Auch Bewerber mit Schwächen haben eine Chance verdient
Die Philosophie zum Tag des Ausbildungsplatzes am 18. Mai hat sich geändert. Es geht weniger um das Werben von Lehrstellen. Vielmehr sollen Arbeitgeber auch Bewerber mit Schwächen in ihre Personalentscheidungen einbeziehen, denn „die olympiareifen Kandidaten gibt es kaum.“ Seit 15 Jahren findet der Tag des Ausbildungsplatzes statt. Arbeitsvermittler und Berufsberater der Agentur für Arbeit Aschaffenburg und der Jobcenter besuchten Arbeitgeber oder starteten Telefonaktionen, um Ausbildungsstellen einzuwerben. Diese relativ arbeitgeberlastige Betrachtung resultierte noch aus der Zeit, als es wesentlich mehr Bewerber als Lehrstellen gab.
Demografie und Fachkräftebedarf verlangen ein Umdenken. Mittlerweile gibt es Berufe, in denen es mehr Bewerber, und andere, in denen es mehr Stellen gibt. Nachfrage und Angebot finden aus vielerlei Gründen immer schwieriger zusammen.
Die Agentur für Arbeit Aschaffenburg hat sich vorgenommen, die Arbeitgeber- oder Stellenorientierung zum Tag des Ausbildungsplatzes um den Blick auf die vorhandenen Bewerber zu erweitern. Es wurden 940 Anschreiben zum Tag des Ausbildungsplatzes versandt. Dabei wurden gezielt Firmen angesprochen, die Ausbildungsberufe anbieten, bei denen ein deutlicher Bewerberüberhang besteht, wie bei Malern und Lackierern, Metallbauern oder Fachlageristen. 45 Unternehmen signalisierten einen Terminwunsch. Häufig wurde auf den Rückmeldebögen das Thema „Förderung“ genannt.
Harald Maidhof, Leiter der Agentur für Arbeit Aschaffenburg: „Es gibt kein Überangebot an ‚olympiareifen‘ Bewerbern mehr. Die Unternehmen müssen langfristig umdenken, um ihren künftigen Fachkräftebedarf zu decken. Sie sollten auch schwächere junge Menschen in die Personalauswahl einbeziehen. Wir wollen die Arbeitgeber zur Ausbildung motivieren. Gleichzeitig soll ihnen die Botschaft vermittelt werden, dass auch Jugendliche, die noch Unterstützung brauchen, gute Chancen bieten, motivierte Fachkräfte von morgen zu sein.“
Die Agentur bietet den Betrieben an, sich durch ein „Expertenteam“ beraten zu lassen. Erster Ansprechpartner sind die Vermittler aus dem Arbeitgeber-Service. Sie werden – je nach Anliegen des Unternehmens – von Fachkräften aus der Berufsberatung, dem Jobcenter oder aus dem Reha/SB-Bereich unterstützt. Der Vorteil für den Arbeitgeber: eine kompetente Rundumberatung. Und für die Arbeitsagentur erhofft sich Teamleiter Wolfgang Hebel: „Die Akquise von Aufträgen, die Erhöhung der Einstellungschancen der Jugendlichen sowie mehr Kundenzufriedenheit. Um das zu erreichen, wird dem Arbeitgeber zum Tag des Ausbildungsplatzes ein terminiertes Gespräch angeboten, damit gezielt Ausbildungsthemen, aber auch andere Themen wie Fachkräftebedarfe angesprochen werden können. Außerdem werden die Vermittler in dem Gespräch motivierte, jugendliche Bewerber vorstellen.“
Vor allem sollten folgende Jugendliche berücksichtigt werden:
Jugendliche aus Bedarfsgemeinschaften (SGB II) gesundheitlich eingeschränkte Jugendliche Jugendliche mit Behinderung Jugendliche mit Migrationshintergrund Ausbildungsabbrecher Altbewerber
Durch ihren Einsatz am Tag des Ausbildungsplatzes unterstützen die Vermittler und Berater die Arbeitgeber, überzeugen durch kompetente Beratung und bestätigen ihre Rolle als erster Dienstleister am Arbeitsmarkt.
(Quelle: Arbeitsagentur Aschaffenburg, 04.05.2011)


