Etwas weniger Bewerber, aber deutlich mehr Ausbildungsstellen
Etwas weniger Bewerber, aber deutlich mehr Ausbildungsstellen
- Zahl der Bewerber leicht gesunken (minus 0,4 Prozent)
- Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen deutlich gestiegen (plus 14,5 Prozent)
- Einmündungsquote deutlich gesteigert
- 46 Bewerber suchten am 30. September noch einen Ausbildungsplatz
- 389 unbesetzte Lehrstellen
- Zahl der Altbewerber sinkt weite
Ein minimaler Rückgang der Bewerberzahlen, ein deutlicher Anstieg des Ausbildungsplatzangebots und der erneute Rückgang der Altbewerber sind die Bilanz der Agentur für Arbeit Augsburg zum Ende des Beratungsjahres 2010/2011 auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Zum Stichtag 30. September 2011 suchten noch 46 Jugendliche eine Stelle. „Im Rahmen unserer Nachvermittlungsaktion haben wir allen ein Angebot unterbreiten können: entweder einen Ausbildungsplatz, eine Einstiegsqualifizierung oder eine Form der Berufsvorbereitung. Wir kümmern uns um jeden Jugendlichen“, betont Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg.
Von Oktober 2010 bis September 2011 meldeten die Firmen 4.101 Ausbildungsstellen, 518 oder 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der gemeldeten Ausbildungsbewerber um 16 oder 0,4 Prozent auf insgesamt 4.336 zu. Statistisch gesehen stehen nun 100 Ausbildungsplatzbewerbern 95 Ausbildungsplätze gegenüber. Im vergangenen Jahr standen 100 Ausbildungsplatzbewerbern nur 82 Ausbildungsplätze zur Verfügung. Reinhold Demel: „Der doppelte Abiturjahrgang hat sich bei der Agentur kaum niedergeschlagen. Zwar stieg die Zahl der Bewerber mit Abitur um 16,0 Prozent auf 145, doch absolut gesehen waren dies gerade einmal 20 Jugendliche mehr. Was mich sehr freut ist, dass wir inzwischen fast ein 1:1-Verhältnis zwischen Ausbildungssuchenden und Ausbildungsstellen haben. Letztmalig war dies im Ausbildungsjahr 2001/2002 der Fall. Trotz allem ist es nicht immer möglich, dass jeder Jugendliche eine Stelle in seinem Wunschberuf findet. Daher ist es immer wichtig, sich einen Alternativberuf zu überlegen. Dabei kann in einem ersten Schritt ein Besuch in unserem Berufs-Informations-Zentrum hilfreich sein. In einem weiteren Schritt können unsere Berufsberater durch ein persönliches Gespräch Alternativen aufzeigen.“
Zum Stichtag waren noch 389 Stellen unbesetzt, diese kamen zumeist aus dem Dienstleistungsbereich, z.B. dem Verkauf und dem Gastronomiebereich sowie der Produktion und Fertigung wie der Lebensmittelherstellung (Bäcker, Metzger).
Erfreulich in diesem Jahr: Die Zahl der Neubewerber – das sind die Jugendlichen, die in diesem Jahr die Schule abgeschlossen haben – steigt weiter an, sie beträgt aktuell 57,6 Prozent der Jugendlichen (2010: 55,5 Prozent, 2009: 50,2 Prozent, 2008: 44,4 Prozent, 2007: 41,5 Prozent). „Unsere großen Anstrengungen in den vergangenen Jahren, die so genannten Altbewerber, die ein Jahr oder länger eine Lehrstelle suchen, in eine Ausbildung oder überbetriebliche Ausbildung zu vermitteln, zahlt sich zunehmend aus“, resümiert Reinhold Demel.
Ausbildungsstellen und Bewerber
Beim Blick auf den Agenturbezirk fällt auf, dass in diesem Jahr vor allem im Gebiet der Hauptagentur die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist: um 463 oder 17,2 Prozent auf 3.158 Stellen. In den beiden Geschäftsstellen stieg die Zahl der Ausbildungsplätze moderat an. In der Geschäftsstelle Aichach gab es 43 oder 7,3 Prozent mehr, das sind insgesamt 634 Ausbildungsstellen, in Schwabmünchen waren es 12 oder 4,0 Prozent mehr, das sind insgesamt 309 Ausbildungsstellen.
Die leicht gesunkene Zahl der Ausbildungsbewerber im Agenturbezirk rührt von der Hauptagentur her. Dort sank die Zahl um 59 oder 1,9 Prozent. In der Geschäftsstelle Aichach gab es 24 oder 3,7 Prozent mehr und in der Geschäftsstelle Schwabmünchen waren es 19 oder 3,1 Prozent mehr Lehrstellenbewerber.
Bei den meisten jungen Menschen stehen Berufe im Bereich Produktion und Fertigung sowie kaufmännische Dienstleistungen und Handel hoch im Kurs: 26,8 Prozent oder 1.164 interessierten sich für ersteren Bereich und 1.113 oder 25,7 Prozent für den zweiten. Gefragt waren der allgemeine Verkauf (663) sowie der Bürobereich (435).
Das Stellenangebot im Bereich Produktion und Fertigung hat um 239 oder 25,6 Prozent auf 1.172 zugenommen, z.B. im Bereich Fahrzeugtechnik gab 76 Stellen mehr (166). Das Interesse der Jugendlichen für den Bereich Produktion und Fertigung hingegen stieg nur um 0,7 Prozent auf 1.164, so dass hier fast ein Verhältnis 1:1 herrscht.
Im Bereich der kaufmännischen Dienstleistungen (Einkauf, Verkauf, Tourismus) gab es 68 Stellen mehr, das ist ein Anstieg um 7,3 Prozent auf 998. Die Zahl der Bewerber hat um 5,2 Prozent auf 1.113 zugenommen. So gab es z.B. im Verkauf jetzt 440 Stellen, das ist ein Anstieg um 76 oder 20,9 Prozent. Gegenüber früheren Jahren hat sich das Verhältnis in der Branche kaufmännische Dienstleistungen erheblich verbessert. Heute stehen 100 Ausbildungsplatzbewerbern 90 Ausbildungsplätze gegenüber.
Für den Bereich Unternehmensorganisation (Industriekauffrau, Bankkaufmann, Rechtsanwaltsgehilfin) interessierten sich 816 Jugendliche, die auf ein Angebot von 740 Stellen trafen. Bei den Bewerbern gab es ein Minus von 1,4 Prozent und bei den Lehrstellen ein Plus von 6,9 Prozent. Das Verhältnis beträgt hier 100:91. Im Bürobereich (Bürokauffrau/-mann) stieg das Angebot um 23,4 Prozent auf 269 und die Nachfrage sank um 2,0 Prozent auf 435.
Von den 4.336 Bewerbern mündeten 2.400 in eine betriebliche Ausbildung ein, das entspricht einer Quote von 55,4 Prozent (2010: 50,1 Prozent, 2009: 46,5 Prozent). Mehr als jeder Zweite hat eine betriebliche Ausbildung begonnen.
Bei der Betrachtung der „TOP 10 Wunschberufe“ fällt auf, dass sich die Frauen weiterhin weniger flexibel zeigen als die Männer. Nahezu 2/3 aller Frauen (62,8 Prozent der gemeldeten Bewerberinnen) fixieren sich auf die unten aufgeführten zehn Berufe. Während es bei den Männern nicht einmal die Hälfte ist (42,9 Prozent der gemeldeten Bewerber):
Frauen:
1. Bürokauffrau
2. Kauffrau im Einzelhandel
3. Medizinische Fachangestellte
4. Verkäuferin
5. Friseurin
6. Industriekauffrau
7. Kauffrau für Bürokommunikation
1. Zahnmedizinische Fachangestellte
2. Fachverkäuferin Lebensmittelhandwerk Bäckerei
3. Mediengestalterin Digital und Print
Männer:
1. Kaufmann im Einzelhandel
2. Kraftfahrzeugmechatroniker Personenkraftwagentechnik
3. Verkäufer
4. Industriemechaniker
5. Fachlagerist
6. Bürokaufmann
7. Maler und Lackierer Gestaltung und Instandhaltung
8. Fachkraft für Lagerlogistik
9. Industriekaufmann
10. Metallbauer Konstruktionstechnik
Details zu den Bewerbern
Etwas mehr als die Hälfte der Bewerber (51,6 Prozent oder 2.377) hat einen Hauptschulabschluss, 30,5 Prozent oder 1.404 der Bewerber haben einen Mittleren Abschluss, die Fachhochschulreife oder das Abitur haben 10,3 Prozent oder 476 und 62 oder 1,3 Prozent keinen Schulabschluss.
Aktivitäten: Arbeitsagentur fördert Jugendliche mit 9,483 Mio. Euro
- Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) 725 Plätze, 3,645 Mio. Euro
- Einstiegs-Qualifizierungen (EQ) 268 Plätze, 1,048 Euro. Beim EQ handelt es sich um ein ausbildungsnahes Betriebspraktikum von bis zu zwölfmonatiger Dauer, das in eine betriebliche Ausbildung einmünden kann.
- Überbetriebliche Ausbildung für benachteiligte Jugendliche (lernbeeinträchtig, sozial benachteiligt): insgesamt 312 junge Menschen, davon haben 120 in diesem Jahr angefangen, 2,808 Mio. Euro
- Ausbildungsbegleitende Hilfen: 495 Jugendliche, 785.000 Euro
- Vertiefte Berufsorientierung: fast 5.000 Schülerinnen und Schüler in 70 Maßnahmen, 860.000 Euro
- Ausbildungsbonus: 75 Jugendliche, 337.500 Euro. Beim Ausbildungsbonus handelt es sich um einen finanziellen Zuschuss bei Einstellung von Jugendlichen, die ihren Ausbildungsplatz wegen Insolvenz, Stilllegung oder Schließung des Ausbildungsbetriebes verloren haben.
Darüber hinaus engagieren sich auch die Berufsschulen mit ihren Berufsvorbereitungsjahren in schulischer und kooperativer Form für Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben oder noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben.
Ausbildungsstellen nach ihrer Kammerzugehörigkeit
Von den 4.101 gemeldeten Ausbildungsstellen sind 2.288 (55,8 Prozent) der Industrie- und Handelskammer zuzurechnen, das ist ein Plus von 301 Stellen oder 15,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1.075 (26,2 Prozent) sind der Handwerkskammer zuzurechnen. Das ist eine Zunahme um 157 Stellen oder 17,1 Prozent.
(Quelle: Arbeitsagentur Augsburg, 07.11.2011)


