Jeder ist Gewinner- Beschäftigung von Menschen mit Behinderung
Arbeitsagentur Tauberbischofsheim wirbt für die Einstellung Behinderter- Firma VS Vereinigte Schulmöbel beispielhaft
Wie Inklusion im Unternehmen funktionieren kann, war Inhalt der Gesprächsrunde von Mitarbeitern der Arbeitsagentur und Vertretern der Geschäftsführung und Personalverantwortlichen der Firma VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken GmbH & Co. KG in Tauberbischofsheim anlässlich der Aktionswoche „Menschen mit Behinderung“.
Berufliche Inklusion von Behinderten bedeutet die aktive und vorurteilsfreie Teilnahme von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben, Ausbildung und Beschäftigung.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn arbeitslos gemeldete Menschen mit Behinderung konnten bislang vom Aufschwung am Arbeitsmarkt bei weitem nicht in dem Umfang profitieren wie Nichtbehinderte. Sie sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen. Auch im Agenturbezirk Tauberbischofsheim. Der Anteil der Schwerbehinderten an allen Arbeitslosen liegt hier bei 15 Prozent, in Baden-Württemberg bei 8,1 Prozent und in Deutschland bei 6,3 Prozent. Und obwohl Fachkräfte gesucht werden, haben viele Unternehmen noch Vorurteile gegenüber der Beschäftigung behinderter Menschen.
Vorurteile wie „ schwerbehinderte Menschen seien häufig krank, unkündbar, eingeschränkt leistungsfähig und würden hohe Kosten für den Betrieb verursachen“, gibt es bei der Tauberbischofsheimer Firma VS nicht. Denn die Firma beschäftigt doppelt so viele Schwerbehinderte wie gesetzlich vorgeschrieben und hat gute Erfahrungen damit gemacht. So sind derzeit 94 Menschen (10 Prozent der Mitarbeiter) mit Handicap in den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen beschäftigt. Nicht nur aus ihrem sozialen Pflichtbewusstsein heraus, sondern auch, um die richtigen Mitarbeiter für den richtigen Arbeitsplatz zu bekommen. Schließlich sind viele Menschen mit Behinderung gut ausgebildet.
„Wir können und möchten auf dieses Fachkräftepotential nicht verzichten“ so Bernhard Schwering, Kaufmännischer Geschäftsführer der VS. Zusammen mit dem sehr engagierten und sachkundigen Vertrauensmann für Schwerbehinderte, Gerhard Rupp, und der gesamten Mitarbeiterschaft setzt die Geschäftsführung Inklusion erfolgreich um. Wobei eine entsprechende Aufklärung und Bereitschaft innerhalb der Abteilung und der Kollegen selbstverständlich dazu gehört.
Um die Firma auch weiterhin bestmöglich zu unterstützen, informierten die Fachleute und Ansprechpartner der Arbeitsagentur für Rehabilitanden und Schwerbehinderte über aktuelle und bewährte Möglichkeiten und Unterstützungsangebote zu Ausbildung, Einstellung und Weiterbeschäftigung von Behinderten.
„Dabei setzen wir sowohl bei der Ausbildung von jungen Menschen als auch bei Qualifizierung und Eingliederung auf Betriebsnähe, da die Chancen der anschließenden Übernahme deutlich höher sind“, so Klaus Bucher, Leiter des Teams für Rehabilitanden und Schwerbehinderte.
Zum Thema „Ausbildung von behinderten Jugendlichen“ erläuterte Udo Beireis, Geschäftsführer der bbg (Bildungs- und Beschäftigungsgesellschaft mbH) verschiedene Formen der Ausbildung. Die bbg arbeitet im Auftrag der Arbeitsagentur, die auch die Finanzierung trägt.
Bei der kooperativen Ausbildung schließt der Jugendliche einen Ausbildungsvertrag mit der bbg ab. Die fachpraktische Ausbildung findet in der Firma statt, mit der die bbg einen Kooperationsvertrag hat. Alle organisatorischen Dinge, wie Besuch der passenden Berufsschule, Vorbereitung auf die Prüfung oder Teilnahme an Stützunterricht, werden über die bbg geregelt.
Die Jugendlichen erhalten von der Arbeitsagentur ein Ausbildungsgeld.
Bei der betrieblich betreuten Umschulung wird der Umschulungsvertrag zwischen dem Umschüler und der Firma geschlossen, aber auch hier organisiert die bbg alles „drum herum“.
Von der Arbeitsagentur gefördert und begleitet wird auch ein Betrieb, der eine betriebliche Ausbildung auf Werkerebene durchführt. Werkerausbildungen sind in Theorie und Praxis reduzierte Ausbildungsgänge, die in einer dualen Ausbildung nach eigenen Rahmenplänen in Betrieben oder speziellen Einrichtungen durchgeführt werden. 2011 waren es an die 100 Absolventen aus überbetrieblichen Einrichtungen, die als Holzbearbeiter, Metallfeinarbeiter, Bau./Metallmaler, Gartenbaufachwerker, Beikoch oder Hauswirtschaftshelfer eine Stelle suchten und überwiegend auch gefunden haben.
Da die Firma auch diese Fachkräfte bei ihrer Stellenbesetzung mit einbeziehen möchte, wird Elke Endres, Spezialistin für die Integration behinderter Menschen und mit dem Absolventenmanagement beauftragt, jeweils passende Bewerberprofile mit den Personalentscheidern besprechen.
Für die Integration von Schwerbehinderten, die arbeitslos gemeldet sind, gibt es die Möglichkeit, über spezielle Eingliederungsmaßnahmen, die auch Betriebspraktika vorsehen, beruflich wieder Fuß fassen zu können.
Was ist zu tun, wenn ein Mitarbeiter aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht weiter an seinem bisherigen Arbeitsplatz arbeiten kann?
„Auch hier kann die Arbeitsagentur unterstützen“, informierte Elke Endres:
bei innerbetrieblicher Umsetzung mit Zuschüssen für die notwendige Einarbeitung am neuen Arbeitsplatz oder für eine behindertengerechte Arbeitsplatzausstattung bzw. Umrüstung. Dies können bauliche Barrieren wie eine Auffahrrampe sein aber auch Bedienelemente, die aufgrund einer Behinderung notwendig sind. In jedem Einzelfall wird mit Hilfe des Technischen Beraters die erforderliche Hilfe vor Ort geklärt.
„Informativ, gewinnbringend und wichtig für unsere Personalpolitik“ lautet das Fazit der Gespräche. Und Bernhard Schwering betonte, dass „ wir auch in Zukunft eng mit der Arbeitsagentur zusammenarbeiten werden und an weiteren regelmäßigen Informationsgesprächen in dieser Runde sehr interessiert sind.“
Es wurde deutlich, dass noch zu viele Firmen Potentiale verschenken. Durch die Einstellung von Behinderten ergibt sich eine klassische win-win-Situation.
„Deshalb möchten wir Arbeitgeber ermutigen, Menschen mit Behinderung einzustellen“, so Klaus Bucher. „Ein erster Schritt wäre es, wenn Betriebe über ein Praktikum Behinderten zumindest eine Chance geben, zu zeigen, was in ihnen steckt.“
(Quelle: Arbeitsamt Tauberbischofsheim, 15.12.2011)

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