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Trotzdem voll leistungsfähig

Wer Marcus Kraus an seinem Schreibtisch sitzen sieht, merkt nicht, dass er eine Behinderung hat. Erst wenn er aufsteht und sich bewegt ist zu sehen, dass er ein wenig steif geht.

Die versteiften Gelenke sind eine Folge seiner Bluterkrankheit. Blut dringt in seine Gelenke ein und dadurch werden diese langsam zerstört. Aufgrund seiner Krankheit hat Marcus Kraus einen Grad der Behinderung von 80. Voll leistungsfähig ist er trotzdem. „Ich kann nur nicht lange stehen oder schwer heben.“

Marcus Kraus ist IT-Systemkaufmann bei der Quentia AG, einem Tochterunternehmen der Andreas Schmid Logistik, das IT-Lösungen für Unternehmen und Software für die Logistikbranche entwickelt. Seine Aufgabe ist u.a. die Beschaffung von Hardware und die Unterstützung des Außendienstes. Gelernt hat der gebürtige Hallenser Fachkraft für Lagerlogistik. Doch durch seine Krankheit fiel ihm das Fahren des Gabelstaplers immer schwerer. „Irgendwann ging es nicht mehr, denn ein Fuß musste versteift werden und kurze Zeit später musste ein Knie durch eine Prothese ersetzt werden.“ Also schulte er mit Unterstützung der Arbeitsagentur zum IT-System-kaufmann um. Zwei Jahre arbeitete er als solcher im Vertriebsinnendienst, bis er aus betrieblichen Gründen seine Anstellung verlor und arbeitslos wurde.

Marcus Kraus lässt sich nicht entmutigen, geht zur Arbeitsagentur, bewirbt sich bei der Quentia AG und bekommt schnell die Zusage. Seit April ist er bei der Firma und hält einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Hand. Außer der Behinderung unterscheidet ihn kaum etwas von den Kollegen. Das ist Dr. Ulrich Weilnhammer, Vorstand der Quentia AG, auch wichtig: „Bei uns spielt eine Behinderung keine Rolle. Wichtig ist, den Mitarbeiter dort einzusetzen, wo seine Stärken liegen. Denn eine Behinderung muss nicht zwangsläufig eine Beeinträchtigung in der Arbeit bedeuten.“ Eine Sichtweise, die auch Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg, teilt: „Eine Behinderung darf nicht mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit gleichgesetzt werden.“

Von den insgesamt 55 Mitarbeitern bei der Quentia haben drei eine Behinderung. „Alle bringen ihre Leistung, genau wie die Kollegen ohne Behinderung. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels stellt die Personengruppe der Menschen mit Behinderung eine der wertvollsten ungenutzten Quellen am Arbeitsmarkt dar. Wir müssen jede Ressource nutzen“, erklärt Dr. Weilnhammer. Reinhold Demel ist froh über diese Aussage, denn im Großen und Ganzen ist der Wirtschaftsaufschwung bei den Menschen mit Behinderung kaum angekommen. Im Gegenteil: „Am Anfang des Jahres stieg die Zahl dieser Gruppe der Arbeitslosen kontinuierlich an. Erst seit kurzer Zeit zeichnet sich hier eine leichte Besserung ab.“

Dabei hilft die Arbeitsagentur bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung finanziell. „Wir haben z.B. das Instrument der Probebeschäftigung. Hierbei kann der Arbeitgeber einen potenziellen Arbeitnehmer bis zu drei Monate testen und die Arbeitsagentur übernimmt das Gehalt“, erklärt Reinhold Demel. Das ist nur eines von vielen Fördermöglichkeiten. Die Quentia AG machte vom Eingliederungszuschuss Gebrauch. Hierbei erhält der Arbeitgeber maximal 24 Monate bis zu 70 Prozent des Bruttogehalts. „Diese Leistung hat meine Einstellung sicherlich ein wenig erleichtert“, glaubt der zweifache Familienvater Marcus Kraus. Bei seinen Bewerbungsschreiben jedoch verzichtet er auf die Erwähnung seiner Krankheit. „Ich möchte mich ins Gespräch bringen, durch Qualität überzeugen. Erst im Vorstellungsgespräch sage ich, dass ich eine Einschränkung habe und weise auf die Fördermöglichkeiten durch die Arbeitsagentur hin.“ Aber nichts desto trotz: „Ich muss durch meine Leistung überzeugen.“ „Das tut er“, bekräftigt Dr. Ulrich Weilnhammer.

Zahlenhintergrund:

Arbeitsmarkt November: 13.168 Arbeitslose, davon sind 1.154 schwerbehindert, das sind 8,8 Prozent. Im Vergleich zu November 2010 ist das eine Abnahme von 67 oder 5,5 Prozent, im Vergleich zu November 2009 ist das aber eine Zunahme von 111 oder 10,6 Prozent.

Von den 1.154 arbeitslosen Menschen mit Behinderung haben 41,1 Prozent keinen Berufsabschluss, 56,2 Prozent eine betriebliche/schulische Ausbildung und 2,3 Prozent einen akademischen Abschluss.

Zum Vergleich: 45,5 Prozent aller Arbeitslosen haben keinen Abschluss, 47,4 Prozent haben eine betriebliche/schulische Ausbildung und 6,4 Prozent einen akademischen Abschluss.

Alter: Im November 2011 sind von den 1.154 arbeitslosen Menschen mit Behinderung 711 50 bis unter 65 Jahren (61,6 Prozent), allgemein beträgt der Anteil der älteren Arbeitslosen 34,9 Prozent.

(Quelle: Arbeitsamt Augsburg, 21.12.2011)

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