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Woche der Menschen mit Behinderung - Integration allein genügt nicht

Mit einem Business Talk im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen hat die Agentur für Arbeit Ravensburg auf die am nächsten Montag beginnende Aktionswoche für Menschen mit Behinderung aufmerksam gemacht. Entscheider aus der Wirtschaft und Vertreter von Verbänden und der Politik beschäftigten sich mit dem Thema „Inklusion“, der gleichberechtigten Teilhabe dieses Personenkreises am Arbeits-und Berufsleben sowie in der Gesellschaft.

Der Hintergrund: Zur Umsetzung der Behindertenrechtskommission der Vereinten Nationen wurde im Sommer 2011 ein nationaler Aktionsplan verabschiedet, welcher die Menschenrechte für die Bedürfnisse und Lebenslagen konkretisiert. Hier sehen sich die Arbeitsagenturen als Impulsgeber. Sie sind aber auch in der Funktion als Reha-Träger, Träger der Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung sowie als öffentlicher Dienstleister und Arbeitgeber gefordert.

In seinem Impulsreferat „Inklusion als Utopie?“ führte der Stuttgarter Prof. Dr. Thomas Meyer von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in die Thematik ein. Er konstatierte einen Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik, stellte aber fest, dass Inklusion mehr bedeutet als Integration. Jeder soll in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert werden und die Möglichkeit haben, in vollem Umfang an ihr teilzunehmen. Prof. Meyer beschrieb das Inklusionskonzept und stellte Überlegungen zur Umsetzung in Theorie und Praxis an, bevor in einer Diskussionsrunde zwei Arbeitgeber über ihre Erfahrungen mit behinderten Menschen in Ausbildung und Arbeit berichteten.

Andreas Wellhäuser von der gleichnamigen Metzgerei aus Ravensburg hat einen gehörlosen jungen Mann mit Erfolg zum Fleischer ausgebildet. Oft seien es lediglich organisatorische Erfordernisse oder einfach ein Umdenken in der Kommunikation, die einer Ausbildung in einem Handwerksbetrieb entgegen stehen. Es sei aber auch wichtig gewesen, dass durch die Agentur für Arbeit der Besuch der Berufsschule in einer speziell für diesen Personenkreis bestehenden Einrichtung in Essen sichergestellt war. Sonst wäre eine rein betriebliche Ausbildung nicht möglich gewesen.

Gute Erfahrungen hat auch Stefan Sutter von der Firma AL Logistik GmbH aus Isny gemacht. Er beschäftigt seit geraumer Zeit mehrere Behinderte in der Lagerwirtschaft und bildet auch aus. Behinderte Mitarbeiter sind sehr zuverlässig, wenn man sie auf einem Arbeitsplatz einsetzt der ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entspricht. Es sei erstaunlich, welch positive Entwicklungen sich im Laufe der Zeit ergeben haben, die man zu Beginn des Arbeitsverhältnisses nicht für möglich gehalten hätte. Wichtig sei aber auch, Vorbehalte der anderen Mitarbeiter gegenüber behinderten Menschen abzubauen und Abgrenzung zu vermeiden.

Auf einen weiteren Aspekt machte Gabriele Kreiß, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ravensburg, aufmerksam. Nach ihren Worten kennzeichnen sinkende Arbeitslosenzahlen und eine anhaltend hohe Arbeitskräftenachfrage seit Monaten den Arbeitsmarkt. Egal ob Jüngere, Ältere, Alleinerziehende oder Langzeitarbeitslose – die Zahl der Arbeitsuchenden ist gesunken. Die Gruppe der Menschen mit Behinderung konnte aber nicht in gleichem Umfang vom Aufschwung profitieren: Sie sind ein stilles Potential, dem mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel mehr Aufmerksamkeit zukommen muss. Derzeit sind 600 Menschen mit einer Behinderung arbeitslos gemeldet, acht Prozent aller Arbeitslosen. „Ein Handicap steht Leistungsfähigkeit nicht entgegen. Behinderte Menschen sind – richtig eingesetzt – voll leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einbeziehen statt Ausgrenzen ist deshalb nicht nur sozialpolitisch, sondern auch ökonomisch dringend geboten“, appellierte Kreiß.

(Quelle: Arbeitsagentur Ravensburg, 28.11.2011)

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