Ausbildungsmarkt 2010/2011: Begehrter Nachwuchs
Das aktuelle Ausbildungsjahr hat vor rund neun Wochen begonnen, jetzt zog die Agentur für Arbeit Nagold Bilanz. Auch in den Landkreisen Calw und Freudenstadt können die Unternehmen nicht mehr aus dem Vollen schöpfen, sie müssen inzwischen um den Nachwuchs kämpfen.
Die Zahl der noch unbesetzten Stellen (220) übersteigt die der noch nicht vermittelten Bewerber (vier). Auch wenn im nächsten Jahr doppelte Abiturjahrgänge und das Ende der Wehrpflicht die Folgen der Demographie dämpfen, die Zahl der Lehrstellen-Interessenten wird weiter schrumpfen.
Im abgelaufenen Berichtsjahr wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Nagold insgesamt 2077 Ausbildungsstellen gemeldet, 128 oder 6,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Eine Lehrstelle suchten 1832 Bewerberinnen und Bewerber über die Nagolder Berufsberatung, das waren 220 oder 10,7 Prozent weniger als 2009/2010.
„Die Ursachen für die positive Entwicklung bei den gemeldeten Lehrstellen liegen in der guten wirtschaftlichen Entwicklung. Die Unternehmen benötigen dringend Fachkräfte und bilden deshalb mehr Lehrlinge aus. So meldeten auch die Kammern bereits mehr eingetragene Ausbildungsverträge.
Der rückläufige Trend auf der Bewerberseite ist im Wesentlichen auf die demographische Entwicklung mit rückläufigen Schulabgängerzahlen sowie auf die veränderten Suchstrategien zurückzuführen: Bei der Stellenbesetzung spielen die Jobbörsen der Arbeitsagenturen sowie der Ausbildungspartner im Internet eine zunehmend größere Rolle. Zudem kommen durch die präventiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der vertieften Berufsorientierung, die zu großen Teilen von der Agentur für Arbeit getragen wird, immer mehr Jugendliche und Betriebe ohne Beteiligung der Berufsberatung direkt in Kontakt. Diese tauchen dann nicht in der Statistik auf“, so Ulrich Viertl, Leiter der Agentur für Arbeit Nagold.
Ausbildungsstellen
Die Top Ten der gemeldeten Ausbildungsstellen führen die Köche (167) an, gefolgt von den Hotel- (130) und Restaurantfachleuten (126), den Kaufleuten im Einzelhandel (115), den Verkäufern und den Industriekaufleuten (je 85).
Am Ende des Beratungsjahres waren noch 220 freie Ausbildungsplätze gemeldet, 37 oder 20,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten freien Ausbildungsstellen gab es zu diesem Zeitpunkt wie in den Vorjahren bei den Köchen (44), den Restaurantfachleuten (29), und den Kaufleuten im Einzelhandel (27).
Dass es nicht gelungen ist, mehr Stellen zu besetzen, hat unterschiedliche Ursachen. Beispielsweise können Ausbildungsplätze, die weit abgelegen sind, von Jugendlichen ohne Führerschein schlecht erreicht werden. Zum anderen wurden viele Stellen, die mit hohen Qualifikationsanforderungen verbunden sind, erst sehr spät gemeldet. Dann gestaltet es sich wegen der immer kleiner werdenden Bewerberzahl schwierig, passende Kandidaten zu finden. Darüber hinaus beschränken sich junge Leute bei ihrer Berufswahl immer häufiger auf einige wenige Berufe. „Wenn es mit dem Traumberuf nicht klappt, entscheiden sich immer mehr Lehrstellenbewerber dazu, noch weiter zur Schule zu gehen statt sich mit Ausbildungsalternativen zu beschäftigen”, sagt Viertl.
Bewerber
Weniger als ein Drittel aller Bewerber (29,6 Prozent) verfügte über einen Hauptschulabschluss, 51,2 Prozent über die Mittlere Reife, 9,8 Prozent über die Fachhochschulreife und 7,3 Prozent hatten Abitur. Der Trend zu höheren Schulabschlüssen setzt sich also fort.
Insgesamt 255 Bewerber oder 13,9 Prozent hatten eine andere als die deutsche Nationalität. Die Anzahl der Altbewerber, also Bewerber die bereits im Vorjahr oder früher die Schule verlassen haben, blieb mit 34,7 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres (34,6 Prozent). Insbesondere die Altbewerber mit oft schwachen Zeugnissen und längeren Unterbrechungen der Bildungs- und Ausbildungsbiografie (etwa durch gescheiterte Ausbildungsversuche oder sogenannte Warteschleifen) haben häufig Probleme, die gewünschte Ausbildungsstelle zu finden.
Viele Jugendliche beginnen erst gar nicht oder sehr spät mit der aktiven Suche nach einer Lehrstelle. Sie erhoffen sich durch den Besuch einer weiterführenden Schule einen höheren Bildungsabschluss zu erlangen.
Hauptberufswünsche der Jugendlichen waren Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel (152), Industriekaufmann/Industriekauffrau (134) sowie Bürokaufmann/Bürokauffrau (114).
Die Zahl der unversorgten Bewerber ohne Ausbildungsplatz oder Alternativen ging gegenüber dem Vorjahr zurück. Nur vier Berufsanfänger, und damit zwei oder 33,3 Prozent weniger als im Vorjahr, waren zum Ende des Beratungsjahres 2010/2011 noch unversorgt.
Hilfsangebote der Arbeitsagentur
Von Arbeitgebern wird immer wieder beklagt, dass Jugendliche auf eine betriebliche Ausbildung nicht genügend vorbereitet sind. Für Schulabgänger, die nicht oder noch nicht berufsreif sind oder die nicht die Einstellungsbedingungen der Ausbildungsbetriebe erfüllen, bietet die Agentur für Arbeit wieder Fördermaßnahmen bei verschiedenen Bildungsträgern im Bezirk an. Wenn sich der Start ins Berufsleben nicht direkt über eine duale Ausbildung realisieren lässt, wird die Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (180 Plätze) oder einer Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (135 Plätze) angeboten. Die Mehrzahl der Teilnehmer an diesen Lehrgängen konnte bisher nach erfolgreicher Teilnahme im Folgejahr in eine Ausbildung vermittelt werden. Außerdem wurden von der Nagolder Agentur zum Ausbildungsbeginn Herbst 2011 35 junge Menschen in überbetrieblichen Ausbildungsplätzen (BAE) gefördert. Hinzu kommen 136 Förderplätze für lernschwächere Auszubildende, denen über ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) geholfen wird, schulische Ausbildungsdefizite abzubauen.
"Für Jugendliche, die im nächsten oder übernächsten Jahr die Schule verlassen, sollte auch der Weg zur Berufsberatung der Arbeitsagentur zum Pflichtprogramm gehören. Wir bieten den Jugendlichen ein ganzes Paket rund um das Thema Berufswahl und Ausbildung. Erfahrungsgemäß kommen viele Jugendliche zu spät zur Beratung und verbauen sich so ihre Chancen“, so Viertl abschließend.
Eine besonders gute Möglichkeit, sich über viele Ausbildungsberufe zu informieren, bieten wieder die Top-Job Bildungsmessen am 30. Juni 2012 in Nagold und am 19. Juli 2012 in Freudenstadt.
(Quelle: Arbeitsagentur Nagold, 07.11.2011)

Zurück: Der Arbeitsmarkt im Monat Oktober 2011

