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Vom Praktikanten zum anerkannten Mitarbeiter

Leuchtturmprojekt für Jugendliche der Berufsschulstufe der Lebenshilfe am Flughafen München

Er hat es geschafft! Yücel Cesur ist es gelungen, wovon viele junge Menschen in vergleichbarer Situation nur träumen können: Er hat einen Arbeitsvertrag in der Tasche und ist damit auf dem ersten Arbeitsmarkt angekommen. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt ihm der Rummel, den es plötzlich um ihn gibt: Yücel Cesur ist Entlass-Schüler der Fröbelschule Freising und hat einen Job im Bereich Fahrzeugpflege bei der Flughafen München GmbH (FMG) ergattert. Dass er seine Arbeit gut macht, attestieren ihm sein Ausbilder Thomas Philippi und Friedrich Dobmeyer bei einem Besuch der Agentur für Arbeit und der Lebenshilfe Freising vor Ort.

Doch der Weg dahin war nicht leicht, wie Annette Martin von der Lebenshilfe bestätigt, die über Monate ein Netzwerk - raus aus dem geschützten Bereich der Schule, rein in die Arbeitswelt - aufgebaut hat. Angefangen mit einwöchigen Schnupperpraktika, finden mittlerweile drei Mal jährlich zweiwöchige Blockpraktika bei der FMG statt, darüber hinaus gibt es regelmäßig einen Praxistag für behinderte Jugendliche pro Woche als feste Einrichtung. Ziel ist es, über eine Schulpartnerschaft und die Gründung einer Schülerfirma Ausbildungsanteile in die Berufsschulstufe der Lebenshilfe einzubinden. Wunschziel ist auch, über die Einrichtung von Außenarbeitsplätzen in der Zusammenarbeit mit der Werkstätte für behinderte Menschen oder über eine Festanstellung bei der FMG, für jeden den richtigen Arbeitsplatz zu schaffen. „Wir haben hier mit dem Flughafen einen einzigartigen Partner für unsere Zusammenarbeit gewonnen, den andere Regionen nicht haben“, betont Annette Martin. „Der Flughafen erfüllt durch seine Größe und Vielfältigkeit viele Rahmenbedingungen, die man für ein solches Projekt benötigt. Er ist verkehrstechnisch gut erreichbar, bietet auch einfach erlernbare Tätigkeiten an und ist personell gut ausgestattet. Außerdem habe ich hier viele Menschen getroffen - allen voran den Geschäftsführer der FMG Dr. Michael Kerkloh - die unsere Arbeit mit Herzblut unterstützen.“

Ideale Rahmenbedingungen zur Beschäftigung schwer behinderter junger Menschen fand Karin Weber, Chefin der örtlichen Agentur für Arbeit in Begleitung des Reha-Beraters Raphael Steinberger auch bei der Firma LSG Sky Chefs GmbH. Der Leiter der Ausbildung Jürgen Herzner ist von dem Praktikumsprojekt überzeugt: „Sicherlich war es anfangs auch für uns als Arbeitgeber nicht einfach. Bei einem solchen Projekt läuft nicht von Beginn an alles rund. Das war sowohl für die Jugendlichen als auch für uns eine große Herausforderung. Doch wenn die jungen Menschen Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sowie eine große Portion Mut mitbringen, ist vieles denkbar - warum nicht?“

Doch so wie Jürgen Herzner denken noch nicht viele Arbeitgeber. Das „Mittendrin“, das die Vereinten Nationen fordern und das seit dem Frühjahr 2009 Grundlage der deutschen Behindertenpolitik ist, ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen. Gerade für Menschen mit geisti-ger Behinderung, die bislang nach der Schule in speziellen Werkstätten und damit in einer geschützten - aber eben auch geschlossenen Umgebung - eine Anstellung fanden, gibt es noch viel zu tun. „Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung muss uns ein ge-sellschafts- und arbeitsmarktpolitisches Anliegen sein“, bekräftigt Karin Weber. „Behinderte Menschen sind - richtig eingesetzt - für alle eine Bereicherung. Diese Gruppe wurde aber vom wirtschaftlichen Aufschwung kaum mitgenommen. Denn das Bild, das wir von diesem Perso-nenkreis haben, ist immer mit Einschränkungen verbunden. Ich wünschte, viele hätten gesehen, mit welcher Freude und welchem Eifer Herr Cesur heute eine riesige Gangway gereinigt hat. Das Projekt der Lebenshilfe mit der FMG hat echte Leuchtturmqualität!“

Dass Visionen bei ihrer täglichen Arbeit von Nöten sind, bekräftigte Hildegard Waldinger, Bereichsleiterin der Lebenshilfe Freising. Nur so ließe sich für ihre Schützlinge etwas erreichen. Peter Maeke, zuständiger Referent für die Schul- und Bildungskooperationen und das Partner-schaftnetzwerk der FMG sagte ihr dabei alle erdenkliche Unterstützung zu. Vielleicht realisiert sich eines Tages auch der Traum von Annette Martin: „Warum kann die Maschine, mit der in der Werkstatt für behinderte Menschen Bestecke und Kopfhörer verpackt werden, nicht auch direkt vor Ort beim Auftraggeber stehen?“ Dass der Weg dorthin noch steinig ist, weiß sie - aber es wäre der perfekte Weg zur Inklusion.

(Quelle: Agentur für Arbeit Freising, 15.12.2011)

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