige Handwerksberufe aus den Bereichen KFZ, Karosseriebau und Metallbearbeitung um das Thema Faserverbundwerkstoffe erweitert.
Damit wird die Attraktivität dieser Berufe weiter erhöht. Um den Technologietransfer in das Handwerk sicherzustellen wird der Kontakt der Technologieberater der HWK zur Hochschule verstärkt.
Die Hochschule Landshut stellt die wissenschaftliche Begleitung dieses Leuchtturmprojektes in ihren Fokus. Prof. Dr. Helmuth Gesch (Vizepräsident der Hochschule Landshut) sieht hier die erfolgreiche Fortführung und Erweiterung des Masterstudienganges Leichtbau und Simulation im Vordergrund. Die Bachelorstudiengänge Maschinenbau sowie Automobil- und Nutzfahrzeugtechnik werden bereits inhaltlich den neuen Technologien angepasst. Auf den Gebieten Verbundwerkstoffe und Hybride Leichtbaustrukturen werden bereits mehrere Forschungs- und Entwicklungsprojekte am Kompetenzzentrum Leichtbau der Hochschule Landshut (LLK) durchgeführt, so Prof. Dr. Otto Huber (Leiter des Bereichs Leichtbau).
Diese beinhalten die Charakterisierung, Simulation, Konstruktion, Prototypenfertigung und Erprobung von Leichtbaustrukturen aus Verbundwerkstoffen und Werkstoffverbünden. Die Verarbeitung von Metall und Faserverbundwerkstoffen im Kfz-Bereich stellt hohe Anforderungen an die Klebetechnik. In Kooperation mit dem Fraunhoferinstitut IFAM Bremen und dem Leichtbau Cluster wurden die Qualifizierungsmaßnahmen zum „Klebpraktiker“ und „Klebfachkraft“ von Prof. Dr.
Karl Friedrich Reiling (Leiter Labor Klebtechnik und Verbundwerkstoffe) initiiert. Volker Stieg (Leiter des Kompetenzzentrums) will im Rahmen von Hochschulzertifikaten das erweiterte Bildungsangebot der Hochschule Landshut komplettieren.
Landrat Josef Eppeneder und Oberbürgermeister Hans Rampf sehen ihre Aufgabe darin, für das gewaltige Bildungsspektrum die entsprechenden Rahmenbedingungen in der Region Landshut zu schaffen und ihren politischen Einfluss geltend zu machen. Speziell im Hochschulbereich sollen hier Fördergelder für eine Professur „Faserverbundwerkstoffe und Hybride Strukturen“ bei der Landesregierung erwirkt werden.
Die Region Landshut sieht sich jetzt schon sehr erfolgreich in der Faserverbundtechnologie aufgestellt und wird sich sehr dynamisch den künftigen Anforderungen anpassen, darin waren sich alle Beteiligten am Ende einig. Als nächster Schritt ist unter der Federführung der Industrie- und Handelskammer eine erste Informationsveranstaltung für die interessierte Öffentlichkeit an der Hochschule Landshut für Oktober dieses Jahres geplant.
(Quelle: Arbeitsagentur Landshut, 28.09.2011)


