Chancen in der Altenpflege
"Alternde Gesellschaft“, „demografischer Wandel“, „Fachkräftemangel“ und „Pflegenotstand“, diese Schlagworte kennt inzwischen jeder. Wie sieht es damit im Zollernalbkreis aus?
Mit dieser Frage beschäftigten sich in der Agentur für Arbeit Balingen Vertreter zahlreicher in der Altenpflegebranche tätiger Unternehmen, Institutionen und Organisationen in einem Arbeitsmarktgespräch, zu dem Georg Link, Leiter der Balinger Arbeitsagentur, unter Anderem auch die parlamentarische Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz MdB aus dem Bundesministerium für Gesundheit gewinnen konnte.
Pflegeberufe haben eine große Zukunft. Bundesweit rechnet man in den nächsten zehn Jahren mit einem zusätzlichen Bedarf von ca. 80.000 Pflegekräften und weiteren 200.000 Betreuungskräften. Der „Altenpfleger“ hat dennoch nicht die Anerkennung die er verdient, obwohl sich doch letztlich jeder wünscht, im Alter gut betreut zu werden. Warum das so ist, darüber diskutierten die Teilnehmer.
Die Daten des Arbeitsmarktes im Zollernalbkreis belegen den Handlungsbedarf. Im sozialen Bereich, zum dem auch die Pflegeberufe zählen, gibt es immer mehr Beschäftigte. Die Arbeitsagentur verzeichnet einen jährlich steigenden Zugang an gemeldeten Arbeitsstellen, dagegen aber einen nur noch sehr geringen Zugang an arbeitslosen Pflegekräften, die auf freie Stellen vermittelt werden könnten. Angesichts des ohnehin in den nächsten Jahren wegen zurückgehender Schülerzahlen sinkenden Potenzials an Nachwuchskräften sind die Erhöhung der Zahl der Ausbildungen und die Weiterbildung in der Altenpflege wichtige Handlungsfelder.
Edgar Wagner, Heimleiter der Senova GmbH, schilderte eindrücklich seine Erfahrungen als privater Unternehmer in dieser Branche. Bestehen könne man nur, wenn Ausbildung und Arbeit in der Altenpflege attraktiv sind. Wagner nannte zahlreiche Beispiele für eine erfolgreiche Unternehmenskultur, die den Schwerpunkt auf die Zufriedenheit der Beschäftigten legt. Flexible Arbeitszeitregelungen, leistungsorientierte Bezahlung, verantwortungsvolle Tätigkeiten und ein harmonisches Arbeitsumfeld machen die beste Werbung für den Pflegeberuf.
Annette Widmann-Mauz hob die Bedeutung der Pflegeberufe nochmals hervor. Dieses Thema wird auch bundespolitisch sehr ernst genommen. Es bestünde aber durchaus Grund zu Optimismus. Der Pflegeberuf sei attraktiver denn je, was eine hohe Zahl an abgeschlossenen Ausbildungsverträgen belege. Auf politischem Weg wurde und wird Einiges unternommen, um das Berufsfeld noch anziehender zu machen. Hierzu gehören unter Anderem flexiblere Richtlinien zum Tätigkeitsbereich der Pflegefachkräfte, die Vereinfachung der Anerkennung ausländischer Qualifikationen sowie eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive. Widmann-Mauz erläuterte die aktuellen Überlegungen im Bundeskabinett, beispielsweise zur generalisierten Pflegeausbildung und zur Pflegereform, berichtete aber auch über Zwänge der Arbeit im politischen Raum.
Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit zahlreichen kritischen Anmerkungen und Anregungen für die Bundespolitikerin, um auf gesetzgeberischer Ebene die Situation in der Pflegebranche zu verbessern. Der Austausch brachte aber auch erste Erkenntnisse und Ideen für konkrete Maßnahmen vor Ort, um die Attraktivität des Pflegeberufs deutlicher hervorzuheben und auch noch zu steigern. Pflege gewinnt inzwischen an Wertschätzung, dennoch gibt es viele Handlungsfelder.
Das Fazit der Gesprächsrunde war sehr positiv. Alle begrüßten den regen und vor allem konstruktiven Austausch. Hochqualifiziertes Personal leistet hervorragende Arbeit in der Altenpflege. Diese Arbeit macht Spaß macht und ist erfüllend. Wie man dies noch besser vermittelt, um Menschen für eine Ausbildung und die Arbeit in Pflegeberufen zu begeistern und welche ganz konkreten Maßnahmen und Strategien dazu sinnvoll sind, darüber werden sich die Teilnehmer in künftigen Gesprächsrunden weiter austauschen.
(Quelle: Arbeitsagentur Balingen, 21.11.2011)

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